Endlich mal ein Grund, mit einer kräftigen Portion Lokalpatriotismus aufzuwarten. Denn eigentlich ist es in Berlin etwas zu still, wenn man die Masse an Metalbands betrachtet, die hier ihr Unwesen treiben. Spawn haben zwar auch eine ganze Weile nichts von sich hören lassen, denn das letzte Geschoss namens "System Full Of Victims" hat bereits drei Jahre auf dem Buckel. Allerdings bietet "Human Toxin" die gebührende Entschädigung für das lange Warten. Neun dicke Deathmetalgranaten ballern einem pünktlich zum Jahresende den aufkommenden Winterschlaf aus den Knochen. Im Opener "Fear The Just Revenge" ist das Potential der Band perfekt zusammengefasst: schleppende Grooves, handfestes Gedresche, Anspruch und betäubendes Getrümmer in epidemischer Harmonie. Die Jungs (und das Mädel) haben ein gutes Händchen für eine ausgewogene Mischung in Sachen Tempo und halten dabei das Level der Kurzweil meist oben. Die ultratiefen Vocals kratzen an der Untergrenze der Hörbarkeit und scheinen Matze am Mikro eher aus den unteren Eingeweideregionen zu kommen. "Ammulition Of Malice" punktet durch den fiesen Grind- Einschlag, "Hemoglobin" drischt einem in rasantem Tempo den Ohrwurm- Refrain in den Schädel. Unweigerlich wabern die Parallelen zu Cannibal Corpse oder Morbid Angel heran, aber auch wenn Spawn den Metal nicht neu erfunden haben, eigenständig ist Human Toxin allemal. Die Qualität des Songwriting stellt sich genau da unter Beweis, wo auch zunächst schwer zugängliche Songs wie das vielsagende "Fuck I Am Dead" beim nächsten Durchgang gewaltig zünden. Die eher sparsamen Melodien treffen immer punktgenau, das sägende Riffgewitter weist zu keinem Zeitpunkt Hänger auf. Die adäquate Produktion lässt keine Fragen offen, der Sound ist glasklar wie druckvoll und auch am Artwork wurde nicht gespart. Ein wenig mehr Innovationsgeist hätte nicht geschadet, denn auch wenn es hier keine Füller zu bemängeln gibt, scheint die Band sich das eine oder andere Mal selbst zu zitieren. Trotzdem ein Album, das eine gute halbe Stunde Spaß macht. Und dann noch eine und noch eine...