Die neuen Posterboys des Rock sind Black Rebel Motorcycle Club, ein Trio aus San Francisco, das sich mit Vorliebe in lässigen Lederklamotten in der Mojavewüste fotografieren lässt. Als ehemalige Mitglieder der furchterregenden Brian Jonestown Massacre sind sie im Posen geübt, auf dem Coverfoto schaffen sie es, eine Langeweile auszustrahlen, die man so seit The Jesus and Mary Chain nicht mehr gesehen hat. Der Bandname entstammt einem Marlon Brando-Film aus den 50ern - ist das cool oder "rock´n´roll by numbers"? Meine Meinung dazu steht noch nicht fest. Als die britischen Medien von BRMC Wind bekamen, schnappten sie fast über vor Begeisterung und zelebrierten das Trio als die "West Coast Strokes". Bei den Einflüssen kein Wunder. Schichten von verzerrtem bis nuscheligem Gesang und Gitarren, das Drumwork von Nick Jago ist von sekundärer Bedeutung - nach einmaligem Hören des Albums ist klar: hier hat sich jemand JAMC, Ride, The Stooges und Velvet Underground reingezogen, vielleicht sogar die Stone Roses. BRMC erfinden nicht gerade den Rock neu, es liegt also nahe zu denken: Warum all der Hype? Das die CD eröffnende Duo von "Love Burns" (JAMC) und "Red Eyes And Tears" etabliert die Spannung. Darauf folgt "Whatever Happened To My Rock´N´Roll", Debüt-EP der Band, ein herrlich bösartiger, beißender Song für die Leute, die Supergrass immer ein wenig zu langsam und brav fanden. Die Gitarre auf "Awake" oder "Rifles" könnte auch von John Squire gespielt werden und Sänger Peter Hayes klingt so verhuscht wie Ian Brown. In der Mitte hat das Album sicherlich ein paar Längen, "As Sure As The Sun" zum Beispiel groovt zwar, langweilt zum Ende hin dann aber doch. Ein weiteres Highlight reißt aber alles wieder raus: In "Spread Your Love" lässt Robert Turner seinen Bass pulsieren und das überträgt sich direkt auf Füsse und Kopf (Nackenschmerzen nach dem Konzert sind garantiert). Dies sollte der Song des Sommers 2002 werden! Zum Schluss geben sie uns noch eine Dosis frühe Verve aus deren psychedelischer Phase. Warum ausgerechnet die amerikanische Westküste eine solche Band hervorgebracht hat, will mir nicht in den Kopf, kommen doch aus der Ecke eher die typischen Half-Pipe-Fun-Punk-Bands wie Lagwagon, aber vielleicht ist es gerade dieser Gegensatz, aus dem BRMC ihre Energie beziehen. Wie retro sie auch sein mögen, BRMC schaffen es immer, größer als die Summe ihrer Teilchen zu klingen - und genau dies unterscheidet sie von hunderten anderer Collegerock-Bands. Während das allein kein Grund ist, sich das Album zuzulegen, erklärt es jedoch den Hype. Wer Innovation sucht ist hier an der falschen Adresse, aber manchmal sind andere Dinge wichtiger: zum Beispiel, eine CD kaufen, einlegen und einfach nur abrocken. Die Frage "whatever happened to my rock´n´roll" wird Ende Februar beantwortet, wenn BRMC durch Deutschland touren. Ihr findet die Antwort in der Musik und den schmutzigen Jeans von Peter, Nick und Robert.