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Subway To Sally sind schon immer eine der besten Livebands auf unserem Planeten gewesen. Immer und immer wieder haben sie auch auf ihren Alben bewiesen, daß Spaß, Spielfreude, Originalität und deutsche Texte sehr wohl sowohl äußerst hochwertig, als auch kommerziell erfolgreich sein können.
Langsam aber sicher kroch allerdings eine gewisse Müdigkeit in ihre Songs und Alben. Selbstverständlich wurde auch auf den vorherigen Alben songwriterisch und musikalisch alles andere als Dutzendware geboten, aber auf eine bestimmte Art fingen Subway To Sally an, sich selbst zu wiederholen. Es war an der Zeit, zu überlegen, ob man immer weiter im Trott macht, oder aber eine Stilkorrektur vornimmt, um sich sozusagen neu zu erfinden. Subway To Sally haben sich mit „Engelskrieger“ auf den zweiten Weg begeben, und einen recht drastischen musikalischen Wechsel präsentiert. Oder irgendwie doch nicht? So vieles ist beim Alten geblieben, und doch ist so viel Neues dazugekommen, dass man ganz hin-und hergerissen ist.
Auf jeden Fall, und das ist das einschneidenste Merkmal, wurden Geigen, Dudelsäcke und jeglicher anderer mittelalterlicher Ballast so gut wie komplett über Bord geworfen. Die Songs stehen mehr für sich selbst, der Gesang ist im Vordergrund, und Eric hat enorme Fortschritte gemacht. Alle, die Subway To Sally bisher mit dem Kommentar „...ja aber der Gesang...“ abgetan haben, können das nun noch einmal überdenken.
Desweiteren wurde der Spaß-und Springfaktor enorm zurückgeschraubt. Dass heißt jetzt nicht, dass Subway To Sally keinen Spaß mehr haben, ganz im Gegenteil, sondern eher, dass eine Band endlich erwachsen geworden ist. Ein solch seriöses, nachdenkliches, düsteres und hochaktuelles Werk hätte man von Subway To Sally nicht unbedingt erwarten können. Auch aufgrund der Texte, die auf einem ungeahnt hohen Niveau liegen, mußten die musikalischen Nebenschauplätze einfach gedrosselt werden, um den Worten mehr Nachdruck zu verleihen.
Von Kindesmißbrauch über Sterbehilfe bis zum Borderline-Syndrom werden diverse Tabuthemen angesprochen und auf fast literarischem Niveau abgehandelt. Im deutschsprachigen Musikraum hat es bisher noch niemand geschafft, solche Probleme auf diesem Level anzusprechen. Mag man aufgrund der extrem harten, baßlastigen Produktion und den dezenten elektronischen Elementen etwas an die RRRRRRRRRRR-Combo erinnert sein, von der textlichen Qualität liegen zwischen Bang-Bang-Feuer-Frei und einem Song wie zum Beispiel „2000 Meilen unterm Meer“ Welten. Und auch musikalisch haben Subway To Sally endlich eine Lücke gefunden. Möglicherweise wurde mit „Der Geist Des Kriegers“ ein etwas unglücklicher Opener gewählt, da dieser doch etwas sehr an die RRRRRRRRRRR-Jungs erinnert, aber dies ist nur der Einstieg. Musikalisch sehr viel differenzierter gehen Subway To Sally danach zu Werk, und mit „Falscher Heiland“, „2000 Meilen Unterm Meer“ und „Wolfstraum“ sind wenigstens drei absolute Kracher am Start. Auch der Rest ist weit mehr als nur Füllmaterial.
Jeder einzelne Track ist ein Epos, und alle Texte werfen die Möglichkeit auf, lange darüber zu diskutieren. Und genau dies haben Subway To Sally mit ihrer Homepage auch angeboten: dort gibt es ein Diskussionsforum zu jedem einzelnen Song. Zwar sind Subway To Sally eher gesellschaftskritisch als politisch, aber Interpretationen bleiben jedem selbst überlassen.
Ein weiterer möglicher Kritikpunkt ist das Cover zur Single „Falscher Heiland“, welches die Konterfeis von Saddam Hussein und George W. Bush ziert. Man könnte über eine gewisse Aufdringlichkeit und Ausnutzung der momentanen Situation zumindest nachdenken. Da das Cover allerdings weit vor Ausbruch des Irak-Krieges veröffentlicht wurde, relativiert sich das Ganze wieder. Und außerdem entspricht es nur der Wahrheit, daß sowohl George W. Bush als auch Saddam Hussein für die Welt Falsche Heilande darstellen...Außerdem kann man wohl davon ausgehen, daß das Cover noch sehr viel drastischer ausgefallen wäre, wenn die Single während des Krieges erschienen wäre.
Also, alle Mann aber sofort aufgemacht, um dieses Album zu kaufen!! Bessere neue deutsche Härte wird es auf absehbare Zeit nicht mehr geben. Offenen Geist und kritische Denkfähigkeit vorausgesetzt, sollte es niemanden geben, der dieses Album nicht sein eigen nennt. Und allen Fans und Menschen, die jetzt mit dem Kommentar "ääääähhh ist ja doof, genau wie Rammstein" auf den Lippen ein Gesicht ziehen, sei gesagt: ihr habt leider nicht die geringste Zeit mit dem Album verbracht, sondern es vordergründig nach einmaligem Durchhören verurteilt. Etwas mehr Intelligenz sollte man von Subway To Sally - Fans eigentlich erwarten können!
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