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Die längere Abwesenheit der Band aus Boston könnte mit den Verkaufszahlen der weniger erfolgreichen Alben "Just Push Play" (2001) und "Honkin' On Bobo" (2004) zu tun haben. Aber sicher lag es auch an den persönlichen Umständen, mit denen die Band zu kämpfen hatte. Zuletzt musste sich Tom Hamilton einer Chemotherapie wegen einer Krebserkrankung am Kehlkopf unterziehen. Glücklicherweise hat er inzwischen zu alter Frische gefunden und seinen Bass wieder umgehängt. Von seinem Humor hat der Spaßvogel der Band nichts eingebüßt. Vergnügt grinst er sich durch den Abend, während die Gitarristen Joe Perry und Brad Whitford kaum eine Miene verziehen. Auf der riesigen Leinwand im Hintergrund der Bühne sieht man beinahe jede Falte im Gesicht der Dinos. Es sind erstaunlich wenige.
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Besonders gut drauf ist Frontmann Steven Tyler im quietschbunten Outfit. Er tanzt, stolziert, krabbelt und spielt mit dem tuchbehängten Mikrophonständer wie zu seinen besten Zeiten. Was allerdings fehlt, sind die Saltos, die ich ihn noch vor vier Jahren bei einem Konzert in Atlanta schlagen sah. Doch wer kann sowas mit 59 Jahren noch? Und wer sieht mit 59 Jahren überhaupt noch so fit aus? Ansonsten hat sich in der Zwischenzeit musikalisch nichts getan. Drei kaum verschiedene offizielle Best-Of-Compilations in fünf Jahren (zuletzt "Devil's Got A New Disguise" mit zwei neuen Songs) vergessen wir lieber schnell. Das einzig wahre "Best-Of" ist ohnehin eine Live-Show. Und dem Opener folgen mit "Falling In Love" und "Cryin'" die nächsten Superhits. Nicht zu vergessen "Dream On", das sie in Karlsruhe gar nicht gespielt haben, wie mir eine Freundin enttäuscht erzählte.
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Genau wie die Rolling Stones oder AC/DC brauchen Aerosmith natürlich einen Laufsteg ins Publikum. Auf dem angenehm niedrigen "Catwalk" stolziert das Duo Tyler/Perry auf und ab, den Mikrophonständer hält der Frontmann bei Mitgrölern wie "What It Takes" und "Rag Doll" ins Publikum. Klasse! Beim Opener hatte er noch hör- und sichtbare Tonprobleme und gestikulierte wild zum Soundboard, doch seitdem singt er hervorragend. Seine Stimmbänder hat er offenbar bestens "gepflegt". "I Don't Want To Miss A Thing" treibt so manchem weiblichen Fan eine Freudenträne in die Augen. Doch selbst die beinharten Rocker singen da mit. Das Publikum ist aus Holland, Belgien und von diversen Militärstützpunkten der Amerikaner und Briten hergekommen und niemand bereut die längere Fahrt oder den mit fast 70 Euro sehr hoch angesetzten Eintrittspreis.
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Bevor Joe Perry sein "Stop Messing Around" singt, liefert er die Erklärung für seine lethargischen Gesichtszüge: "Als ich heute morgen aufstand, fühlte ich mich so schlecht, dass ich dachte, ich kann auf keinen Fall spielen. Aber dann dachte ich mir, ich kann Euch nicht hängen lassen!" Banale Sprüche wie dieser kommen bei der Menge natürlich an, der Song trotz Perrys durchschnittlichen Gesangs auch. Dann kommt Tom Hamiltons großer Auftritt, na klar, "Sweet Emotion". Das Bassintro ist schon legendär, die Nummer ein Rockklassiker. Dabei ist es gut, dass die wilden Zeiten der "Toxic Twins" (Tyler und Perry im Drogenrausch) lange vorbei sind. Schließlich haben sie Aerosmith damals fast vernichtet. Ausgiebigem Entzug und der Schützenhilfe, ausgerechnet von den Rappern Run DMC, ist es zu verdanken, dass die Herren aus Boston heute immer noch zur Oberliga des Rock & Roll gehören.
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Die Rede ist natürlich von "Walk This Way", das als einzige Zugabe nach "Draw The Line" die Setlist beendet. Gute 110 Minuten hat das Konzert gedauert, da wär bestimmt noch Platz gewesen für zwei, drei Songs. Gern gehört hätte ich mal "Mama Kin" oder "Toys The Attic". Prinzipiell finde ich es lobenswert, dass die Setlist von Gig zu Gig leicht verändert wird, dass aber "Dude (Looks Like A Lady)" gefehlt hat, ist sehr schade! Gut, dass ich es beim Sweden Rock miterlebt habe. Ungeachtet dessen war es ein mehr als unterhaltsamer Abend. Ob man Joe Perrys Worten Glauben schenken kann, dass Aerosmith schon bald zurückkommen und nicht noch mal acht Jahre warten werden? Zu wünschen wäre es allemal, wobei ich ihnen zutraue, dass sie wie Jagger und Co. selbst mit Mitte 60 noch touren. Frei nach dem Motto: "Baby, Please Don't Go".
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