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Die dänischen Pretty Maids müssen wir aus technischen Gründen sausen lassen und starten mit der größten Hoffnung im Bereich des authentischen Hardrocks: The Answer. Wie erwartet startet das irische Quartett wieder richtig durch! Die Songs von ihrem Debütalbum "Rise" wirken bisweilen wie ein Greatest-Hits-Set. Mit "Never Too Late", "Memphis Water" und "Under The Sky" beinhaltet die Scheibe reihenweise Granaten, um nur einige zu nennen. The Answer sind stilecht, und im Stile klassischer Rockkonzerte werfen die Roadies zwei Dutzend aufblasbarer Bälle (mit Bandlogo) ins für diese Zeit schon recht umfangreiche Publikum. Der Gag kommt an, am Ende sind natürlich sämtliche Bälle in Privatbesitz von Fans übergegangen.
Ohne Ball, aber mit guter Laune begeben wir uns von der Festival Stage zur Sweden Stage, wo White Lion mit ihrem Greatest-Hits-Set locken. Mit dem deutschen Keyboarder Henning Wanner (auch Jaded Heart) hatten wir im letzten Jahr die WM verfolgt, nun rockt er mit Mike Tramp gehörig das Feld! Der gebürtige Däne und Wahl-Australier Tramp war zwar noch nie stimmgewaltig, weiß aber, wie man Fans begeistert. Und bis auf das nach meiner Meinung grundsätzlich überflüssige Cover von "Radar Love" genießen wir Hits am laufenden Meter, darunter meine Favoriten "Living On The Edge" und "Little Fighter". Schön!
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Die Southern-Rock-Könige von Gov't Mule können mich heute nicht überzeugen. Die Band um ehemalige Allman Brothers ist einfach zu phlegmatisch auf der Bühne. Sie spielen sich zwar um den Verstand, können aber nicht verhindern, dass mein (für manchen vermutlich blasphemischer) Kollege in seinem offiziellen Sweden-Rock-Campingstuhl einschläft. Ich tadele ihn, merke aber selbst, dass ich die 90 Minuten nicht durchstehen werde und gönne mir einen guten Schluck am Zelt, um mich für meinen alten Spezi Udo Dirkschneider zu stärken. Doch vorher gibt es mit Accepted auf der Gibson Stage (im kleinen Zelt) noch eine astreine Coverband von Rate-mal-wem. Wer die Augen schließt, meint das Original zu hören. Kultverdächtig!
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Tja, und mit U.D.O. spielt um 18:15 Uhr auch wieder eine deutsche Band auf, ich erlaube mir sogar noch von einer leichten Steigerung gegenüber Axel Rudi zu sprechen. Das Intro der neuen Scheibe "Mastercutor" ist Programm: "We're back … with more of the same!” Wie vor zwei Jahren mit Accept lässt Udo nichts anbrennen, ein Kracher jagt den nächsten, ob Accept-Hymne oder U.D.O.-Gröler, das spielt keine Rolle, alles rockt, alles knallt, super! Und dann auch noch "Metal Heart", wir sind mal wieder begeistert. "What can I say?" fragt Udo. Werden Klaus Meine und die Scorpions das am letzten Tag noch toppen können, frage ich.
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In die Pressekonferenz mit Skid Row platzen wir eher zufällig und retten sie noch, da von den wenigen Leuten nur ein Grieche in den Dialog mit der Band tritt, um dann zu sagen, dass er New York nicht mag und Sebastian sie als Lügner bezeichnet. Sehr smart und taktvoll! Aber (Achtung: Selbstlob!) meine Fragen zum neuen Album und der Ausrichtung der Band bzw. ihrer Affinität zum Classic Rock kommen Rachel und Co. offenbar ganz gelegen. "Ich würde nicht sagen, dass wir in irgendeine Schublade passen", sagt er. Snake findet dagegen: "Wenn Judas Priest, Kiss und Iron Maiden schon in der Schublade sind, dann gefällt mir das." Nach der PK nimmt sich die Band, die nach meiner Meinung zu den nettesten im Business zählt, noch Zeit für einen Plausch. Auf mein Interview in Hannover vor vier Jahren (und mit anschließendem Bier) angesprochen versichert Scott: "Irgendwann werden wir wieder ein Bier zusammen in Hannover trinken." Ich freue mich über das Wiedersehen und mache mich auf den Weg.
Für Hardcore Superstar bleibt leider keine Zeit, da Zu-dieser-Zeit-noch-Journey-Sänger Jeff Scott Soto mit Talisman den Abschied auf der offiziell 5.000 Leute fassenden Zeppelin Stage zelebriert. Die Bühne erweist sich fast als zu klein, das Publikum rast tatsächlich. Die schwedische Band mit dem US-Sänger hat in Sölvesborg Kultstatus, was auch die Talisman-DVD "World's Best Kept Secret" mit dem Gig von 2004 beweist. Als Quartett zeigen die Glücksbringer mit "I'll Be Waiting", "Falling" und "Crazy", warum wir sie in Zukunft vermissen werden. Die Show hinterlässt bei Talisman-Neulingen offene Münder. Warum sich Journey Jeff Scott Soto als Leadsänger geangelt haben, versteht jeder. Doch die Geschichte sollte noch am selben Abend eine unangenehme Wendung nehmen. Es sei noch erwähnt, dass es mittendrin einen Gag gab, der im Nachhinein fast bitter wirkt. Jeff spielt auf dem Keyboard Journey's "Don't Stop Believing" an und scherzt dann: "Oh, sorry, wrong show."
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Nun nehme ich mal kurz zukünftige Ereignisse vorweg. Nur wenige Stunden nach diesem Gig triff Jeff backstage beim Aerosmith-Konzert den Frontmann einer anderen Band (die genau wie Journey beim Azoff Management unter Vertrag steht), der zu ihm folgendes sagt: "Oh Jeff, ich hab das mit Journey gehört, tut mir echt leid." Und tatsächlich, kurze Zeit später wird die Trennung ohne echte Erklärung auf der offiziellen Website vermeldet. Was für ein böser Nackenschlag von den Kollegen! Aber diese Info nur am Rande. Jeff selbst äußert sich aufgrund eines "Confidentiality Statements" persönlich nicht dazu. Fakt ist: Der Mann ist genial und wird uns auch ohne Journey weiterhin mit Spitzenmusik versorgen. Der Talisman-Abschied wurde inzwischen noch mal überdacht und ist möglicherweise doch nicht so endgültig. Na bitte!
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Und wieder stehen Skid Row auf dem Plan, dieses Mal auf der Rock Stage. 20.000 Leute feiern die Band, die ihr Versprechen aus der Pressekonferenz wahr macht, von jedem Album mindestens einen Song zu spielen. Nichtsdestotrotz sind es natürlich die ersten beiden Scheiben, die die größte Resonanz hervorrufen. Sölvesborg liebt den 80er-Rock. So tight waren Skid Row schon lange nicht mehr, sie blasen sprichwörtlich alles weg und Johnny Solinger, den ich nicht mehr mit dem unantastbaren Sebastian Bach vergleichen will (warum auch?), ist über jeden Zweifel erhaben. Double, Coversänger, was wurde nicht alles gesagt. Doch der Texaner hat seinen eigenen Stil und singt klasse, ist doch wunderbar, dass Skid Row dank ihm weiterlebt. Ich muss noch schnell meine spezielle Fotogenehmigung für Aerosmith abholen (die stellen sich an!) und verpasse "I Remember You", dafür bekomme ich später "I Remember You 2", die schnelle Version.
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Als diese Party nach guten 80 Minuten vorbei ist, sind wir bereit für Steven Tyler, den ich vor 4 Jahren bei einem Konzert in Atlanta noch Saltos schlagen sah. (Damals waren übrigens auch Jungs von Skid Row im Publikum. Wie klein die Welt doch ist.) Saltos schlägt er nicht, und abgesehen von ein paar wenigen Worten führt der legendäre Frontmann auch keine echte Kommunikation mit dem Publikum. Das ist sehr schade und sorgt dafür, dass der Gig trotz satter Setlist mit "Walk This Way", "I Don't Want To Miss A Thing" und "Sweet Emotion" nicht wie erwartet zündet. Vielleicht ist der Kontakt auch während der von Joe Perry gesungenen Blues-Nummer verloren gegangen, die bei dem kurzen Set wirklich nicht hätte sein müssen. Apropos kurz: Auch hier halte ich 90 Minuten für eine Frechheit. Sehr schade, Aerosmith muss ich trotz des Legendenstatus unter Enttäuschungen 2007 verbuchen. Ich bin gespannt auf die Deutschland-Tournee und gehe, wohin wohl, ins Zelt. Neuer Trick: Wir lassen den Zwei-Lieger gleich offen, um die Hitze am Morgen besser ertragen zu können.
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