"The Silent Force" stellt für die Anhängerschaft der sympathischen Holländer Within Temptation sicherlich das am sehnsüchtigsten erwartete Album des Jahres dar. Doch auch Spannung schwingt mit: Wie haben unsere Nachbarn den Erfolg und den Stress, der mit dem Aufstieg durch "Mother Earth" verbunden war, verkraftet? Wie sieht am besten ein Nachfolger für das Hitalbum aus? Wie sollten Songs ausfallen, die "Ice Queen" oder "Mother Earth" das Wasser reichen sollen? Das Kreativ-Trio Sharon den Adel, Robert Westerholt und Martijn Spierenburg entschied sich für den Königsweg und setzte für "The Silent Force" nicht die Blaupause an, sondern ließ den Inspirationen im Bandhorizont freien Lauf. Was im Klartext heißt: Die starken Fantasy-Lyrics beherrschen immer noch den textlichen Kosmos, große, epische Melodien stellen auch erneut das Grundgerüst eines jeden Songs dar. Dazu leistete sich die Band den Luxus, mit einem realen Orchester (aus Russland) und massiven Chören zu operieren, um der eigenen Vorstellung vom Bandsound wieder ein Stück näher zu kommen. Gut, wirklich neu ist die Idee von Gothic Metal-Gruppe plus sinfonischer Untermalung nicht, doch wenn das Betriebsergebnis derart opulent daherkommt und nicht aufgesetzt wirkt, sondern die Attitüde der Band unterstützt, dann immer her damit! Was der Autor damit sagen will: Mit echtem Orchester sowie Breitwand-Chören klingen Within Temptation anno 2004 noch wuchtiger, noch tiefgehender, noch emotionaler und ergreifender als auf dem Erfolgs-Vorgängeralbum! Bereits überzeugen konnte man sich davon schon auf der aktuellen Single "Stand My Ground", die sehr an Evanescence erinnert, allerdings stellen die Holländer eine bessere Version dar und versahen das Stück für Temptation´sche Verhältnisse mit modernem Riffing. "See Who I Am" ist ein Paradebeispiel für monumentalen Gothic Metal, das nicht süßlich dahinzuckert, sondern amtlich drückt. "Pale" ist eine Gänsehautnummer, die mit minimaler Rock-Instrumentierung auskommt und zeigt, welch Qualität eine Sharon den Adel besitzt! Kritiker verstummet! Eines meiner persönlichen Highlights ist "It´s The Fear", das sehr dramatisch ausfällt. So bleibt die Erkenntnis, dass "The Silent Force" dem Vorgänger "Mother Earth" noch eins draufsetzt, da die Songs qualitativ tiefgehender sind und mit einem angenehm düsteren Grundtenor daher kommen. Eine No.1-Chartnotierung hierzulande wäre nicht verwunderlich als auch verdient und verkaufstechnisch wird der Vorgänger sicherlich getopt. Neben Nightwish´s "Once" ist "The Silent Force" DAS Gothic Metal-Highlight des Jahres!