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Saga - Progressives Theater in Hannover

Das ist doch mal eine ungewöhnliche Location. Saga spielen im Theater am Aegi. Der Hannoveraner Vorzeigesaal beherbergt normalerweise eher Künstler wie Helge Schneider, Tim Fischer oder eben Theater- und Musicalaufführungen. Heute abend steht also Progressive Rock aus Kanada auf dem Programm.

Mit dem Titelsong des neuen Albums "Trust" beginnt der Spaß. Vertrauen in Sagas Live-Qualitäten haben alle Anwesenden zu Recht. Für die Band muss allerdings schon das Betreten der Bühne eine Enttäuschung sein. Das Theater ist trotz Bestuhlung gerade einmal halbvoll. Frontmann Michael Sadler liefert dafür auch unbeabsichtigt die Erklärung. Er vermeldet: "Ich habe gerade erfahren, dass Ihr 42 Euro für die Karte bezahlen musstet! Das ist viel zu viel!" Jubelnde Zustimmung aus dem Publikum. "Ganz ehrlich, damit hatten wir nichts zu tun," erklärt er. "Vielen Dank, dass Ihr trotzdem hier seid, das ehrt uns sehr." Tosender Applaus. Den Konzertbesucher von heute kann kaum noch ein Ticketpreis erschrecken. Daher zählt nur noch die gute Show.

 

Und die liefern Saga immer. Nach nur zwei Songs kommt mit "Wind Him Up" schon der erste Klassiker von Kultformat. Einen Großteil der Anwesenden reißt es von den Stühlen, die Party geht los. In diesem Moment bereut niemand die 42 Euro. Und wer könnte sich Meilensteinen wie "On The Loose" oder "Don't Be Late" entziehen, ganz zu schweigen vom Überflieger schlechthin "The Flyer"? Traumhaft! Nebenbei ist der instrumentale Wechsel der Kanadier sehr unterhaltsam. Zwischen Bass und Keyboard wird eifrig hin- und hergesprungen. Ein alter Bekannter hat hinterm Schlagzeug Platz genommen. "Brian war leider nicht fit", erklärt Sadler. "Da haben wir uns gefragt, welcher Drummer die Songs gut kennt und mit uns auf Tour gehen kann. Und hier ist er ..." Natürlich wird die (vorübergehende) Rückkehr von Steve Negus besonders gefeiert. Reunions sind immer was Schönes.

Gute Singles auch. Ein tanzbares Highlight bei jeder Saga-Show ist "Humble Stance". Der Durchbruchshit der Kanadier ist Pflichtprogramm und Publikumsliebling. Spätestens jetzt steht wirklich jeder, der was auf sich hält, nur ein paar merkwürdige Zuschauer bitten ums Hinsetzen. Kaum zu glauben! Neben lethargischen sind auch penetrante Gäste anwesend. Man kann ja seine Wünsche äußern, wenn man gefragt wird. Aber wie ein Besessener diverse Songtitel zu fordern, ist peinlich, störend und eine Zumutung für die Band! Die lässt sich davon glücklicherweise nicht beirren und begeistert alle anderen Anwesenden mit Geschmacksproben aus "Trust" und Standards à la "Ice Nice" oder "Scratching The Surface". Während die Crichton-Brüder die gewohnte Ruhe ausstrahlen, geben Sadler und Keyboarder Jim Gilmour alles. Letzterer erinnert mit seiner Lockenmähne an "das Tier" aus der Muppet-Show.

 

Obwohl es nach anderthalb Stunden nur eine einzige Zugabe gibt, ist kaum jemand böse. "Nächstes Mal wird das billiger, ich werde ein Auge drauf haben", verspricht Michael Sadler. Man darf gespannt sein, ob er das halten kann. Ein weiterer Konzertbesuch lohnt sich in jedem Fall. Dass Saga dann erneut eine "Theatre Tour" veranstalten, ist allerdings zu bezweifeln und wenig ratsam. Dieser Abend war trotzdem ein Vergnügen.


 

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Philip
© 12/2006 whiskey-soda.de
 


Kurzinfos: Saga

Homepage:
- Saga

Artikel:
- Saga - Progressives Theater in Hannover

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