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Interpol - No I In Foursome

Auch bei Album Nummer Drei hat sich bei Interpol nicht viel geändert, die einen hassen sie, die anderen lieben sie und wieder andere kopieren sie. Die New Yorker selbst kümmert das herzlich wenig, unbeirrt von Kritikern, Epigonen und Fans ziehen sie ihre enigmatischen Kreise und entwickeln ihre Kunst lieber gemäß ihrer ureigenen Vorstellungen. Am besten verstehen sie sich allerdings immer noch, wenn sie nicht auf verbaler Ebene miteinander kommunizieren, sondern ihre Egos kollektiv dem großen Konzept "Interpol" unterwerfen. Dieser Vierer duldet keine Egotrips!



Ein positiver Aspekt dieses Phänomens ist zweifelsohne der Umstand, dass Interpol eine der ganz wenigen Bands sind, bei der jedes einzelne Mitglied gleichermaßen wichtig und präsent ist, so dass es keine Degradierung darstellt, sich mit einem Bassisten oder Drummer unterhalten zu "dürfen"! Im Falle der New Yorker entpuppt sich ein Gespräch mit dem Schlagzeuger sogar als wahrer Glücksgriff, Sam Fogarino ist nicht nur sechs Jahre älter als seine Mitspieler, sondern gilt auch als das offenste und freundlichste Interpol-Member. Ein Ruf, dem er voll und ganz gerecht wird als er im luxuriösen Bandbus an einem verregneten Samstag zum Interview bittet! Den Eindruck, dass Interpol eher ein Lebensstil ist als eine bloße Ansammlung von Menschen, die zufällig zusammen Musik machen, bestätigt er unumwunden:"Irgendwie schon! Interpol kostet uns alle vier eine Menge Zeit und sollte alleine deshalb schon mit unserem Lebensgefühl kompatibel sein. Ansonsten wird man sehr schnell sehr unzufrieden!" Für introvertiert hält er das Band-Image aber trotzdem nicht: "Wir fallen einfach nicht mit der Türe ins Haus! Ich zum Beispiel hasse es mit zu vielen Menschen auszugehen und bevorzuge kleine, intime Situationen, in denen man den Fokus nicht verliert. Für Gruppenaktivitäten bin ich definitiv nicht der Typ!" Was nicht gerade nach wilden Rock N'Roll-Parties klingt - oder? Er grinst vielsagend:"Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass so etwas passiert, aber wenn es dazu käme, dann wäre es völlig ungezwungen und natürlich entstanden! Wir agieren nicht nach einem Fahrplan, alles was wir als Band tun ist absolut ehrlich und echt, unsere Integrität bleibt dabei stets unangetastet!"


Wie die Arctic Monkeys gerade bewiesen können andere Bands Mitglieder verlieren und ihren Sound trotzdem behalten, Interpol dagegen scheinen eine dieser seltenen Bands zu sein, bei denen wirklich jedes einzelne Mitglied wichtig ist. Konfrontiert mit der Theorie, dass der Interpol-Sound verloren gehen würde, wenn man auch nur einen einzigen Musiker - etwa den Drummer - wegnehmen würde grinst er und nimmt einen Schluck Kaffee:"Das glaube ich auch, selbst wenn die Anderen weitermachen würden, wäre es ganz sicher nicht mehr Interpol, sondern etwas Anderes!" Doch dieser spezielle Sound, fiel nicht etwa vom Himmel, sondern ist das Produkt eines langen, oftmals schwierigen kommunikativen Prozesses, der am effektivsten ohne Worte abläuft:"Wenn wir Musik machen, sind wir uns sehr nahe, ansonsten sind wir Menschen, die auf fast schon schmerzhafte Art und Weise voneinander verschieden sind. Sind mehr als zwei von uns im selben Raum, dann gibt es garantiert Ärger. Wenn aber die Musik geschrieben ist und wir sie aufführen, passiert etwas. Und genau deshalb sind wir Freunde. Die Musik steht an erster Stelle!" Er unterbricht sich und denkt kurz nach: "Das war noch nie anders. Als ich einstieg kannte ich nur (Gitarrist) Daniel (Kessler) und das noch nicht einmal besonders gut. Den anderen ging es ähnlich, richtig kennen gelernt haben wir vier uns erst durch die Band. Und das hat seine Zeit gedauert. Mit dem gemeinsamen Musikmachen klappte es von Anfang an, was schwierig war, war die Unterhaltung danach. Sieben Jahren später haben wir zwar ein Verhältnis zueinander aufgebaut aber am besten läuft es immer noch, wenn wir nicht sprechen, sondern spielen!"

 



Was der Wert der auf diesem Wege entstehenden Musik ist, was die Band in sie investiert und was sie zurück bekommt kann er unumwunden sagen:"Ich glaube es ist die totale Ehrlichkeit!" Dann muss er allerdings doch kurz nachdenken:"Was man zurück bekommt ist eine vorübergehende Befriedigung, Du machst eine Platte und lässt sie los. Wenn Du dann raus gehst und sie live aufführst ist die Reaktion des Publikums Deine Belohnung. Ein Konzert hat keinen doppelten Boden, keine Unklarheiten, alles passiert aus dem Augenblick heraus und wenn die Chemie und die Stimmung stimmen, dann ist das wie ein Geschenk. Auf anderer Ebene haben wir natürlich auch noch das Privileg von all dem leben zu können. Sich den ganzen Tag nur Gedanken über Musik machen zu können ist das Beste, was ich mir vorstellen kann, ein echter Glücksfall!" Bei all dem hat sich die Art und Weise, wie ein Interpol-Song komponiert wird eigentlich kaum geändert:"Der reine Schreibeprozess wird sich wohl niemals ändern. Was sich ändert ist die Oberfläche, die Art und Weise, wie wir den Klang angehen und neuerdings auch ungewohnte Elemente zulassen. Die Präsentation ist anders, beeinflusst aber hoffentlich nicht die Musik, sondern ergänzt sie!" Dass das doch ein wenig abstrakt klingt fällt ihm in diesem Moment wohl selbst auf, weshalb er weiter ausholt:"'Our Love To Admire' ist unser erstes Album, bei dem wir mehr als ein paar Monate Zeit zur Verfügung hatten. 2006 wurde fast komplett darauf verwendet, die Platte zu komponieren und da wir unseren Sound mehr öffnen wollten, beschlossen wir dieses Mal einen Co-Produzenten hinzuzuziehen. Es ging dabei jedoch nicht darum, Hilfe bei den Arrangements zu bekommen, kein Außenstehender tastet einen Interpol-Song an!" Er fährt sich durch die Haare und fährt fort:"Es ging ausschließlich um die akustische Seite, um das Erzielen eines offeneren, größeren Klangraumes. Und deshalb erschien uns Rick Costey besonders attraktiv. Eigentlich ist er ein Mensch, der Platten abmischt und deshalb eine Menge von Klang versteht!"

Interpol - No I In Foursome Seiten 1 2

 

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