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Auch auf der neuen Scheibe "Kingwood" zeigen sich Millencolin eher lebenskritisch und streifen sich damit das Fun-Punk Kostüm entgültig ab. "Das haben wir sicherlich nicht bewusst gemacht, aber ich kann nur sagen, auch an uns geht die Zeit nicht vorbei und deswegen kann es schon mal vorkommen, dass die Texte nicht mehr so stark von jugendlichem Leichtsinn geprägt sind wie früher. Aber das war bestimmt nicht unsere Absicht. Wir sind auf keinen Fall ins Studio gegangen und haben gesagt, okay, lass uns ein paar Songs machen, die erwachsener klingen. Es ist einfach passiert. Wobei es mir schwer fällt, dies wirklich so zu sehen," ergänzt Mathias, der Gitarrist der Band. "Sicherlich wird man auch immer von den Bands, die man gerade hört, auch bezüglich seines eigenen Sound beeinflusst. Ich höre gerade am liebsten alte Scheiben der Beatles, aber auch neues Zeugs von Bands wie Foo Fighters oder auch Weezer."
Natürlich macht es auch keinen Sinn als Band, über nun mehr als 10 Jahren immer die gleiche Platte am Laufen zu haben. Es wird ja auch für jedes Album ein komplett neues Artwork entworfen, und auch die haben sich im Laufe der Jahre stilistisch sehr geändert. Das Cover von Kingwood unterscheidet sich auch deutlich von seinen Vorgängern. Auf die Frage, wer die Idee dazu hatte, meint Mathias: "Der Elch ist das Wahrzeichen schwedischer Wälder. Somit ist es sozusagen ein Wortspiel mit dem Albumtitel und wir fanden es lustig, dass Nicola aus den Ohren ein Elchgeweih wächst." Aber eigentlich leitet er sich aus Nicolas Stereoanlage her. Er hat einen alte Kenwood-Anlage, die schon während seiner Teenagerzeit zu den notwendigsten Überlebensutensilien gehörte. Da Kingwood laut Aussage von Mathias ein sehr persönliches Album ist, in dem jede Menge Herzblut steckt, fanden sie den Titel angelehnt an die Jugendzeit von Sänger Nikola passend. "Durch die Stereoanlage bekam er jede Menge Inspiration für seine eigenen Songs. Somit kann man sagen das Kingwood unser Wald der Inspiration ist" lächelt Mathias. "Für mich ist es auch das beste Album, das wir je gemacht haben. Sicherlich wäre es traurig, wenn ich das nicht behaupten könnte, aber es ist ein gutes Gefühl, es aus vollster Überzeugung sagen zu können." Angesprochen, ob es sich bei den Bandmitgliedern eher um Jäger- oder Sammlertypen handle, grinst Mathias: "Ich weiß jetzt nicht genau, auf was diese Frage abzielt, aber im Zweifelsfall immer Jäger."
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"Ray" wurde als erste Single des neuen Albums ausgekoppelt. Zwar hat die Plattenfirma Burning Heart den Song vorgeschlagen, aber wirklichen Einfluss auf bandinterne Entscheidungen oder auf das, was dann letztendlich gemacht wird, hat das Label nicht. "Wir haben ihnen diesmal gesagt, dass es uns egal ist, welchen Song sie aussuchen, aber letztendlich war es dann doch genau der, den wir auch genommen hätten. Ray gehört einfach zu den eingänglichsten Stücken der Platte." Im Video zum Song fliegen die Jungs im gezeichneten Flugzeugen um einen böse dreinblickenden Roboter. Die Szene erinnert ein wenig an Kingkong, wenn man so will, nur stürzt der Maschinenmann am Ende nicht vom Empire-State Building, sondern kommt auf freiem Felde zu Fall. "Ganz ehrlich, eine tiefere Bedeutung hat das Video nicht. Uns hat die Idee und der Stil gefallen." Auch bei sonstigen Entscheidungen hält sich Burning Heart absolut raus. "Wir geben ihnen unser aufgenommenes Material und sie bringen es dann raus. Wir machen daher, immer was wir wollen und lassen uns da von niemandem reinreden. Dennoch ist Burning Heart ein großartiges Label und Peter, der Chef, hat zur selben Zeit angefangen, wie wir. Es herrscht daher eine gute Zusammenarbeit und Freundschaft zwischen uns." Auch bezüglich der Produktion haben Millencolin ihre ganz eigenen Vorstellungen. Chips Kiesby, der auch schon mit den Hellacopters zusammenarbeitete, wurde für "Kingwood" engagiert. "Chips ist ein wirklich cooler Typ. Er ist zwar eher ein typischer Rock-Produzent und nicht so in dem Punkrock-Sound drin wie wir, dennoch hat er einen wirklichen erstklassigen Job geleistet. Aber in das Recording direkt war er nicht involviert. Wir gaben ihm die aufgenommenen Spuren und baten ihn, sie zusammenzuschneiden. Für das Album hatten wir über 20 Songs geschrieben und hoffen, die Besten herausgesucht zu haben. Die Stücke, die es nicht auf’s Album geschafft haben, werden sicherlich noch als B-Seiten oder auf Compilations ihre Veröffentlichung finden." Wenn man Mathias nach seinen ganz persönlichen Lieblingsstücken auf "Kingwood" anspricht, antwortet er: „Das sind auf jeden Fall der Opener "Farewell My Hell" und der vierte Song "Shut You Out".
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