Oh ha, wieder mal was aus Schweden. Da kommt einem doch gleich der Gedanke bzw. der frommme Wunsch, dass dieser Retro-Schweden Export irgenwann mal aufhören muss. Aber was soll's ...hören wir uns halt Blindside an. Jeder, der die gleiche Entscheidung trifft, dem sei gesagt, dass es sich lohnt. Blindside, in Schweden bereits eine erspielte Größe, haben nichts gemein mit den Backyard-Copter-Hives der nördlichen Spähre. Entdeckt wurden sie von Sonny (P.O.D), der die Band sogleich ins Herz geschlossen hat: "Blindside spielen auf einem unglaublich hohen emotionalen Niveau..", da tränen einem ja gleich die Augen, aber Recht hat der Mann. Blindside spielen diese besondere Art der Rockmusik, die druckvoll und ungestüm aus den Lautsprechern schallt und dabei so unter die Haut geht, das sich einem die Haare aufstellen. Das musikalische Grundgerüst stellen Simon Grenehed (guitar), Tomas Naslund (bass) sowie Marcus Dahlström (drums). Für die stimmliche Präsenz sorgt Christian Lindskog. Bereits beim ersten Durchhören bleiben Songs wie die erste Single "Pitiful" oder "Cute Boring Love" sowie "She Shut Your Eyes" hängen. Maßgeblich dafür verantwortlich ist Christian Lindskog, dessen charismatische Ausstrahlung über die Songs transportiert wird, er stirbt tausend Tode, zerbricht etliche Male am instrumentalisierten Liebeskummer und endet dann mit "Silence" in einer Stille, die dem durchgeschüttelten emotionalen Ich endlich eine Ruhepause gönnt. Dies aber nicht für lange, denn die Blindside Infektion sorgt für das erneute betätigen der Playtaste. "Silence" ist ein Major-Debüt, welches in seiner musikalischen Wucht selten so überrascht und überzeugt hat. Kleinigkeiten wie die Ähnlichkeit von "Time Will Change Your Heart" im Refrain zu Papa Roach's "Time And Time Again" sowie das P.O.D.-phile Intro "Caught A Glimpse" können dabei lächelnd übersehen werden.