Von finnischen Musikern erwartet man naturgemäß ganz finsteren und bösen Metal, je weiter nördlich sie wohnen, desto düsterer erschien die jeweilige Band-Mucke. Beispiele? Bitte: Children Of Bodom, Catamenia oder Thy Serpent. Die Metaller von Sonata Arctica kommen aus Kemi, was im äußersten Norden des skandinavischen Ländles liegt. Uneingeweihte vermuten nun derbe Gewaltattacken musikalischer Natur, doch weit gefehlt... Der Fünfer hat sich Vorwürfe gefallen zu lassen, nur bei den ganz Süßen und Zarten unter dem Headbanger-Volk anzukommen ob ihres virtuosen, oftmals verträumten und balladesken Melodic Power Metal. Eines vorweg: Diesen Ruf werden sie auch mit „Winterheart´s Guild“ nicht los! Doch was kümmert das Geschwätz von gestern, der neue Silberling schließt nahtlos am Meisterwerk „Silence“ an, wenn es dieses nicht sogar durch noch ausgereifteres Songwriting übertrifft. Dabei zeigen die Sonatas, dass sie gar nicht so zahnlos sind, brettern sie doch in wunderschön romantischen Songs wie „Champagne Bath“ mitunter herrlich drauf los und Sangeswunder Tony Kakko zeigt mit aggressivem Shouting, dass er nicht nur die glockenhellen Passagen beherrscht. Inhaltlich beschäftigen sich die Senkrechtstarter, die seit 1999 mit dem Release ihrer Debütsingle „UnOpened“ die Szene so richtig aufmischen, zum Glück immer noch nicht mit Monstern, Drachen und Burgen. Davon gibt es a) schon genug und b) sind diese Wesen im hohen Norden recht selten, scheinbar fehlt dazu die Inspiration, darüber zu berichten. Nehmen wir einmal an, dass solch Geschöpfe wie Feen und Zauberer, entnommen dem bezauberndem Cover-Artwork neben realistischeren Themen Pate für die Lyrik stand. Diese unterlegen immer wieder die virtuose, filigrane und eingängige Instrumental-Arbeit, die für eine bombastische, ergreifende und emotional dichte Atmosphäre sorgen, ohne im Happy Metal zu verkommen. Hier sind dann wohl ob der melancholischen Momente die finnischen Wurzeln zu erkennen. Neben dem anspruchsvollen musikalischen Aspekt veredelt Hauptsongwriter und Sänger Toni Kakko die ohnehin schon eingängigen Kompositionen mit etlichen ohrwurm-kompatiblen Sanges-Linien, die so herrlich romantische, verträumte, ergreifende, aber auch rasante Momente wie in „The Ruins Of My Life“ kreieren. Da ist es mir egal, was die Spötter der Finnen sagen, ich lege kurz den Patronengurt ab, forme für einige Zeit nicht das Evil-Zeichen und schaue böse drein, sondern lasse mich treiben und genieße diese emotionale Scheibe mit zehn superben Hymnen...