Also wenn sich jemand mit Trittbrettfahren auskennt, dann sind es die Jungs von Bodyjar. Nach eigener Aussage versuchten sie 1995 mit CD und Welttour auf den fahrenden Punk-Zug, welcher dank Green Day und The Offspring ordentlich Dampf unterm Kessel hatte, aufzuspringen. Offensichtlich gelang dies nur leidlich, denn nach wie vor fristen die vier Australier, die mit "Plastic Skies" immerhin ihr fünftes Album unters Volk bringen, in Deutschland ein Schattendasein. Aber der Wechsel zum Majorlabel 1999 soll sich nun bezahlt machen: erstmals gibt es für Bodyjar ein offizielles Veröffentlichungsdatum und nicht nur Importe. Und diesmal wollen die Punkrocker aus Melbourne im Fahrwasser der Vines in die Herzen der Europäer schippern. Es wird auch gleich mit "Is It A Lie" schwungvoll losgelegt, wenn auch mit sehr ähnlchem Sound wie ihn Lagwagon pflegt. Aber was soll´s. In der großen Schublade "California-Fun-Melody-Punk" haben schon hunderte von Bands platz gefunden, die sicherlich schlechter waren als Bodyjar. Insofern kann man die sommerlich leichte Kost als modernes "easy listening" betrachten und entspannt der netten Stimme von Cam Baines (und Tom Read) lauschen, während die Gitarren mal mehr und mal weniger von den beiden beansprucht werden. Als großer Einfluß für die Entwicklung der Band sind unausweichlich die Ramones, die Descendents und All zu nennen. Nicht zuletzt, weil der Drummer der beiden letztgenannten Bill Stevenson bei der Produktion des 1998er Albums "No Touch Red" mitwirkte. Außerdem wurde kräftig mit Größen wie Pennywise, Blink 182 und "No Fun At All" getourt. Kurios ist an dem Album übrigens, dass es in dem Strandhaus aufgenommen wurde, das Mel "Mad Max" Gibson im gleichnamigen Film bewohnte. Unter dem Strich steht ein solides und stimmungsvolles Punk-Album, dem allerdings ein wenig die Highlights und herausstechenden Momente fehlen. "One In A Million" gefällt mir sehr gut und "Tortured Life" hat das Zug zu einer Party-Hymne, aber insgesamt hat man es schon ein bisschen zu arg mit Plätscher-Punk zu tun. Zum Abschluß gibt es dann das sehr schöne "Dry Gin", das mit Akustikgitarren nach dem Motto "auch Punks haben Gefühle" daher kommt. Aber gerade hier wird deutlich, was die Jungs für ein Potential hätten, wenn sie öfter aus dem etablierten "Drei-Akkorde-Punk-Schema" ausbrechen würden. Und auch das offensichtlich Dogma, dass eine ordentliche Punk-Scheibe maximal 35 Minuten lang sein darf, gehört für meinen Geschmack gestürzt. Es könnte schon sein, dass den Jungs mit Plastic Skies der lang ersehnte Durchbruch in Europa gelingt und ich würde es ihnen auch gönnen. Es mag auch angehen, dass dies ihr bisher bestes Album ist...trotzdem wünsche ich mir für das nächste mal noch mehr Kreativität und Abwechslung. Es kostet Mut, das Fahrwasser anderer zu verlassen und einen eigenen Kurs einzuschlagen - Bodyjar haben alles dafür an Bord.