Es ist wohl ein kleines Trostpflaster, das Oldstar Eric Clapton da für seine Fans hervorgezaubert hat. Es ist schließlich noch gar nicht so lange her, dass der Mann die Hiobsbotschaft verkündet hat, nie mehr auf Tour zu gehen. Nun – simsalabim – gibt’s wenigstens ein Doppel-Live-Album (und DVD!). „One More Car, One More Rider“ wurde bereits Anfang 2001 in Los Angeles aufgezeichnet. Nun darf sich jeder, dem die Scheibe eine Investition wert ist, immerhin so fühlen, als ob er dabei gewesen wäre. Schließt einfach die Augen und lauscht dem Blues – der Rest ergibt sich von allein....Nein, hier wird nicht einfach ein Song nach dem anderen runtergespielt. Clapton nimmt sich Zeit. Improvisiert. Berührt. „Key The Highway“ ist schon so eine Nummer: mit dem Opener greift Clapton den Blues am Schopf und lässt ihn fortan nicht mehr los. Die Akustikgitarre voll im Griff, jamt der Altmeister im Alleingang lässig los. Das Publikum jubelt – und ich auf dem Sofa im Stillen auch....Dann „Reptile“: lauwarmer ‚One Note Samba’ vom letzten Album, quasi Spiel zum Aufwärmen für Claptons Allstar-Band, u.a. mit Nathan East (Bass), Steve Gadd (Drums) und Greg Phillinganes (Keyboards). Schwer in Fahrt kommen dann alle miteinander spätestens bei „Change The World“. Neu interpretiert, mit einem langen und vor allem groovigen Intro. Die Jam-Session ist in vollem Gange. „River Of Tears“ liefert ein mitreißendes Gitarrensolo. Weitere Höhepunkte sind u.a. „My Father’s Eyes“, „Sunshine Of Your Love“ und natürlich immer wieder das herzzerreißende „Tears In Heaven“, in dem er den Tod seines kleinen Sohnes verarbeitet hat, der vor knapp zehn Jahren bei einem Sturz aus dem 53. Stock eines New Yorker Hochhauses ums Leben kam. Kurze Zeit danach begab sich Clapton zurück auf die Pfade des Blues, auf denen er bis heute geblieben ist.Clapton hatte sich schon immer für echten amerikanischen Blues begeistert. Vor allem Legenden wie Big Bill Broonzy, Muddy Waters oder Robert Johnson haben es dem inzwischen 57jährigen seit jeher angetan – und natürlich auch seine Musik entsprechend beeinflusst. „Der Blues hat mich mein Leben lang inspiriert und mir immer wieder Kraft gegeben, mit den Unzulänglichkeiten des Alltags fertig zu werden.“ erinnert sich Clapton heute – und das hört man. Bei jedem Song scheint Clapton mit Leib und Seele dabei zu sein. Richtig leidenschaftlich wird’s dann spätestens auf der zweiten Disc. Nach dem Vorzeige-Blues „I Want A Little Girl“ greift Clapton in die Saiten seiner E-Gitarre und spielt eine kraftvolle Version seines Cream-Klassikers „Badge“. Man erinnert sich: Claptons erste selbst gegründete Band aus dem Jahr 1966 – weltweit erfolgreich, gleich hinter den Beatles und den Rolling Stones. Jaja, der Mann ist quasi eine lebende Legende, was man ihm, zurückhaltend wie er sich stets in der Öffentlichkeit gibt, gar nicht zutrauen mag. Typisch englisch eben. Nur auf der Bühne lässt er seinen Gefühlen freien Lauf. Einen Eindruck, den ich sogar auf meinem Berliner Sofa, nachmittags um 17 Uhr bei Tee und Keksen, zu verspüren meine. Ja, so seh ich ihn gerade vor mir: mit geschlossenen Augen und rollenden Stimmbändern macht er den Blues, oh yeah... – wie bei „Hoochie Coochie Man“, dem Blues-Klassiker schlechthin, der auf dem Album genauso wenig fehlt wie Claptons eigener Top-Hit „Layla“, J.J. Cales Evergreen „Cocaine“ oder auch – jawohl – dem wunderschönen „Over The Rainbow“ aus dem Musical „The Wizard Of Oz“.“Slowhand“ Clapton legt mit „One More Car, One More Rider“ eine erdig-bluesige Livescheibe vor, die keinen seiner Hits vermissen lässt und nebenbei noch diverse andere Klassiker vorweist – und das alles in einer hervorragenden Soundqualität. Zwar kommt das Album nicht ganz an das fantastische Live-Album „24 Nights" heran, überrascht dafür aber immer wieder mit neuen Versionen seiner alten Songs. Clapton weiß eben noch, was es heißt, richtig zu improvisieren – ein Mann der alten Schule, doch auch heute noch immer wieder gern gehört – zumindest von mir....