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So gar nichts mit dem brüllenden Wikinger mit Lederarmstulpen, wehenden Haaren und freiem Oberkörper hat dieser sehr zuvorkommende, freundlich dreinblickende und leise sprechende Mann, auf den ersten Blick, gemeinsam. "Sorry, ich bin ein wenig krank und war gestern in Wien schon beim Arzt. Es geht zwar schon wieder, aber ich bin halt nicht Hundertprozent fit heute." entschuldigt sich Johan schon vor Beginn des Gesprächs, dabei wäre das gar nicht nötig gewesen, denn ihm war, weder während des Interviews, noch während der Show am Abend, die gemeine Grippe, die ihn heimgesucht hatte, wirklich anzumerken. Gerade wenn man sich nicht so gut fühlt, muss es doch auf einer lauten, turbulenten und anstrengenden Tour fürchterlich sein. Wünscht man sich da nicht, noch extremer als sonst, nach Hause? Wie gehen die fünf Jungs von Amon Amarth mit dem immensen Tourstress und der Trennung von Freunden und Familien in der Heimat um? "Mir persönlich macht es nicht so viel aus lange auf Tour zu sein." meint Johan. Und nun Mädels, bei dieser Begründung aufgehorcht: "Ich habe keine Freundin oder Frau, insofern fällt es mir nicht schwer lange unterwegs zu sein. Die anderen Jungs haben es da nicht so leicht, sie haben Ehefrauen oder Freundinnen die sie vermissen. Besonders unser Bassist Ted wurde gerade erst Papa und Johan Söderberg der eine vierjährige Tochter hat vermisst sie natürlich sehr. Auf einer solch großen und langen Tour wie dieser muss man schon aufpassen dass die Jungs nicht die Motivation und die Lust am Touren verlieren. Aber wir bekommen das schon ganz gut hin. So kommen die Frauen und, soweit es geht, auch die Kinder zum Beispiel wenn wir in Paris spielen und nach der Show in Leipzig haben wir zwei Tage ohne Konzert, da fliegen die meisten Jungs dann nach Hause und können mit Ihren Frauen und Kindern wenigstens eine kurze Zeit zusammen verbringen. Außerdem ist es heutzutage über Internet ja zum Glück auch recht einfach in Kontakt zu bleiben. Ich selbst vermisse allerdings nichts auf so einer Tour!" Das glaubt man ihm sofort, wenn man weiß dass ihm zuhause ohne Tour und Konzerte so langweilig ist, dass er schon als Verkäufer in einer Käsefabrik gearbeitet hat. "Das mache ich allerdings jetzt nicht mehr. Aber, du muss wissen, wenn du wochenlang unterwegs bist, vermisst du dein zuhause, bist du dann allerdings wieder zuhause vermisst du spätestens nach vier Wochen die Action und den Trubel doch wieder ganz schnell und fragst, hey wann geht es endlich wieder los. Obwohl es sicher der Traum jedes Musikers ist, von seiner Musik zu leben, kann ich persönlich nicht nur Musik und dazwischen gar nichts machen. Wenn ich nach der Tour wieder in Schweden bin, arbeite ich als LKW-Fahrer. Das ist ein cooler Job!"
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Ein noch coolerer Job bleibt aber die Arbeit mit Amon Amarth die derzeit mit Dimmu Borgir und Engel (ursprünglich war Hatesphere als Dritte Band angekündigt, die sich jedoch vor kurzem von ihrem Sänger Jacob Bredahl trennten und aus diesem Grund absagen mussten) als Trio der verschieden Metalgenres durch die Lande reisen. Wie kommt diese Mischung aus Black Metal, Death Metal und Hardcore bei den Fans an? "Oh wir haben bisher nur super Feedback bekommen. Das habe ich mir aber auch gedacht! Wir wissen ja, dass gerade die Dimmu Borgir Fans oft auch auf Death Metal stehen und umgekehrt mögen unsere Fans oft auch Black Metal und Hardcore. Es hat mir sehr leid getan, dass Hatesphere nicht mit auf die Tour kommen konnten, aber Engel sind ein ebenbürtiger Ersatz. Es sind großartige Musiker! Das sehen auch die Fans von uns und Dimmu Borgir. Ja, ich denke das Billing ist großartig, was auch die Besucherzahlen und die teilweise bereits ausverkauften Hallen beweisen." schließt Johan das Thema ab.
Kommen wir von der Gegenwart zur Zukunft. Ab November tourt Amon Amarth in den USA. Was erwartet die Band von den amerikanischen Fans? Der Bühnenwikinger lacht: "Ach weißt du, ein Metalhead ist ein Metalhead, egal wo er herkommt und wir alle wollen Spaß, Party und Metal. Das, denke ich, wird in Amerika genau so sein! Wir bekommen über Myspace jetzt schon so viel positives Feedback von den Leuten dort das ich wirklich optimistisch bin, was dieses Abenteuer Amerika betrifft." lacht er gutgelaunt in die Zukunft "Komischerweise fragen das echt viele Leute! Aber ich kann nicht glauben, dass die Amerikaner so anders sein sollen als die Europäer, oder sonst wer! Es mag zwar sein, dass die Fans in den USA nicht so einen Bezug zu unseren ganz speziellen Wikinger-Themen haben, aber ehrlich, wer achtet schon auf die Texte? Das hat ja auch gar nichts mit der Musik zu tun. Die Leute, die zu uns auf ein Konzert gehen, mögen Metal, das wars! Und ob wir über Tod und Teufel oder über Wikinger Themen singen ist doch den Meisten egal!" sinniert der rotblonde Schwede. "Wie gesagt, ich denke, manche Amerikaner wollen vielleicht anders sein als der Rest der Welt, sind es aber eigentlich gar nicht! Wir werden sehen, ich kann es dir ja erzählen wenn wir wieder zurück sind!" bietet er an. Na, auf dieses Angebot kommen wir doch auf alle Fälle zurück!
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