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Als "Poser" vom Feinsten könnte man die, per Flyer kurz vor dem Konzert angepriesene, Vorband "Avenged Sevenfold" betiteln. Die fünf Kalifornier hatten es aber auch wirklich nicht leicht in Berlin: Die Himmelsschleusen offen, der Sound miserabel und die Menschen unter Regenjacken oder Kapuzen versteckt, waren nur zögerlich bereit wenigstens ansatzweise mitzufeiern. Die schwerstens tätowierte Combo um Sänger M. Shadows hinterließ keinen bleibenden Eindruck. Auch mit dem Pantera Cover "Walk" und den Gitarrensoli, die Synyster Gates auf einer in "schwarz-rot-gold" angepinselten Gitarre (eventuell im Hinblick auf die WM) darbot, konnten die Amis nicht wirklich begeistern.
In der Umbaupause ließ zum Glück der Regen nach und die ca. 20.000 Besucher hofften wenigstens den Hauptact des Abends nicht unter einer Regenkapuze hervorlugend und mit Wasser, das den Rücken hinunterläuft, feiern zu können. Die Rowdies der Band hatten sichtlichen Spaß am Mikro-Test den Sie schon mal zum "anheizen" des Publikums nutzten.
Um 19:38 Uhr verhießen die eingespielten Klänge von AC/DC den Beginn des lang ersehnten Spektakels. Die ersten Klänge von "Wherever I May Roam" entfachten im Innenfeld der Waldbühne ein mittelschweres Erdbeben. Es wurde gepoged, gebangt, geschoben. Der ganze Pulk war wie entfesselt und kaum zu halten. Auch der inzwischen wieder einsetzende Regen konnte die Massen nicht abkühlen. Die ersten Damen und Herren die sich direkt vor die Bühne gewagt hatten, verließen fluchtartig den Ort des Geschehens in die ruhigere, hintere Zone.
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Mr. Hetfield mit winterlicher Wollmütze auf dem Kopf betrachtete seine, mittlerweile bis auf die Knochen nasse, Anhängerschaft mit dem Kompliment das alle wirklich prima aussähen und es ja auch nur "just water" wäre, das alle so ein bisschen komisch aussehen ließe! Mit "The Unforgiven" holten die vier Metal-Veteranen die angeheizten Gemüter wieder ein wenig runter und es wurde ruhiger im Publikum.
James gratulierte seinen Mitmusikern Lars, Kirk und Robert sowie dem Publikum zum 20. Geburtstag des Albums "Master of Puppets" und verkündete, dass sie zum Jubiläum die komplette Scheibe, schön der Reihenfolge nach spielen würden. Ist das zu fassen! Eine solche Band wie Metallica lässt alle Weiterentwicklung, Erfolge und Kritiken einfach links liegen und spielt ein 20 Jahre altes Album komplett von Anfang bis Ende! Das fetzt, das ist ganz groß!
"Battery" brachte dann auch wieder Stimmung ins Rund der Waldbühne und bei "Master of Puppets" und dem zugehörigen Gitarrensolo von Gitarrenvirtuose Kirk Hammet wurde begeistert mitgegröhlt! Dass die angereisten Fans wirklich wussten worum es hier ging wurde bei der einstimmigen Antwort: "The Thing That Should Not Be" aus 20.000 Kehlen deutlich, die auf die Frage "What ist the next song of the Master of Puppets?" vom Frontman folgte.
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Auch die lustigen Publikum-Spielchen - der Sänger singt vor, das Publikum singt nach - wurde zelebriert und gefeiert - nur "nachrülpsen" wollte irgendwie keiner. Die zweistöckige Bühne wurde von allen Musikern gut genutzt, nur Lars Ullrich der als Drummer ja an seinen Platz gebunden ist, beschränkte sich auf die üblichen Mätzchen und Späße, die ihn so sympathisch machen. Robert Trujillo legte vor beeindruckendem rot leutendem Hintergrund ein klasse Bass-Solo aufs Parket und auch das Instrumental "Orion" bekam seinen Platz genau wie auf dem Album.
Nach dem vollständigen "Master of Puppets"–Set ließen sich die Herren aus den USA zum ersten Mal von Ihren Anhängern wieder zurück auf die Bühne klatschen! Es folgten ohrenbetäubende Knaller, Feuerstöße und Raketen erleuchteten die Bühne und den Nachthimmel über der Waldbühne. Mit den Mitgröhl-Klassikern "One" und "Enter Sandman" stiegen Metallica in Ihre erste Zugabe ein. Die, durch das lange Instrumental "Orion" etwas abgeflaute Stimmung flammte augenblicklich wieder auf, so dass James Hetfield seiner Begeisterung über die grandiose Kulisse mit einem "You make Metallica feel great, Berlin" Ausdruck verlieh. Drummer Lars ließ sich aus dem Publikum ein Fanplakat geben und verschönerte damit seine Drums! Plötzlich waren diese ganz Großen ihrem Publikum sehr nah und alle spürten das und es wurde gebührend gefeiert!
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Noch ein letztes Mal ließen sich die vier auf die Bühne jubeln und performten mit Ihrer Support-Band "Avenged Sevenfold" einen Ramones-Song, bevor das vom Publikum heiß ersehnte "Was wollt Ihr hören?" einstimmig mit "Seek & Destroy" beantwortet wurde. Bei diesem Kult-Klassiker wurde noch einmal so richtig abgefeiert und mitgegröhlt bis sich jeder der Herren einzeln vom Publikum verabschiedete. Lars Ullrich kündigte noch für 2007 ein neues Metallica-Album und eine Tour an, bevor nach knapp zweieinhalb Stunden dann wirklich Schluss war.
Es war eine gelungene Show, das konnte man an den zufriedenen Gesichtern sehen, die sich an den Aufstieg aus dem Kessel der Waldbühne nach oben zu den Ausgängen machten. Es war eine wunderbare Idee der Band mit dem vollständigen "Master of Puppets"-Set den Geburtstag eines außergewöhnlichen Albums, von außergewöhnlichen Musikern vor 20 Jahren eingespielt, zu feiern. Dann bis im nächsten Jahr Metallica – mit neuem Album und neuer Tour!
(geschrieben von Baja)
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