Dies ist nun das dritte offizielle und insgesamt das siebente Album der sieben Berliner Mittelalter-Rocker In Extremo. Zügellos wollen sie sein, an die Grenzen gehen. Doch mittlerweile ist auch das mittelalterlich geprägte Ohr an harte Klänge gewohnt. Dennoch, In Extremo sind schon seit dem Debüt eine starke Band und das beweisen sie auch mit dem aktuellen Album. Nur gibt es halt so viel Neues auf Sünder ohne Zügel' nun auch wieder nicht. Man hat genau das von In Extremo erwartet. Fans werden nichts missen. Auch wenn der Rock schon immer vordergründig war, scheinen Dudelsäcke nun ein klein wenig in den Hintergrund gerutscht zu sein. Und beim aktuellen Werk haben nun auch In Extremo elektronische Spielereien entdeckt. Materialtechnisch hat man mal wieder ein bisschen gekramt und viele traditionelle Sachen hervorgeholt; sowohl neue, wie auch einige, mit denen in der Szene schon manchmal gearbeitet wurde. Dennoch gibt es wie gewohnt eigenes Material. Auffällig ist dabei, dass die eigenen In-Extremo-Sachen durchaus stark sind. Die Gier' beispielsweise, ein echt guter Song (auch wenn das rote Blut' im Text etwas abgedroschen ist und an das rote Haar' erinnert), ebenso der Schlußtrack Über den Wolken'. Warum also zum x-ten Male die Merseburger Zaubersprüche' hervorkramen, die neben dem Septett außerdem auch schon andere vor nicht allzu langer Zeit musikalisch interpretiert haben? Ein schlechtes Album war von In Extremo nicht zu erwarten und Sünder ohne Zügel' enttäuscht diese Vermutung nicht. Neben interessanten In-Extremo-Rock-Bearbeitungen traditioneller Themen, von den Texten der oft verwendeten Carmina Burana bis hin zum (auch schon verwendeten) Goethe, sind vor allem die eigenen Stücke gelungen. Auf jeden Fall richtig gut und es rockt.