Twisted Sister spielten nur fünf Alben ein, bevor sie sich total zerstritten auflösten. Zur Jahrtausendwende fanden Dee Snider, Jay Jay French, Eddie Ojeda, Mark "The Animal" Mendoza und A.J. Pero überraschend wieder zusammen, und nun gibt es fast ein neues Album. "Still Hungry" ist hauptsächlich ein Remake der 84er-Scheibe "Stay Hungry". Obwohl das weltweit ein Riesenhit wurde, waren Twisted Sister nach eigenen Worten nie damit zufrieden und haben es nun, inklusive der damals ausgelassenen Tracks, "als Freunde" neu aufgenommen. Snider ließ dabei auch kein gutes Haar an den damaligen Produzenten Tom Werman, der Kracher wie "I Wanna Rock" oder "We're Not Gonna Take It" angeblich für unbrauchbar hielt. Werman erinnert sich allerdings an eine andere Geschichte. Und die restlichen "Sisters", vor allem Jay Jay, der bis heute mit Werman befreundet ist, halten sich gepflegt raus. "Stay Hungry" war einer der Klassiker des 80er-Hard-Rock, voll von Haarspray, Riffs und Attitüde. Ich muss dem selten mundfaulen Dee Recht geben, dass es trotzdem etwas zu lasch klang. Das Schlagzeug war zu harmlos, die Gitarren nicht saftig genug. Gestört hat das bei dem Songmaterial zwar kaum, aber die Neuaufnahme ist eine interessante Idee. Ein paar Kleinigkeiten hat man obendrein hinzugefügt. So ist bei der Überhymne "We're Not Gonna Take It" das Solo nun sehr viel länger geworden, "Burn In Hell" ist noch böser und "I Wanna Rock" entwickelt sich am Ende zum Gewitter. Zusätzlich zu den Klassikern gibt es zwei Songs, die damals draußen warten mussten, natürlich neu eingespielt. "Never Say Never" und "Blastin' Fast & Loud" sind großartige, typische Twisted Sister-Songs. Vier weitere Nummern, die als Rohversionen auf den "Club Daze"-Compilations veröffentlicht wurden, fügen sich nahtlos an, bieten aber nichts Neues. Ein echtes Highlight ist dagegen der unveröffentlichte Track "Heroes Are Hard To Find" aus Sniders Film "Strangeland". 20 Jahren später klingen Twister Sister frisch und sind voller Energie. Sniders Stimme hat sich etwas gemäßigt, das ist klar, doch es kracht ordentlich. Das Ziel wurde erreicht, die neun Songs des Originals klingen saftiger, kräftiger, härter. Ihr Versprechen, mehr Wucht in das Album zu stecken, hat die Band damit wahr gemacht. "The Price" ist dabei der einzige Song, dem die Aufpolierung nicht gut getan hat. Atmosphärische Dichte und ein gewisses Nachtfeeling sind verloren gegangen, nun klingt es nach Garage. Ein weiteres, minimales Manko der Scheibe sind die Drums. Genau wie auf dem alten Album relativieren zu viele Einsätze des HiHatt-Beckens die Härte des Schlagzeugs. Vielleicht ist A.J. Pero nicht der grandioseste aller Schlagzeuger, aber darum ging es bei Twisted Sister nie, es geht um brachiale musikalische Partygewalt. Davon gibt es natürlich genug. Ein Album voller Hits, Partyknaller und Bonustracks, was will man mehr? Und auch für "Stay Hungry"-Besitzer lohnt sich der Kauf aufgrund der umfangreichen Erweiterung. "Play It Loud, Mutha!"