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Zum 20. Todestag von Philip Lynott spielt die Bandinkarnation um John Sykes und Scott Gorham genau 20 Shows. Deswegen betitelte man die Konzertreihe als 20/20-Tour. Ein würdiges Ereignis aus einem traurigen Anlass und zur Erinnerung an den großen, 1986 verstorbenen Thin Lizzy-Frontman Philip Lynott.
Pünktlich um 20 Uhr betrat die Band die Bühne der gut gefüllten Live Music Hall. Der Opener hatte es in sich und brach sofort das Eis. Thin Lizzy brachte "Whisky in The Jar" genau so groovy wie Metallica den Bob Seger Hit "Turn The Page". Das Publikum ging vom ersten Ton an mit und gab bis zum Ende der Show keine Ruhe mehr. Das lag nicht nur an der Set-List, sondern auch an der Performance der Band. John Sykes sang die Lead-Vocals absolut überzeugend und brannte mit seinem Gibson Sound die Halle ab. In typischer Sykes-Manier ließ er die Feedbacks quietschen und die Obertöne pfeifen. In rasendem Tempo servierte er seine Läufe und Tappings. Scott Gorham machte nicht nur körperlich eine gute Figur. Wo Sykes mit seiner Gitarre wütete, spielte Gorham pointiert, gefühlvoll und fast schon filigran. Er ist eben ein Meister der Hardrock-Gitarre.
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Kracher wie "Don't Believe A Word", "Are You Ready" oder "Cold Sweat" wechselten sich ab mit vom Publikum ebenso gefeierten Slownumbers der Marken "Still In Love With You" oder dem von der John Sykes (Neben-)Band Blue Murder gern gecoverten "Dancing In The Moonlight". Für die Soli-Arbeit der beiden "Partners in Crime" gab es immer mal wieder Szenenapplaus. Die Stimmung strebte besonders dann einem Höhepunkt zu, wenn sie bei Thin Lizzy-typischen "Double Leads" aneinander klebten.
Den Bass bediente John Sykes alter Weggefährte Marco Mendoza. Der "Überall-zu-gleich" Bassist zupfte bekanntlich auch schon bei Whitesnake, Ted Nugent und Soul Sircus den Vier-Saiter, aber zu Thin Lizzy kehrt er wohl irgendwie immer wieder gerne zurück. Am meisten Spaß schien ihm "Black Rose" zu bereiten - er agiert stellenweise so, als hielte er sich für dieselbe. Trommler Michael Lee lieferte einen fesselnden Beweis seines Könnens beim Drumsolo im Song "Sha La La" ab.
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Natürlich hat Thin Lizzy keine Probleme bei der Songauswahl. Zu viele erstklassige Stücke entstammen dem Erbe Philip Lynotts. Deswegen kann man die Set-List zwar nicht wirklich als "Best of..." bezeichnen, aber mit ruhigem Gewissen als "Part of a Best of...". Thin Lizzy Fans bekommen bei Stücken wie "Chinatown", "Bad Reputation" und "Suicide" zu Recht feuchte Augen. Und die Tränen flossen in Strömen vor Begeisterung als "Emerald" und "Cowboy Song" intoniert wurden. Letzterem folgte natürlich "The Boys Are Back in Town", wie man es vom legendären 1978er Album "Live And Dangerous" gewohnt ist.
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Leider gab es nur geplante Zugaben und zwar in Gestalt des schon erwähnten "Dancing In The Moonlight" und "Rosalie". Noch eimal so richtig die Kelle holte die Band beim Abschlusssong "Black Rose" heraus. Sie feierten sich und den Song und das Publikum, welches den Song und die Band feierte. Nach der irgendwie doch zu kurzen Show blickte man in lauter glückliche Gesichter und hieß das obligatorische After-Show-Ohrenpfeifen herzlich willkommen.
Thin Lizzy in dieser Form ist ein Benchmark für jede Live Band. Sympathische Musiker präsentieren professionell Thin Lizzy Songs. Der Geist Phil Lynotts ist in der Halle zu spüren, wenn seine Songs einem jubelnden Publikum genau so dargeboten werden, wie er es gewollt hätte. Diese Band hat seinen Segen - offensichtlich.
(Artikel von Wahnwirtz / Fotos von Alfi)
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