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Eine eigenartige Crowd hat sich an diesem warmen 27.April im Berliner Postbahnhof versammelt, Leute über 30, Leute in Schwarz und Leute, die ganz normal aussehen. Dazu ein paar Sekretärinnen , zahlreiche Briten und ein David-Bowie-Lookalike mit schwarzer Melone. Kein Zweifel: Hier wächst die nächste Generation von sich alternativ fühlenden Ü-30-Partygängern heran. Pünktlich um 21 Uhr geht im großen Saal dann das Licht aus und auf die Bühne kommt... der junge Udo Jürgens. Naja...genaugenommen ist es nur ein Jackett-tragender Brett Anderson, aber im Kontext des Publikums drängt sich dieser Vergleich schon förmlich auf. Was dann geschieht ist ein perverses Spektakel, da man nun 70 Minuten lang einem knapp 40-jährigen Menschen dabei zuschauen kann, wie er sich von einer leeren Geste zur nächsten hangelt.
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Das ist sehr schade und passt auch nicht wirklich zum abgeschminkten Sound seines Solo-Albums, aber das kommt dabei heraus wenn man Brett Anderson seine Gitarristen – egal ob Bernard Butler oder Richard Oakes - und seine Bands – egal ob Suede oder The Tears – nimmt und ihn alleine auf eine Bühne stellt. Leider! Nicht, dass der Mann früher weniger gepost hätte, aber damals hatte er eben adäquate Leute neben sich und Songs zu denen man prima posen kann. Nur: Wie setzt man sich zu eher persönlichen Stücken wie "Love Is Dead" in Szene? Kein Wunder, dass Brett sich in den ersten zehn Minuten ständig an den Gürtel fasst als wolle er überprüfen, ob noch alles am richtigen Platz sitzt. Nicht, dass er versehentlich noch zu viel von sich preisgibt. Und so wirkt Anderson die gesamten 70 Minuten über hochgradig künstlich, unentspannt, über Gebühr bemüht, vom Publikum gemocht und beklatscht zu werden. Und dafür zieht er alle Register.
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Genau hier liegt das Hauptproblem: Wo Leute wie David Bowie gelernt haben mit dem Publikum zu kommunizieren und zumindest Teile von sich zu zeigen, verbirgt sich Bretts Persönlichkeit ständig hinter 1000 Masken. Wenn er eine Sache überhaupt nicht drauf hat, dann Nähe zum Publikum, geschweige denn einen Austausch herzustellen. Bei den tollen 2005er Shows von The Tears klappte das ansatzweise, heute Abend im Berliner Postbahnhof geht es schief. Die Show ist die reinste Ego-Mania und wirkt wie eine Geburtstags-Party: Der kleine Brett wird zwölf, hat Gäste eingeladen und will nun im absoluten Mittelpunkt stehen. Und nervt dabei gewaltig!
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Nach etwa 20 Minuten möchte man wahlweise die Halle verlassen oder hochgehen und den Mann schütteln, damit er wenigstens eine einzige echte Emotion zeigt. Aber wozu sollte er das tun, wenn das Publikum schon wild klatscht, wenn er sich nur eine Gitarre umhängt und beim ersten egal wie schlecht gespielten Ton eines Suede-Stückes völlig in Ekstase gerät. Trotzdem: Nach Auftritten wie diesem kann man nur hoffen, dass das Kapitel "Brett Anderson Solo" möglichst schnell wieder abgeschlossen ist und er wahlweise Suede, seine Kollaboration mit Bernard Butler oder notfalls auch beides auf einmal wiederbelebt. Dann kann er posen bis Bagdad und alle freuen sich. So dagegen bleibt ein schaler Nachgeschmack und der Eindruck eines leicht abgehalfterten Enterainers, der sich vor allem für seine Vergangenheit feiern lässt und Gefahr läuft als alte Diva am "Sunset Boulevard" in einem Raum voller Spiegel zu enden. Dann doch lieber das Model Damon Albarn: "See You In The Next Life!"
Die Setlist:
Intro/To The Winter
Love Is Dead
One Lazy Morning
Dust And Rain
Intimacy
Back To You
By The Sea
Scorpio Rising
The Infinite Kiss
Can't Get Enough
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The Wild Ones (Akustik-Version)
Trash
Beautiful Ones
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