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Lange mussten sie zwar warten, doch mit diesem Werk dürften vor allem die Fans zufrieden sein, denen die experimentelle Ausrichtung vom ’98er Album “34,788%... Complete“ ein wenig suspekt erschien, denn wie schon “The Light At The End Of The World“ und “The Dreadful Hours“ vermuten ließen, haben sich My Dying Bride wieder auf ihre mittlerweile über dreizehnjährigen Wurzeln besonnen und so klingt die auf die Scheibe gepresste Musik ganz nach ein paar Engländern, die bekannt dafür sind, mit ihren äußerst epischen Langgrillen verschiedenste Atmosphären zu kreieren. Bestes Beispiel für die stilistische Vielfalt der Band ist der Song “Catherine Blake“, der wie eine komplette Geschichte erscheint. Dieser Eindruck wird besonders am Ende durch den Klang zweier verschiedener, äußerst ausdrucksstarker Stimmen, verstärkt, die durchaus einer Konversation zwischen Gut und Böse gleichkommen. Doch wenn der Meister selbst am anderen Ende der Leitung sitzt, warum vermutlich sinnlose Erklärungen suchen und nicht einfach bei Herrn Stainthorpe nachfragen: „Es ist tatsächlich eine Geschichte, die so lang ist, dass ich sogar nicht mal die Hälfte der Lyrics verwenden konnte. Ich habe sie ursprünglich nicht für My Dying Bride geschrieben und später nur ein paar Zeilen des Ganzen für den Song verwendet. Im Booklet der CD wird es Auszüge zu lesen geben, aber nicht die ganze Story, dafür ist nicht genug Platz. Wahrscheinlich werden wir sie auf unserer Homepage veröffentlichen, wen es interessiert, der kann sie sich dann dort durchlesen.“
Natürlich können die Fans das tun, aber nach erneutem Nachhaken, lassen sich Aaron doch noch ein paar Worte mehr entlocken und so fährt er fort: „Die Story ist typisch für My Dying Bride und handelt vom Kampf zwischen den Kräften des Lichts und der Dunkelheit. Als Einführung in die sich eröffnenden Alpträume der Geschichte wollte ich einen weiblichen Hauptcharakter integrieren, der nur ein sehr kleines, jedoch wichtiges Stück eines Gesamtbildes ist. Ich wollte ihren Namen aber nur dazu benuten, die Zuhörer zu verwundern und dazu zu bringen, sich zu fragen wer sie ist. Wer den Text liest, versteht wahrscheinlich nicht alles, doch ich werde mich hüten zu viel zu verraten, sonst braucht sich niemand mehr mit dem Song zu beschäftigen. Ich kann nur soviel sagen, es ist eine interessante dunkle Geschichte, vollgepackt mit Leidenschaft, Wut und Gewalt, ähnlich einem Song, den wir vor langer Zeit geschrieben haben, “The Return Of The Beautiful“. Er ist genauso episch und behandelt ebenfalls das Thema ’Good vs. Evil’.“
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Eigentlich ist Aaron dafür bekannt, nicht sonderlich gern detaillierte Diskussionen über seine Songs zu führen, aber einmal festgenagelt, scheint es förmlich aus ihm herauszusprudeln. Und so bedarf es keiner großen Überredungskunst, ihn zu einer aufschlussreichen Antwort bezüglich seiner seit Jahren favorisierten Texte über Sex, Tod und Religion zu bewegen: „Meine Vorliebe für diese Themen hat sich durchaus relativiert. Nehmen wir zum Beispiel ‘The Blue Lotus‘, dieser Song ist eher wie ein Märchen aufgebaut und erzählt von Schlössern, Königen und Prinzessinnen. Ich genieße es, mich auch mal mit anderen interessanten Texten auseinander zu setzen, denn jede verdammte Death Metal Band kann über Sex, Tod und Religion singen und sich dabei die Seele aus dem Leib schreien, indem sie nach Blut und Gedärmen verlangt. Ich versuche hingegen eher auf literarische Art und Weise die Emotionen zu beschreiben, die in den Köpfen von jedem von uns auftauchen, wenn wir mit diesen Gefühlen und Momenten konfrontiert werden.“
“The Blue Lotus“ ist aber noch in einer weiteren Hinsicht ein Ausnahmesong von My Dying Bride, denn Aaron hat ganz neue Ufer für sich entdeckt und das erste Mal eine simple Short Story geschrieben, die ohne Musik sogar als Gutenachtgeschichte durchgehen könnte, natürlich als eine düstere und sehr verdrehte. „Normalerweise schreibe ich keine Kurzgeschichten, die sehr einfach zu verstehen sind, da ich eher der Typ bin, der jedes Wort sinnentfremdet und viel Poesie in den Songs verarbeitet. Damit ist es oft schwer, sie zu verstehen, aber “The Blue Lotus“ ist total einfach strukturiert, eben typische Schwarz-Weiß-Malerei.“
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Das komplette Interview mit Mr. Stainthorpe würde leider den vorhandenen Rahmen sprengen und so die zwei wichtigsten Infos daraus hier noch in der Kurzfassung: Seit ewigen Zeiten haben My Dying Bride erneut ein Video gedreht, und zwar zum Song “The Prize Of Beauty“. Doch viel kann noch nicht verraten werden, denn selbst die Band hat das Endprodukt noch nicht zu Gesicht bekommen und hat keine Ahnung, welche Bilder anstelle des bei den Dreharbeiten im Hintergrund stehenden Blue Screens zu sehen sind. Die zweite Nachricht dürfte eine weniger erfreuliche sein, denn eine Deutschlandtour hat die sterbende Braut nicht geplant, erst wieder zur Veröffentlichung des nächsten Albums. Doch ganz so schwarz sieht es nicht aus, für zwei, drei Festivals werden die Engländer auch kurzfristig deutschen Boden betreten. Aber um die Spannung nicht zu zerstören, wird an dieser Stelle noch nichts Konkretes geschrieben... Schließlich braucht der Mensch auch was, worüber er sich noch freuen kann!
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