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Amon Amarth, Wintersun, Tyr - Hilfe, die Wikinger kommen!

Ausverkaufte Konzerte, opulente Setlist, harmonierende Vorbands und ein restlos begeistertes Publikum: Ohne Zweifel, die Leute rennen Amon Amarth die Bude ein und die Schweden sind nach ihrem Überalbum "With Oden On Our Side" dabei, live zu einem wahrlichen Triumphzug anzusetzen. Der Auftritt im Columbia Fritz am Mittwochabend vor den "deutschen Wikingern", wie Sänger Johan Hegg das Publikum liebevoll titulierte, wird dabei als ein weiterer erfolgreicher in die Band-Analen eingehen.

Das Package lässt wohl derzeit jedes Wikingerherz höher schlagen, denn sowohl auch Tyr und Wintersun passen mit ihren heidnischen und brachialen Klängen zu der lyrischen Ausrichtung des schwedischen Schicksalsberges. Wie schon im Vorprogramm von Die Apokalyptischen Reiter setzten die Färöer Superstars auf die bekannten Songs, die weniger durch brachiale Powerchords glänzen, sondern mit intelligenten, progressiven Melodieläufen operieren, die technisch anspruchsvoll und faszinierend sind, aber auch nicht unbedingt das bedienen, was die typischen Amon Amarth-Fans fordern. Dennoch wurden die introvertierten Tyr gut aufgenommen, besonders die klare, samtige und auch eigenwillige Stimme vom Kettenhemdbewehrten Sänger Heri, der meist in seiner Heimatsprache sang, macht den Charme der Band aus. Mit "The Wild Rover", hierzulande bekannt als "An der Nordseeküste", bekommt die Band dann selbst die Schunkelunwilligsten dazu, sich zumindest etwas zu bewegen. Und so stachen mit Tyr die Drachenboote in See, um von der finsteren, aber auch heroischen Zeit dem Festland zu berichten, wo ehrenvolle Männer und Freunde fürs Leben auszogen, um zu plündern, brandschatzen und Reichtümer zu häufen, die mit der Gottheiten Hilfe gehortet wurden. Klingt ja auch spannender als von Handelsbeziehungen zu singen und zuzugeben, dass die Frauen das Sagen hatten und die Beute aufteilten.

 

Wintersun mit dem charismatischen Sänger und Gitarristen Jari Mäenpää setzten da schon die Segel strammer und hart am Wind und so nahm die Wikinger-Flotte unweigerlich Fahrt auf, zumal dargebotene Hymnen wie "Beyond The Dark Sun", "Sleeping Stars", das famose "Battle Against Time" oder "Starchild" mächtig drückten und die formierte Band mit Drummer Kai Hahto ungestüm nach vorn preschten. Auch wenn die Keyboards vom Band kamen, der Sound etwas undefiniert war und so einige klare Chöre untergingen, die allerdings auch nicht immer hundertprozentig saßen, verbreiteten die Finnen mindestens soviel Spaß wie ein Nordmann hat, wenn er nach einem Beutezug sich an einem prasselnden Lagerfeuer niederlässt und einen ordentlichen Zug aus dem Horn nimmt. Bassist Jukka Koskinen und Gitarrist Teemu Mäntysaari haben bei ihrem Chef ordentlich posen gelernt und so standen nicht nur einmal die Gitarren steil, selbst wenn die Songs in oberen Geschwindigkeitsregionen pendelten. Trotz der weißen Malmsteen-Gitarre (die aber doch irgendwie sehr cool wirkte) von Jari landete so die Flotte konsequent gut gelaunt und frohen Mutes am Ufer der Gegend, die alsbald von der entfesselten Urgewalt gezeichnet sein sollte,

Amon Amarth sind nicht dafür bekannt, feingeistige Diskussionsbeiträge in Sachen Poesie zu erschaffen, passend zu den tonalen Brachial-Attacken wird hier über die gute alte Zeit gesungen, als es an der Tagesordnung war, in die Schlacht zu ziehen, Odin zu huldigen und seinen Platz bei seinen Ahnen in Valhall zu suchen. Die letzten Keyboards des Abends gab es mit dem majestätischen Intro, danach walzte das erste Riff-Monster "Valhalla awaits me" zermalmend jeglichen Widerstand nieder. Die Band präsentierte sich tight und in absoluter Hochform, spielerisch perfekt abgestimmt und mit dem Fronthünen Johan Hegg einen äußerst präsenten Brüllwürfel, dem man jede einzeln gesungene Zeile sofort abkauft. "Runes to my memory" zeigte einmal mehr, dass die Schweden nicht nur für kompromisslose Death Metal-Attacken gut sind, sondern natürlich auch ein äußerst feines Händchen für Melodien haben. "Death in fire" erschallte als dritter Song und beförderte die Stimmung noch einmal in Höhen, in der man nur die Hand ausstrecken muss, um die Altehrwürdigen am Fuß kitzeln zu können.


"Fate of norns", "Thousands years of oppression", "With Oden on our side", "Asator", "An ancient sign of coming storm", "Cry of the blackbird", "Last with pagan blood", "Once sent from the golden hall" und "Gods of war arise" stellten einen Hit nach dem anderen dar, bei denen nach und nach eine unmittelbare Vorstellung entstand, mit welcher Wucht wohl die Wikinger früher ihre Angriffe durchgeführt haben. Und wenn Fußballfan Johan Hegg erhoben thronend seine Mähne schüttelnd und seine Hymnen röhrend wütete, versteht man ansatzweise, wie sich die Mönche des Klosters Lindisfarne gefühlt haben müssen, als sie von blutrünstigen Wikingern das erste Mal überfallen wurden. Welch intensive Vorstellung der Band.

"The pursuit of Vikings" eröffnete schließlich die Zugabe, "Versus the world" und "Victorius march" vollendeten ein monumentales Konzerterlebnis, zu welchem ich als Fan sagen würde: Ein Monster-Auftritt, als Journalist: Es war arschgeil.


 

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Ingo
© 11/2006 whiskey-soda.de
 


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