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Bassist D.D. ist der alleinige Songschreiber der Band, nutzt dafür aber die Gitarre. "Außer auf der Bühne spiele ich nur selten Bass. Wenn man Thrashmetal spielt dreht es sich um die Riffs. Für meine andere Band (The Bronx Casket Co. - Anm. d. Verf.) schreibe ich auch viel Musik mit dem Bass, weil es da mehr um Melodien geht. Aber im Thrashmetal kommst du um eine Gitarre nicht herum." Bei den Texten hält sich D.D. aber vollständig raus, hier übernimmt dann Sänger Bobby "Blitz" das Kommando. "Blitz und ich hatten nie Meinungsverschiedenheiten über die Texte. Wir reden noch nicht einmal darüber, um was es in den Texten ganz allgemein gehen sollte. Ich schreibe die Musik und es ist zu 100 Prozent das, was ich in diesem Moment für richtig halte. Dann schreibt Blitz die Texte und zwar zu 100 Prozent so, wie er es für richtig hält. Wir ändern vielleicht ein paar Kleinigkeiten damit es besser zusammenpasst, aber mehr nicht. Er lässt mich mein Ding machen und ich lasse ihn sein Ding machen."
"Ich liebe es Songs zu schreiben. Das war in unseren Anfangsjahren noch ganz anders, ich habe es gehasst. Wir waren damals auf Tour und unser Manager meinte irgendwann zu uns: 'Jungs, ihr könnt nicht mehr touren es sei denn ihr liefert eine neue Scheibe ab.' Da dachten wir uns: 'Scheiße, wir müssen arbeiten!'", denkt D.D. mit einem Lachen an die alten Tage zurück. "Aber heute habe ich Spaß daran Songs zu schreiben, vielleicht weil ich ein eigenes Studio habe. Der ganze Prozess des Musik-Schreibens, das Zusammenfügen der Elemente, auch der ganze technische Kram - ich mag das heute viel mehr als zu der Zeit als ich jung war. Meine andere Band spielt eine ganz andere Art von Musik und ich liebe auch das, denn es ist eine ganz andere Art des Schreibens und Denkens und einfach grundverschieden von Overkill."
Bevor wir aber über seine andere Band sprechen, will ich von D.D. noch wissen, ob er die Musikszene in den USA - und auch seine Band - heute für politischer hält als noch vor einigen Jahren, denn dies ist ein Eindruck, der einem oftmals vermittelt wird. "Jeder in den USA ist seit den Ereignissen vom 11. September 2001 politischer geworden, bei Bands fällt es nur eher auf, weil sie mehr im Rampenlicht stehen", lautet seine Analyse. "Aber der größte Unterschied zwischen den USA und Europa ist, dass die jungen Leute hier in Europa viel mehr über Politik wissen, die Themen verstehen, involviert sind als die jungen Leute in den USA, die solchen Sachen keine Aufmerksamkeit schenken." Soviel Lob hört man natürlich gerne, aber die europäische Durchschnittsjugend kommt in dieser Einschätzung wohl ein bisschen zu gut weg. "Ob es in unserer Musik seitdem politischer zugeht?", geht D.D. schließlich noch auf den zweiten Aspekt meiner Frage ein. "Da müsstest Du Blitz fragen. Ich persönlich mag es nicht, wenn Bands das tun. Für mich ist Musik und insbesondere Metal eine Art Flucht. Ich will das die Leute schreien und headbangen und einfach eine gute Zeit haben. Wenn dann die Texte auch noch eine tiefere Bedeutung haben ist das ein absolutes Plus. Aber wenn der erste Teil nicht da ist interessiert es micht nicht." Wohl gesprochen, D.D. Doch genug der Politik, zurück zur Musik!
Mit The Bronx Casket Co. hat der Overkill-Kopf nämlich noch eine andere sehr interessante Band am Start: "Es ist eine Gothicmetal-artige Band", beschreibt D.D. sein zweites musikalisches Baby. "Es gibt jede Menge Keyboards, weiblichen Gesang, viel Orchesterzeug, alles Sachen, die ich bei Overkill niemals verwenden würde, aber das ist ja gerade der Spaß an der Sache." In diesem Zusammenhang ist es natürlich interessant zu erfahren, auf welche Gothic-Bands der Trashmetal-Veteran denn so abfährt. "Das hängt von der Art der Gothic-Musik ab", schränkt D.D. ein. "Ich liebe Type O Negative und auch Nightwish, obwohl ich nicht weiß, ob das wirklich Gothic ist. Das richtige Gothic-Zeug wie die Sisters Of Mercy ist nicht so wirklich mein Ding. Paradise Lost sind eine großartige Band. Und ich mag auch diese ganzen Doom-Bands wie Trouble und Candlemass. So in der Art klingen ja auch The Bronx Casket Co., wir spielen diesen riff-betonten Doommetal und kombinieren das mit Keyboards und Melodien. Es ist also eine Art Mischung von diesen zwei Sachen, die ich richtig mag."
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Das Live-Konzerte mit einer Doom/Gothic-Band aber eine ganz andere Baustelle sind als wilde Thrashmetal-Shows, musste D.D. erst selber erfahren. "Für die ersten beiden Alben haben wir gar keine Shows gespielt, für das dritte Album gaben wir aber sechs Konzerte, nur um mal zu sehen, ob es Spaß macht. Es war seltsam im Vergleich zu Live-Shows mit Overkill, denn da bin ich es gewöhnt die Wände einzureißen. Aber mit The Bronx Casket Co. spielen wir langsamere Songs, damit bringt man die Halle nicht zum Einsturz. Und wenn das Publikum nicht total ausrastet kann ich nicht abschätzen, ob es ihnen auch wirklich gefällt. Das war ein bisschen merkwürdig." Dennoch wird auch in Zukunft von The Bronx Casket Co. zu hören sein, denn D.D. verät mir, dass noch 2007 ein neues Album aufgenommen werden soll. Dann will er es auch wieder live mit der Band auftreten und hat dafür auch eine ganz besondere Idee. "Blitz hat ja auch ein Nebenprojekt (The Cursed, Anm. d. Verf.) und unser Gitarrist Dave auch (gemeint ist wohl SpeedKill/Hate, Anm. d. Verf.). Also denke ich mir, es wäre doch sehr cool alle drei Bands zusammen auf Tour zu bringen, nur so für zwei Wochen und einfach zum Spaß. Ich glaube das hat bisher noch keiner gemacht. Und vielleicht könnten wir am Ende dann gemeinsam auf die Bühne kommen und noch drei Overkill-Songs spielen. Let's see."
Und weil D.D. mit zwei Bands immer noch nicht ausgelastet scheint, überlegt er, noch ein weiteres Projekt aus dem Boden zu stampfen. "Ich will schon seit Jahren eine Punk-Platte machen, ich liebe Punk und bin damit aufgewachsen. Es wird eine Ramones/Misfits/Green Day -Vier-Akkorde-pro-Song Punk-Scheibe werden. Keine Vollzeitband, nichts was wirklich erfolgreich werden soll. Aber einfach solche Songs zu schreiben, dieses Gefühl einzufangen, das reizt mich sehr." Jetzt genießen aber erst einmal Overkill Priorität. Ab Ende November kann man die Band wieder auf deutschen Bühnen erleben und selber Zeuge davon werden, dass die alten Recken noch mächtig Feuer unter'm Hintern haben.
Hier die Tourdaten der Tour mit Motörhead:
22.11.07 - Leipzig – Haus Auensee
23.11.07 - Horst/Elmshorn – Elbmarschenhalle
24.11.07 - Bremen – Pier 2
26.11.07 - Stuttgart – Messe B
27.11.07 - Köln – Palladium
28.11.07 - München – Zenith
30.11.07 - Erfurt – Thüringenhalle
01.12.07 - Saarbrücken – E-Werk
03.12.07 - Berlin – Columbiahalle
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