Mit über sieben bzw. zehn Millionen verkauften Exemplaren ihrer ersten beiden Alben "My Own Prison" und "Human Clay" sind Creed die mit Abstand erfolgreichste US-Rockband der letzten Jahre. Seit der Trennung von Bassist Brian Marshall im Sommer 2000, schrieben Creed elf neue Stücke binnen drei Wochen im Februar und März 2001. Zum ersten Mal schufen die Musiker ihre Songs nicht auf Tour, sondern gönnten sich nach einer langen Konzertreise eine Pause. "Ich wollte für eine Weile ein ganz normales Leben führen, um dann ausgeruht ans Komponieren zu gehen", erinnert sich Scott Stapp. Das sie Zeit, Ruhe und Muße hatten, merkt man den 11 neuen Songs an. Im Gegensatz zu "Higher", "What If" oder "Beautiful" von dem Vorgänger "Human Clay", zeigen Stapp/Tremonti auf "Weathered" ein imposantes Songwriting. Weiterhin druckvolle Riffs und ausdrucksvolle Gesangslinien beinhaltend, kann man nicht mehr von Rocksongs sprechen sondern teilweise von einem kompositorischen Epos, der unumstritten in dem achtminütigen "Who's Got My Back?" seine Vollendung findet. Ein Song, in dem Scott Stapp seine indianischen Vorfahren ehrt. Creed verschieben auf ihrem dritten Longplayer die Härteskala nochmals in die Höhe, was insbesondere in den riffakzentuierten Refrains nachzuvollziehen ist. Wie bereits erwähnt haben Creed diesesmal ein ausgetüffteltes Songwriting hingelegt, was jedoch dem allgemeinen Eindruck von "Weathered" abträglich ist. War Creed bisher für schlagende, auf den Punkt gebrachte Rocksongs, die sich zwischen Emotionalität und krachenden Rockriffs hangeln, bekannt, so verfransen sie sich jetzt in ihrer eigenen Kreativität. Desöfteren wirken die Songs in ihrer Form zwar genial geschrieben, aber eindeutig zu voll, übertrieben bepackt und letztenendes nicht mehr leicht konsumierbar. "Weathered" ist daher sicherlich kein "guter" Nachfolger für den Otto-Normal-Verbraucher, da z.B. auch kaum tanzbare Tracks enthalten sind. Jedoch ist diese Scheibe sehr wohl ein würdiger Nachfolger mit viel Anspruch. Creed zeigen hier einmal mehr, dass sie nicht nur eine Band sind, die gute Rockmusik macht, sondern eine Band, die den Rock'n'Roll einfach gut rüberbringt.