Vor 14 Jahren starteten Rayner und Nik das Projekt Blind Passengers. Und hat es eine junge Band heute schon nicht leicht, so war es wohl ein noch größerer Kraft- und Nervenakt, in der DDR harte elektrische Sounds zu machen und dabei als Künstler anerkannt zu werden. Erste Kurzkonzerte gab es Ende der 80er, bei denen machten die Berliner noch fast ausschließlich elektronische Musik. Mit dem zweiten Album 'Destroyka' wurde man härter und spätestens ab diesem Zeitpunkt ('Destroyka' wurde 1996 veröffentlicht) kommt von den Passengers wuchtiger Industrial-Metal. Das mittlerweile fünfte Album ist ähnlich massiv wie sein Vorgänger 'Bastard'. Die Jungs verstehen es, etwas Neues, Zukunftsgerichtetes zu machen, ohne ihren bisherigen Stil zu verlassen. 'Neosapiens' klingt neu und hat dennoch die typischen, schon seit 'Destroyka' bekannten, Passengers-Elemente, z.B. in Melodien. Das Album wirkt einerseits offen, brachial und zugleich bedrohlich düster, auf eine bestimmte Art auch anklagend, inwieweit letzteres beabsichtigt ist bleibt offen. Krachender Sound, fiese Riffs, maschinen- und motorenartige Klänge und kraftvoller Gesang (erstaunlich, wenn man Rayner so sieht) lassen eine gewisse Mensch-Maschine-Stimmung aufkommen. Aus dieser Maschinerie holt uns auf wunderbare Weise der letzte Track, 'Hall Of Pain', eingeleitet von beschwingten Violinenklängen, die nach zwölf so harten, elektronischen Songs schon fast antik und grotesk erscheinen und mit bittertraurigem, leidenden Gesang. Aber abgesehen von diesem Song, wie nach guten Jungs klingt die Musik eigentlich nicht, die Bezeichnung Bastarde' scheint angesichts dieses Albums durchaus treffend für die Jungs. In jedem Fall kompromisslos ist Neosapiens' ein heftiges Stück Industrial-Rock aus unserer Heimatstadt, das sich sowohl unter Kopfhörern genießen lässt aber auch bei der Hausarbeit nicht nervend wird.