Drei Euro ins Phrasenschwein: Die britische Black Metal-Institution Cradle Of Filth polarisiert die schwarzmetallische Gemeinde. Entweder liebt oder hasst man das schillernde Vampir-Theater. Dass man allerdings neben Dimmu Borgir die erfolgreichste Schmink-Combo darstellt, dürfte das Konzept des sympathischen Giftzwergs und Sänger Dani Filth bestätigen, dass da besagt: Greller, schneller, bombastischer... Dieser Maxime ist die zum Fünfer geschrumpften Band trotz Major-Deals zum Glück treu geblieben, „Damnation And A Day“ ist gar noch extremer und orchestraler ausgefallen als der ohnehin schon epische 2000er Vorgänger „Midian“. Die aufwendigen Aufnahmen des Budapester Orchesters gestalten so die 80 Minuten Spielzeit noch organischer, atmosphärischer und unterstreichen die lustvolle Horror-Attitüde der Band. Vielschichtigkeit ist diesmal erneut Trumpf, wahnwitzige Geschwindigkeit wird zwar par excellance zelebriert, doch auch gemäßte Passagen finden sich wieder, die extrem bedrohlich und angsteinflössend wirken. Trashige Riffs paaren sich mit klassischen Arrangements und Heavy Metal, melodische und filigrane Elemente zieren das Klangbild, dazu variiert Dani sein unverwechselbares Organ von Flüstern über schrilles Kreischen bis hin zu düsteren Death Growls, um die blutige Erotik der Band-Philosophie adäquat zu transportieren. So lässt sich effektiv das Konzept des Albums darlegen, wenn Dani als Erzähler über die Vertreibung aus dem Paradies und die Apokalypse sinniert. Üppige, ekstatische Chöre und schwere Streichereinsätze offerieren faszinierende, anziehende und morbide erotische Fantasien, mit denen Cradle hier lasziv spielen. Einzelne Songs lassen sich stellvertretend nicht nennen, zu sehr präsentiert sich „Damnation And A Day“ als kompakte, verwobene und lyrische Einheit. Stilistisch wäre dieses Album mit seiner sakralen, bombastischen und viktorianischen Ausrichtung der perfekte Soundtrack zu einer noch lüsterneren Version von Bram Stoker´s „Dracula“. Also Platz genommen auf einer wahnwitzigen, rasanten, angsteinflössenden, extrem melodischen und bombastischen als auch erotischen Reise in der Black Metal-Kutsche Cradle Of Filths durch die christliche Religion...