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Das Line-Up am Eröffnungstag ist dementsprechend klein und beinhaltet als "Headliner" die Australian Pink Floyd Show. Nachdem wir die unspektakulären Jungs von Annihilator ausgespart haben, um uns einen Drink am Zelt zu genehmigen leiten wir das Festival also erst mit der Coverband von "Down Under" ein. Und die Aussies sind so gut, dass man ihren Sound nur schwer vom Original unterscheiden kann. Ihre Interpretation der großen Klassiker von "Money" bis "Comfortably Numb" auf der kleinen Bühne ist wirklich famos. Aus den glorreichen Tagen von Pink Floyd fehlt nicht eine Nummer. Während der mitternachtsüberschreitenden Show fällt mir wieder an, was ich an Sölvesborg so hasse. Die Temperaturen fallen nachts binnen kurzer Zeit in unangenehme Tiefen. Dennoch: Die Einleitung des Sweden Rock Festivals 2007 war schon wieder herrlich. Und der nächste Tag hält einen Knaller nach dem nächsten parat.
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In brütender Hitze wache ich in der Zeltsauna auf. Sölvesborg, wie hab ich Dich vermisst! Wenigstens die Duschen sind eiskalt. Und nach dem Grillen bleibt nicht lange Zeit, mit Thunder beginnen wir den Tag erst richtig. Die kultigen Engländer um Danny Bowes mögen auf ihren Alben manchmal langweilig klingen, live sind sie immer ein Spaß. Der quirlige Frontmann heizt dem Publikum in der Mittagshitze zusätzlich mit bluesig-rockenden Nummern wie "Loser", "I Love You (More Than Rock'n'Roll)" und der obligatorischen Ballade "Love Walked In" ein. Keine Zeit für Erholung. In der langen Tradition deutscher Hard'n'Heavy-Bands beim Sweden Rock Festival freut sich in diesem Jahr Axel Rudi Pell über begeisterten Applaus. Sänger Johnny Joeli hat noch mal zugenommen, aber nichts von seiner Dynamik eingebüßt. Er kontrolliert das Publikum spätestens bei "Masquerade Ball", während sich Axel wie üblich im Hintergrund versteckt. Es ist für mich immer wieder ein Phänomen, dass meine hart rockenden Landsleute in Schweden offenbar eine größere Fangemeinde haben als in Deutschland. (Zur Erinnerung: 2005 waren die Shirts mit der Aufschrift "Accept Germany" nach kurzer Zeit ausverkauft.)
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Wir nähern uns 16:30 Uhr. Eine Band, auf die ich mich im Vorfeld mit am meisten gefreut habe, wird in Kürze spielen: Quiet Riot! Mit neuem, gelungenem Album "Rehab" im Gepäck starten die Jungs famos durch. Trotz unglücklich gewählter Setlist (kein einziger Song von "QR III"!) liefern sie eine Riesenshow. "Free" von der aktuellen Scheibe wird live endgültig zum Superhit. Kevin DuBrow ist im Grunde ein Entertainer von Weltformat, der mit einem Mick Jagger oder Steven Tyler problemlos mithalten kann. Mit seinem purpurroten Hut, der charakteristischen Nase und dem schelmischen Grinsen erinnert er heute so manchen an Rod Stewart. Dass Carlos Cavazo nicht mehr in der Band ist, habe ich nach kurzer Zeit vergessen, obwohl Alex Grossi schon aus Kultgründen nicht mit ihm mithalten kann. Mit "Cum On Feel The Noize" und "Metal Health" beenden sie ihren 70minütigen Auftritt. Fazit: Quiet Riot haben's immer noch drauf, sollten aber ihren Katalog noch mal genau sichten und ein paar melodische Nummern zurück ins Set holen.
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Jetzt stehe ich vor der ersten Herausforderung. Symphony X spielen zur gleichen Zeit wie Point Blank, der 70er-Jahre-Kultband aus Texas, die zum ersten Mal in Europa auftritt. Nach dem finalen Tipp eines Freundes entscheide ich mich natürlich für die alten Hasen, die trotz Stones-ähnlicher Schrumpel-Visagen (sorry!) ein Riesenfass aufmachen. Der Bass dröhnt, das Schlagzeug hämmert und die Gitarre groovt. Point Blank spielen, Southern Rock, Boogie und Blues auf der kleinen Sweden Stage, wo die Wände wackeln. Ich weiß nun, von welcher Band ich definitiv noch zu wenig Platten besitze. Der kurze Abstecher zwischendurch bei Symphony X erweist sich als Reinfall, denn die Truppe von Russell Allen macht bekanntlich keine Musik, zu der man in drei Minuten Zugang findet, zieht aber erwartungsgemäß ein großes Publikum zur Rock Stage, die ein Fassungsvermögen von 20.000 Leuten hat.
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Keine Zeit für große Pausen, der Fleischball hat sich angekündigt. Über die großartige Show von Meat Loaf kann man kein schlechtes Wort verlieren. Dass der Altrocker seine junge, mehr als attraktive Duett-Partnerin abknutscht und dann noch dreist "I'm so fucking lucky!" sagt, belustigt die Zuschauer und verursacht gleichermaßen wohlwollenden Neid. Seine Gesangsleistung sorgt dagegen für Diskussionen. Während ich mich mit seiner Performance von "Bat Out Of Hell" bis "I Would Do Anything For Love" bestens anfreunden kann, sind meine Kollegen enttäuscht bis erschrocken. Zugegeben: Die hohen Töne schafft Meat Loaf nicht mehr, aber was seine Stimmbänder nicht mehr schaffen, macht er durch Showeinlagen wett. Für mich war's der nächste Hit des Festivals, doch die nächste Entscheidung steht schon an.
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Dimmu Borgir oder Thin Lizzy? Allein die Frage ist ein Witz. Natürlich schaue ich mir Lizzy an. Phil Lynott mag seit über 20 Jahren tot sein, doch die Legende lebt weiter. Und Gitarrist John Sykes holt aus seiner Stimme mehr raus, als man erwarten durfte. Es gibt Momente, der klingt er wirklich wie Lynott. Er schmettert von die unsterblichen Hits "The Boys Are Back In Town" und "Jailbreak", gönnt den Fans aber auch Perlen wie "Chinatown" und "Cowboy Song", ohne natürlich die obligatorischen Widmungen gen Himmel auszulassen. Mein erstes Thin Lizzy-Konzert hat jegliche Skepsis bei mir beseitigt. Diese Band ist wirklich Thin Lizzy! Nebenbei ist es eine Freude, den wahrscheinlich coolsten Session-Bassisten unserer Zeit wiederzusehen: Marco Mendoza, der seit seinem Whitesnake-Ausstieg und der Auflösung von Soul Sirkus etwas von der Bildfläche verschwunden war.
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Das unbestrittene Highlight des Tages steht bevor: Black Sabbath … ähm … Heaven & Hell. Dass Riffgott Tony Iommi der Reinkarnation der Truppe einen neuen Namen verpasst hat, hat den einfachen Grund, dass er es sich nicht mit Ozzy verscherzen will und vermutlich noch auf ein gemeinsames neues Album mit dem Prince of Darkness spekuliert. Prinzipiell ist es ja auch eine andere Band. Und die meisten Rockfans werden sicher begriffen haben, dass sich hinter dem Pseudonym Heaven & Hell die Herren Iommi, Butler, Appice und natürlich Dio verbergen. Für nicht wenige ist letzterer der großartigste Metal-Sänger aller Zeiten. Und auch bei diesem Gig mit der retromäßigen Friedhofs- bzw. Kirchenkulisse ist es wieder sensationell, was der kleine, alte Mann für große Töne spuckt, im musikalischen Sinne, versteht sich.
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Heaven & Hell spielen nur Lieder von ihren drei (stark kultverdächtigen) Alben "Heaven & Hell" (sic!), "Mob Rules" und "Dehumanizer", oben drauf noch eine Nummer vom Best-Of "Black Sabbath – The Dio Years", deren Titel mir gerade entfallen ist. Jeder wahre Metalfan muss an diesem Abend dahinschmelzen, während er von Iommi mit den herrlichsten Riffs und von Dio mit fantastisch emotionalen Gesangseinlagen versorgt wird. "Falling Off The Edge Of The World", "Die Young" und "Neon Knights" lassen Metalherzen höher schlagen, meines inklusive. Einziges Manko ist die Länge von nur 90 Minuten, die eines Headliners nach meinem Geschmack unwürdig ist. "Turn Up The Night" und "Buried Alive" hätten da noch wunderbar reingepasst. No hard feelings, der Gig war grandios! Über die Rockparty im Pavillion und einen Gute-Nacht-Whiskey geht es zurück in das noch für vier Stunden eiskalte Zelt.
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