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Während unsereins das Land der Temperaturen wegen gerne verlassen würde, scheint es die Finnen zur Zeit verstärkt in unsere Gefilde zu ziehen. Stören soll es uns nicht, so lang es Bands wie Amorphis zu uns schwemmt. Mit Klängen von Melodic-Death-Metal aus Joensuu (Insomnium) und melodischem Doom aus Jyväskylä (Swallow The Sun) hatten sich die schwer in eine Schublade zu steckenden Amorphis eine starke einheimische Unterstützung ins Boot geholt. Während Amorphis hierzulande noch an Fanscharen gewinnen können, gelten sie in Finnland bereits als eine der erfolgreichsten Metal-Bands. In ihrem Heimatland erreichen sie seit zehn Jahren mit nahezu jeder Veröffentlichung eine Platzierung in den Top 10 der Charts.
Mit Insomnium durfte der finnische Winterabend feierlich begonnen werden. Um sauna-ähnliche klimatische Bedingungen zu erreichen, strömten minütlich ein paar mehr Metal-Begeisterte in die kleinen Räumlichkeiten des Columbia Clubs. Sicher auch zur Freude der im Flur allgegenwärtigen und über die Grenzen des Clubs hinaus bekannten Klo-Frau, die mit allerlei (netten) Sprüchen ihr unterwürfiges Klo-Volk dazu brachte, immer wieder Kleingeld in ihre Taschen, Körbchen und Teller zu werfen.
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Schon gegen 21.00 Uhr ging es mit den doomigen Swallow The Sun weiter. Fast bewegungslos gab Sänger Mikko Kotamäki die schwermütigen Songs in warmer Jacke und Mütze zum besten. Andere würden vor Hitzeschlag von der beleuchteten Bühne fallen, Mikko setzt Gesangsdynamik und Bewegung allerdings so sparsam ein, dass man sich darum keine Gedanken machen musste. Seine Kollegen Juha Raivio (Gitarre), Pasi Pasanen (Schlagzeug), Markus Jämsen (Gitarre), Matti Honkonen (Bass) und Aleksi Munter (Keyboard) zeigten sich in leichten Muskelshirts und T-Shirts wesentlich ausgelassener und bewegungsfreudiger. Während Insomnium die Massen noch bewegten, schien bei Swallow The Sun eine dahinsiechende winterliche Depression jegliche Bewegung einzufrieren. Traurig schöne und getragene Stücke zogen sich wie Gaugummi unterm Schuh immer wieder in die Länge. Während nur wenige die doomigen Klänge zu inhalieren bereit waren, wartete der Großteil des Publikums auf den heiß ersehnten Hauptact: Amorphis
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Gegen 22.20 Uhr konnten Helsinkis wohl längste und bekannteste Dreads samt Träger, Sänger Tomi Joutsen, gemeinsam mit seinen fünf Kollegen endlich mit tosendem Applaus auf der Bühne begrüßt werden. Mit Songs des aktuellen Albums wie dem Titelsong "Silent Waters" und "Weaving The Incantation" konnten sie das Publikum sofort mitreißen. Nicht nur die epische Musik, sondern auch die Texte versprühten ein Mal mehr die Mystik einer uns fast unbekannten finnischen Kultur, oft angelehnt an die finnische Gedichtsammlung Kantelar und das Nationalepos Kalevala. Auch Songs wie "Castaway" von "Tales From The Thousand Lakes" (1994) sowie Titel von "Elegy" (1996) und "Eclipse" (2006) kamen nicht zu kurz. Viel reden hörte man Sänger Tomi allerdings nicht, seine Worte waren auf die knappe Ansage des jeweils nächsten Songs beschränkt. Jedoch ermunterte er umso energischer das Publikum zum Mitklatschen oder Bangen, was durch sein energiegeladenes Dreadlock-Schwingen auch fast immer gelang. Dass ein derart gelungener musikalischer Querschnitt durch die Amorphis-Bandgeschichte gespielt wird, war angesichts des frisch erschienenen "Silent Waters" kaum zu erwarten, aber gerade deshalb umso erfreulicher. Ein gut gefüllter und aufgeheizter Columbia Club feierte Song für Song mit Singen, Klatschen und Bangen bis die Jungs gegen 23.00 Uhr unter dem Protest des begeisterten Publikums den letzten Song ankündigten. Nach Verlassen der Bühne wurde die kurz aufkommende Ruhe von vehementen "Zugabe"-Rufen abgelöst, so dass die darüber durchaus erfreuten Musiker erneut ihre Instrumente ergriffen und mit "Towards And Against", "House Of Sleep" und dem gleichermaßen unvermeidlichen wie laut umjubelten "Black Winter Day" ihre Zugaben erbrachten. Gegen 23.40 Uhr war der Zauber dann leider endgültig vorbei. Dankbar und strahlend über diese tosende Zustimmung des Publikums verabschiedeten sich Amorphis in die kalte, schwarze Winternacht.
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