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Nachdem sich die Journalistenschar die Wartezeit mit netten Plaudereien und kleinen Exkursionen durch die heiligen Hallen des Tonstudios vertrieben hat, treffen mit etwas Verspätung die Jungs von Apocalyptica ein. Eicca und co. machen dabei einen sehr sympathischen, fast schon zurückhaltenden Eindruck. Von Rockstar-Attitude ist auf jeden Fall nichts zu spüren. Gemeinsam geht es dann in den Control-Room, wo uns neun von insgesamt 18 für das neue Album aufgenommenen Songs vorgespielt werden sollen. Eicca erzählt uns noch ein paar Worte von den Aufnahmen, die schon im August letzten Jahres begonnen hatten. Erst am Vortag der Listening-Session ist man mit dem Mix fertig geworden, die Band ist deshalb nicht minder gespannt als die schreibende Zunft, denn auch die Finnen selbst hören ihre eigenen Songs nun zum ersten Mal am Stück. Und dann geht es ohne viel Tamtam auch schon los und wir werden aus einer leistungsstarken Anlage mit Apocalypticas neuesten Werken beschallt.
Die Songs im Einzelnen:
Last Hope: Ein ruhiges, düsteres Intro eröffnet den Song. Man hört eine gezupfte Basslinie im Hintergrund und darüber eine klagende Melodie. Dann setzen sehr plötzlich wuchtige Riffs ein und Schlagzeuger Mikko beginnt die Felle zu verdreschen. Dann ein Break und ein melodisches Intermezzo bevor der Song wieder Fahrt aufnimmt und gut nach vorne rockt. Bei 3:20 Minuten wieder ein Break. Spannung wird aufgebaut, die sich nach kurzer Zeit wieder in einem Riffgewitter entlädt. Ein spannender Song mit viel Laut-Leise-Dynamik. Die Rhythmuselemente klingen dank Verzerrer-Einsatz wie bei einer "normalen" Metal-Band. Dennoch hört man den typischen Apocalyptica-Sound. Ein guter Einstieg.
Grace: Nach kurzem Intro gibt es ein ebenso kurzes wie heftiges Stakkato-Riffgewitter. Dann setzen wieder schöne Cello-Melodien ein, die mit tribal-artigem Schlagzeug unterlegt sind. Melodien und abgehackte Riffs wechseln sich in der Folge ab und ergänzen sich hervorragend zu einem dynamischen und spannenden Gesamtbild. Bei der 3:00 Marke meint man einen Discobeat zu hören (aber nicht erschrecken, man denke hier lieber an "Cares" von Amorphis als Referenz) der wieder zum eingängigen Hauptthema zurückführt. Abwechslungsreich und gelungen.
I'm Not Jesus: Die erste Single mit Corey Taylor (Slipknot, Stone Sour) am Mikrofon beginnt nur mit Drums und einer simplen Basslinie. Recht schnell wird es dann aber lauter und druckvoller. Verzerrer werden hier intensiv genutzt, so dass die Cello-Riffs sehr heavy aus den Boxen knallen. Dazu singt Corey Taylor mit viel Einsatz und Herzblut. Der Refrain ist auf Anhieb eingängig, der Song recht konventionell aufgebaut. Als Single hervorragend geeignet, sollte der Titel der Band so einiges an Radio-Airplay ermöglichen und wird wohl aufgrund der Bekanntheit von Corey Taylor auch den Absatzzahlen in den USA förderlich sein.
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Ion beginnt mit einem hervorragenden, headbang-kompatiblen Riff. Dann setzt das Schlagzeug mit einem Uptempo-Beat ein und die Celli beginnen ihr klagendes Lied. In der Folge wird wieder viel mit Laut-Leise-Dynamiken gespielt. Nach 2:20 Minuten ein Break von dem aus sich der Song wieder aufbaut und in einem gleichsam heftigen wie melodischen Finale gipfelt. Guter Song bei dem vor allem Drummer Mikko einen hervorragenden Job abliefert.
Helden ist wohl sicherlich der ungewöhnlichste Song auf dem Album. Es handelt sich hier um eine Cover-Version, doch da die Band nicht erneut einen Metal-Song verwerten wollte, wählte man David Bowies deutsche Version des Hits "Heroes". Das ist auf jeden Fall eine überraschende Wahl und als Sänger konnte man niemand geringeren als Till Lindemann von Rammstein gewinnen, der David Bowies deutsche Lyrics auf seine ganz eigene Art und Weise intoniert. Der Song ist im mid-tempo gehalten und mit einem stampfenden Rhythmus versehen. Dies, die Apocalyptica-typische Instrumentierung und Till Lindemanns Stimme sorgen für eine Version des Songs, die mit der ursprünglichen Pop-Nummer in einem spannenden Kontrast steht. Wer den Stil des Rammstein-Sängers nicht mag, wird wohl mit diesem Titel nicht allzuviel anfangen können, doch beweist die Band hier ihre Vielfalt.
SOS (Anything But Love): Wie der Titel vermuten lässt eine Ballade, aber mit Schmackes und richtig gut. Christina Scabbia von Lacuna Coil liefert sich mit ihrer dunklen Stimme ein schönes Duell mit den Celli. Der Refrain klingt hymnisch und kraftvoll. An Pathos mangelt es hier nicht, aber der Song driftet nicht in belanglosen Kitsch ab. Eignet sich hervorragend als zweite Single.
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