Es war ja eigentlich schon abzusehen, wie sich die vier Jungs von Spock´s Beard nach dem Ausstieg ihres ehemaligen Frontmanns Neal Morse entwickeln würde. Ihr letztes Album "Feel Euphoria, bei dem dann Schlagzeuger Nick D'Virgilio das Mikrofon übernahm, war noch ein Spagat zwischem Alten und Neuen mit dem Ziel die alten Fans zufrieden zu stellen und gleichzeitig auch eine neue Richtung einzuschlagen. Mit "Oktane" entfernt man sich nun konsequent weiter von dem ursprünglich sehr proglastigen Stücken und entwickelt sich immer mehr zu einer AOR-Band mit nur noch wenigen progressiven Elementen. Diese Entwicklung wird zwar sicher den einen oder andern Hörer stark enttäuschen, aber es dürfte auch klar sein, dass die Band ihren Stil ändern musste, um zu vermeiden, dass sie ewig mit ihrem ehemaligen Sänger verglichen werden. Das Ergebnis ist ein knapp einstündiges Album mit dem schlichten Titel "Octane" für das bislang achte Studioalbum. Den Anfang macht "A Flash Before My Eye" - ein 31minütiger Song, aufgeteilt in sieben kleinere Parts, mit zahlreichen musikalischen Querverknüpfungen und Wiederaufnahmen von Melodien und Themen. Allerdings wirken die einzelnen Stücke weit aus weniger zusammenhängend als auf den bisherigen Alben. Musikalisch bleiben Spock´s Beard , wie bereits schon beim "Feeling Euphorie"-Album, gitarrenorientierter und konzentrieren sich ansonsten mehr auf großangelegte Stimmungsbilder , anstatt wie früher auf proglastige und abwechslungsreiche Parts zu setzen. Die Ausnahme macht aber das anschließende Instrumentalstück "NWC", welches zwar langsam anfängt, sich doch in eine wahre Frickelorgie ausartet und bei der kommende Tournee sicher ein Highlight werden wird! Beim anschließenden "There Was A Time" gibt es einen netten Rocksong mit einfachen Fußwipptempo, einprägsamer Melodie und hübschen Refrain - und wäre bis vor wenigen Jahren für eine Band wie Spock´s Beard noch unvorstellbar gewesen. "The Planet's Hum" hat zwar einen unüblichen Song-Aufbau und der Gesang setzt erst nach der Häflte der Spielzeit ein, doch will trotz des guten Refrains nicht wirklich zünden. Danach gibt es mit "Watching The Tide" wieder eine Ballade mit Klavier, Gesang und jeder Menge Streichern - wer sowas mag, der wird hier sicher schmachtend vor seinen Boxen sitzen können und nach der letzten Note leise seufzen. Ansonsten gibt es für alle Anderen mit "As Long As We Ride" noch einen hervorragenden Autofahrsong im Midtempo, der allerdings an Stelle des Schlusssongs nach der Ballade etwas fehl am Platz wirkt. Es stellt sich die Frage, ob es nicht tätsächlich klüger gewesen wäre, wenn man nach dem Ausstieg von Mastermind Neal Morse die Akte Spock´s Beard einfach Beiseite gelegt hätte, um unter einen anderen Namen mit einem neuen Sil weiterzumachen. So haben es zumindest viele andere Bands bei ähnlichen bandinternen Problemen gehandhabt. Und obwohl man die klasse Songs von Alben wie "The Kindness Of Strangers" oder "The Light" vermisst, so darf man dabei nicht vergessen, dass Spock´s Beard erst wieder zu einem eigenen Musikstil finden müssen. Mit "Octane" sind sie einen guten Schritt vorangekommen, auch wenn es noch nicht das Ziel ihrer Reise gewesen ist. Neben der regulären Version bietet das Label InsideOut wie auch sonst wieder eine Special-Edition im Digibook mit einer Zusatz-CD mit weiteren acht Tracks, einer Mulitmedia-Sektion und einem erweiterten Booklet.