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Eigentlich ist es schon erstaunlich, dass von all den neuen und heißen britischen Bands so wenige direkt aus dem pulsierende Herzen der Insel, der Themse-Metropole London kommen. Maximo Park kommen aus Newcastle Upon Tyne, Hard-Fi aus Staines (na ja, immerhin Londoner Vorort), die Arctic Monkeys aus Sheffield und The Kooks aus Brighton. Dies könnte sich allerdings bald wieder ändern. Denn das Debütalbum der Nachwuchskombo The Rifles, nicht zuletzt aufgrund der bereits veröffentlichten Singles "Repeated Offender", "Local Boy" und "When I´m Alone" ungeduldig erwartet, soll im Juni erscheinen. Wie gewohnt verteilt der NME schon mal ordentlich Vorschusslorbeeren: "The first band with a London postcode worth tattooing on your heart in ages." Um mir selbst ein Bild von dem jungen Quartett zu verschaffen, dass für eine kleine Pre-Album-Promo-Tour in Deutschland unterwegs war, begab ich mich in ein Berliner Hotel, wo sich für eine knappe halbe Stunde Gitarrist und Sänger Joel Stoker sowie Drummer Grant Marsh meinen Fragen stellten.
T: Ihr habt also vorgestern in München gespielt. Wie war das?
Joel Stoker: Sehr gut. Das war ja das erste mal, dass wir außerhalb von England gespielt haben und wir wussten nicht, was wir erwarten sollten. Wir hatten ein gutes Publikum.
Grant Marsh: Ja, und das Atomic Cafe ist eine wirkliche tolle Location.
T: Ein kritischer Punkt ist natürlich immer, dass das Publikum die meisten Songs noch nicht kennt.
J.S.: Das stimmt. Das ist eine Schwierigkeit. Abgesehen von "Repeated Offender", das schon im Radio lief, haben die meisten Leute bisher kaum was von unseren Songs gehört. Aber die Songs sind sehr positiv und schwungvoll, so dass man, auch wenn man die Songs nicht kennt, zumindest mit dem Kopf wackeln kann.
G.M.: Da die Leute die Songs nicht kennen, drehen sie zwar nicht völlig ab, aber spätestens am Ende eines Songs gehen sie mit und scheinen es zu genießen.
Der Grundstein für eine nette Plauderei mit den beiden noch sehr jugendlich wirkenden und sympathischen Londonern war also gelegt. Nebenbei erfuhr ich, dass Joel und Luke Crowther, der zweite mit einem seltsamen Hut bekleidete Gitarrist und Co-Songschreiber der Band, am gleichen Tag ein paar Stücke akustisch für Radio 1 eingespielt hatten. Ansonsten hielt sich der Promo-Stress wohl aber in Grenzen. Joel und Grant, der kleine Drummer mit dem kräftigen Oberarmen, waren jedenfalls gut gelaunt und kein Stück genervt von dem ganzen Rummel.
T: Ihr seid als Band ja noch ziemlich jung. Erst 2004 habt ihr euch formiert, oder?
J.S.: Da war der erste Gig von uns, ja.
T: Würdet ihr das als schnellen Aufstieg bezeichnen?
J.S.: Es ging eigentlich ziemlich stetig bergauf. Wir haben alle schon eine ganze Weile mit Musik zu tun. Es ist ja nicht so, dass wir eine Gitarre in die Hand genommen haben und zwei Jahre später hier sitzen.
T: Ihr habt also die ganze Ochsentour mit winzigen Klubs in London und stetig wachsendem Publikum mitgemacht?
J.S.: Genau so funktioniert das. Du fängst ganz unten an und arbeitest dich nach oben.
G.M.: Am Anfang haben wir vor allem für Freunde gespielt und dann kommen eben nach und nach neue, außenstehende Fans hinzu.
J.S.: Zuletzt hatten wir ein paar ausverkaufte Shows, aber sogar in England haben wir ja bisher nicht wirklich viel außerhalb von London gespielt. Da hatten wir lediglich zwei eigene kleine Touren.
T: Ich hatte nach eurer Einschätzung über die Geschwindigkeit eures Aufstiegs gefragt, weil der NME ja immer schnell dabei ist, eine Band zu pushen, was nicht unbedingt einer natürlichen Entwicklung entspricht.
J.S.: So denken wir auch darüber. Viele Bands werden zu einem ziemlichen frühen Zeitpunkt gehyped und bekommen eine Plattform, für die sie noch gar nicht bereit sind. Dann will jeder die Band sehen...
T: ...und der Druck wird zu groß.
G.M.: Yeah. Wir versuchen lieber einen langsamen, aber stetigen Aufbau.
J.S.: Es ist allerdings manchmal frustrierend. Da gibt es Bands, die drei Gigs gespielt haben und plötzlich ganz groß im NME rauskommen. Und du denkst dir 'Hey, I've been doing that for ages'. Aber das killt diese Bands eben auch. Ich denke die Art wie wir es machen ist der beste Weg. Stück für Stück bauen wir uns eine Fanbasis.
G.M.: Gute Live-Performances setzen sich am Ende durch.
T: Versucht ihr denn bewusst, den Ball flach zu halten?
G.M.: Wir sind einfach keine "hot band" oder "trendy". Andere Bands bekommen eine Menge Medienaufmerksamkeit wegen der Art, wie sie sich verhalten. Wir nicht.
T: Naja, immerhin hat Graham Coxon gesagt, ihr wärt eine seiner neuen Lieblingsband. Dann kommt so eine Sache doch schnell ins Laufen.
J.S.: Ja, gut. Ist ja auch nicht schlecht, wenn positiv über einen geschrieben wird. Dennoch versuchen wir "to keep the thing slowly burning". Wir gehen Stück für Stück voran ohne Rückwärtsschritte. Das verschafft uns die Zeit, uns zu entwickeln, ohne das der Druck zu groß wird.
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