Fünf Jahre sind seit dem letzten Album "Eternal" vergangen; man hätte also durchaus mit einer gravierenden musikalischen Entwicklung rechnen können, schließlich hat die Band zwischen der "Ceremony of Opposites" und der "Passage" schon einmal einen gewaltigen stilistischen Sprung gewagt. Samael haben damals etwas ganz Neues erschaffen – und sind diesem Stil auch mit der "Reign of Light" weitgehend treu geblieben. Das ist auch gut so, denn sie sind bislang die Einzigen, die jene Mischung aus bombastischem Metal und kalter Elektronik so gekonnt zelebrieren. Einige Veränderungen zum Vorgänger gibt es natürlich – die Keyboards sind etwas weiter in den Hintergrund getreten und lassen den teils harten, teils melodiösen Gitarrren mehr Raum. Neu sind außerdem die orientalischen Einflüsse, die sich in Form einer Sitar und weiblicher Gesänge harmonisch durch einige der Songs ziehen. Auch Vorphs Gesang ist facettenreicher geworden; er singt gewohnt tief, beweist, dass er immer noch kreischen kann, versucht sich aber auch sehr gelungen an düsterem, monotonem Sprechgesang und überrascht andererseits mit erstaunlich viel Melodie. Der Opener "Moongate" ist richtungsweisend: kraftvoll, ohrwurmverdächtig und mit einer ordentlichen Portion Groove ausgestattet. Zwar geht es bei manchen Songs auch etwas langsamer zur Sache, aber treibend und sehr rhythmusbetont sind sie durchgängig. Es wirkt fast so, als wollten die ehemals bösen Blackmetaller nun mit aller Gewalt die Tanzflächen füllen (besonders "On Earth"), was ihnen in Ansätzen auch schon früher mit "Passage"-Titeln gelungen ist. "Reign of Light" ist ein durch und durch absolut hörenswertes Album ohne Aussetzer, das permanent dazu verleitet, die Anlage noch ein bisschen weiter aufzudrehen, nicht zuletzt dank der harten und klaren Produktion. Futuristisch, kühl und trotzdem emotionsgeladen und mitreißend – was will man mehr? Fehlt nur noch die passende Lichtshow, um die Atmosphäre optisch zu untermalen. Auf die kommende Europa-Tournee darf man sich getrost freuen...