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Den Anfang machten, vor noch sehr wenig Publikum, die deutsch rockenden "Ultima Ratio Regis" aus München. Sänger Tewaag hatte, bereits nach den ersten beiden Songs "Warum" und "Grenzgang", die Lage erkannt und brachte es recht nüchtern auf den Punkt: "Die Sonne ist wohl gegen uns!" Die Bayern sind aber auch keine Meister der eingängigen Töne und man könnte annehmen, dass diese Art von Musik an diesem Abend einfach ein wenig to much für die anwesende, feierwütige Meute war. Der Hof mitsamt Bierstand und Würstelgrill war jedenfalls bedeutend mehr besucht als die düstere Konzerthalle.
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Eine wirklich positive und angenehme Überraschung bescherte die zweite Vorband Hemlock. Mit Spaß, Power, Druck und einer Menge Engagement, vor allem vom extrem sympathischen Fronter Chad, schaffen es die vier Jungs innerhalb von kurzer Zeit die Leute vom Bierstand weg und in die Halle zu locken. Dort gab es dann mal richtig was auf die Ohren. Stilistisch an Machine Head erinnernd, fegte Hemlock wie ein Wirbelwind durch das K17 und riss immer mehr Leute mit, so dass sich ein anständiger Mosh- und Hüpfpit entwickelte. Das vor Freude strahlenden Quartett, das zum ersten Mal in Deutschland auf den Brettern stand, lief, vom Erfolg angestachelt, immer weiter zur Höchstform auf und würzten ihren, musikalisch schon einwandfreien, Einstand in Berlin mit spaßigen Showeinlagen. So wissen nun zum Beispiel alle die dabei waren, welche interessanten Töne man mit einem, fast gänzlich verschluckten, Mikro im Mund so fabrizieren kann. Bei Songs ihrer aktuellen Scheibe "Bleed the Dream" konnten die Amis auf jeden Fall so manchen neuen Fan dazu gewinnen. Ebenso wie durch die Tatsache, dass sie selbst hinter Ihrem Merchstand Dienst schoben und jeder, der nach dem Gig Lust auf ein Hemlock-Shirt bekommen hatte, mit Handschlag und mehr als einem freundlichen Wort begrüßt wurde. Sehr sympathisch die Jungs und man kann nur hoffen, dass man sie ab jetzt öfter in deutschen Landen begrüßen darf.
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Was allerdings dann folgte, holte alle wieder auf den harten Boden der Tatsachen zurück und die Euphorie war dahin. Die Heidelberger Silent Overdrive schafften es leider nicht, das von Hemlock mehr als reichlich angeheizte Publikum weiter in Bewegung und Begeisterung zu halten. Woran es lag war nicht wirklich auszumachen, der Sound war schlechter als bei beiden vorherigen Bands und auch die Songs Ihres 2006er Albums "Disease" wie "Babylon Nation" und "Lost your believe" konnten das Berliner Publikum an diesem Abend nicht von den Stühlen reißen und so gab es wieder lange Schlangen vor den Theken, aber wenig Pit in der Halle. Schade, denn an fehlendem Engagement oder Spielfreude von Silent Overdrive kann es nicht gelegen haben.
Nach wirklich humaner Umbauzeit, die sich im Übrigen den ganzen Abend in einem angenehmen zeitlichen Rahmen bewegte, brach der New Yorker Hardcore Orkan ins K17 ein. Wo kamen nur all diese Menschen auf einmal her, die aus der Halle eine schwitzende, kochende Sardinenbüchse machten? Umfallen war nicht möglich und springen, moshen und pogen musste man wohl oder übel auch mit der Masse. Pro Pain! Ohne großartiges Intro kamen die alten Herren des Hardcore auf die Bühne um selbige - musikalisch - in Schutt und Asche zu legen. Mit "Stand Tall" und "In for the Kill" legten sie gleich von Beginn an Maßstäbe für das folgende Set, das weder Gary und Co. noch dem tobenden Publikum Zeit zum Verschnaufen gab. So glich Bühne wie Halle bald einer riesigen Sauna, in der man sich nicht sicher sein konnte, ob die nassen Klamotten vom eigenen oder fremden Schweiß, oder vom Kondenswasser das von der Decke tropfte, stammte. Die Bühnenperformance von Pro Pain hielt sich wie Gewohnt in Grenzen. Hier gibt es keine Mätzchen und keine verschluckten Mikros sondern einfach nur straight on immer volle Elle auf die Gehörgänge. Das ist nicht etwa negativ gemeint, denn hier ist eine Band am Werk bei denen das auch einfach reicht. Eines der Mysterien guter Liveauftritte: warum müssen manche Bands eine wirklich spektakuläre Performance hinlegen, um eventuell das Publikum auf Ihre Seite zu ziehen und andere müssen einfach nur tight ihr Ding durchzocken und die Meute benimmt sich wie ein komplettes Irrenhaus auf Freigang. Ein Patentrezept wird es wohl nie geben und auch erklären wird man es einfach nicht können. Die Setliste heutigen Betreuuer des Irrenhauses K17 die voll mit Krachern der 2005er Scheibe "Prophets of doom", beispielsweise "Un-American" und "Neocon", gespickt mit den neuen Songs des, im März veröffentlichten ""Age Of Tyranny / The Tenth Crusade", ließ keine Wünsche offen.
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Sehr lobenswert der Pit, der sich von vorn bis fast ins hinterste Drittel des K17 zog und mit hart aber herzlich beschrieben werden kann. Die, vom Backliner angeheizten, Fans brüllten Pro Pain bereits nach wenigen Minuten nach Ende des Hauptsets wieder zurück auf die Bühne wo sie konditionsstark noch fast eine halbe Stunde weiter spielten. Eine besondere Überraschung und laut Pro Pain Fronter Gary "especially for Berlin" wartete auf die Meute beim lang und lautstark geforderten Böhse Onkelz Coversong "Terpentin": der ehemalige Bassist und das Sprachrohr der vor zwei Jahren aufgelösten deutschen Rockband, Stephan Weidner, gesellte sich zu den Hardcorelern auf die Bühne und jammte mit Ihnen und einem, nunmehr restlos entzückten Publikum, den Onkelz Klassiker bis zum Exzess. Zum krönenden Abschluss sprang er von der Bühne auf die Hände seiner Fans, die allerdings, von dem beherzten Sprung etwas überrascht, mitsamt Herrn Weidner einen gepflegten und für einige auch schmerzhaften Massensturz auf den harten Boden der Tatsachen - in diesem Fall den Betonboden des K17 - hinlegten. Damit war dieses schweißtreibende und großartige Konzert nämlich beendet.
Anhand der langen Schlangen an den Getränkeausgaben, lautstark bestellten "Ein Wasser bitte", den verschwitzen Gesichtern und nass im Gesicht hängenden Haaren - sofern vorhanden - wurde klar, das Pro Pain und alle die dabei gewesen waren, das absolut Letzte aus sich herausgeholt hatten. Eine prima Show mit einer überraschend guten zweiten Vorband, einem großartig gelaunten Publikum, einem Headliner der nach 15 Jahren Bandgeschichte noch kein bisschen alt oder müde wirkt sondern, im Gegenteil, ein so langes und brutales Set zockte, dass selbst die Fans fast vor den Musikern schlapp gemacht hätten, sowie einer gelungenen Überraschung in Form des special guest Stephan Weidner, machten aus einem normalen Samstagabend einen Abend, an den man sich noch lange und gern erinnern wird.
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