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Ich spreche mit Frontmann Nergal, der mit bürgerlichem Namen Adam Michal Darski heißt, kurz vor dem Auftritt der Band im Berliner K 17. Dort haben sich ein paar hundert Fans versammelt, denen man auf Anhieb ansieht zu was einer Art von Konzert sie gehen. Das war bei der Teilnahme der Band an der kostenlosen Ozzfest-Tour durch die USA noch ganz anders gewesen, wie man an den unzähligen Livemitschnitten bei YouTube erkennen kann. Da fanden sich doch sehr viele Basecap-tragende Highschool- und College-Kids im Publikum, die taufrisch der neuesten US-Teenie-Sex-Komödie hätten entsprungen sein können. "Das war ja genau der Sinn der Sache," bestätigt Nergal meinen Eindruck. "Wir wollten dorthin gehen und den Leuten echten Metal näher zu bringen. Es war ein ziemliches Mainstream-Publikum, viele eher zufällige Besucher weil es ja ein kostenloses Festival war. Es waren viele normale Leute da, die einfach mal Ozzy sehen wollten. Wenn Du dann 5.000 bis 10.000 normale Fans vor dir hast, dann bleibt dir nur eines übrig: to fucking blast the shit out of them! Du musst sie dazu bringen, extremen Metal zu lieben. Und ich denke wir waren da sehr erfolgreich, wenn man sich die Zahlen anschaut, das Merchandise und die CDs, die wir in den Staaten verkauft haben." Da hat er Recht. So verkaufte sich das aktuelle Album "The Apostasy" in den Staaten in der ersten Woche gleich 5.000 mal, womit die Band sogar die Albumcharts knackte. Für eine polnische Extremmetal-Band ist das tatsächlich mehr als beachtlich.
Fast noch beeindruckender ist jedoch auch die Reaktion der Presse in Übersee. Sogar die New York Times rezensierte (positiv) "The Apostasy" und fand auch in einem langen Ozzfest-Artikel nur lobende Worte über die Deathmetaller aus Gdansk. "Aus irgendeinem Grund schätzen die Leute dort drüben, das, was wir tun," versucht sich Nergal an einer Erklärung für die gute Presse. "Sie mögen unsere Musik und sie sehen auch, dass wir eine hart arbeitende Band sind. Ich denke sie erkennen die Tatsache an, dass wir aus dem Nichts gekommen sind und jetzt sehr fordernd auftreten. Wir sind gekommen dieses Markt zu erobern, wir machen keine Gefangenen. Wir fragen nicht höflich nach einem Stück des Kuchens, wir wollen den ganzen Kuchen für uns!" bringt Nergal die Einstellung seiner Band lachend auf den Punkt. "Ich denke, viele Leute respektieren diesen kompromisslosen Ansatz. Und am wichtigsten ist sicherlich die Musik, die Qualität und die Ehrlichkeit, mit der wir sie betreiben."
Behemoth gehören heutzutage zur Speerspitze der Deathmetal-Szene. Schaut man sich aber die Diskographie der Band an, sieht man da Anfang der 90er Jahre eine lupenreine Blackmetal-Band. Heute finden sich die schwarzmetallischen Wurzeln zumindest noch in der Optik der Band wieder. Grund genug, mit Nergal noch einmal über die frühen Einflüsse seiner Band zu sprechen, was er auch gerne tut. "Ich war ein großer Blackmetal-Fan Anfang der 90er Jahre. Das war die Zeit als ich die erste EP und die ersten Demos von Samael in die Finger bekam und Sachen von Blasphemy und anderen Bands. Ich war begeistert von dieser Musik, es gab nichts Extremeres und ich wollte diese Musik weiter für mich entdecken. Dann erfuhr ich von der norwegischen Szene und den Kirchenbränden. Ich hörte über diese Leute, die nur ihren Instinkten folgten. Aber wichtiger für mich war die großartige Musik, die sie machten: das erste Emperor-Album, das zweite Album von Darkthrone, Mayhem - das war eine Erfahrung, die mir die Augen öffnete." Als wesentliche Einflüsse für Behemoth nennt Nergal neben Mayhem noch Morbid Angel und Slayer, "im wesentlichen also all die Bands, die für jede Extremmetal-Band wichtig sind," wie er amüsiert feststellt. "Ich könnte noch etwas tiefer graben und würde noch Dissection und Deicide nennen; das erste Arcturus-Album war auch sehr wichtig, es ist ein zeitloses Werk."
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Es wird Zeit über die Musik von Behemoth zu sprechen. Zum Zeitpunkt des Interviews ist das Album schon eine Weile auf dem Markt. Zeit genug also für Nergal über das Album mit etwas Abstand zu reflektieren. "Keines unserer Alben ist am Ende so, wie ich es mir vorgestellt hatte," gesteht er ein. "Aus irgendwelchen Gründen ist es sehr schwierig mich zufrieden zu stellen. Aber 'The Apostasy' hat wie eine Bombe eingeschlagen und das befriedigt mich sehr. Wir haben ein Album gemacht, das nicht ignoriert wird. Und es hat gute Reviews bekommen, besser als ich erwartet habe. Denn wir haben mit diesem Album erneut einen neuen Weg eigeschlagen, neue Elemente verarbeitet und ich habe erwartet, dass viele Leute sich darüber beschweren werden. Ich bin sehr dankbar dafür, dass dieses Album so viel Eindruck bei den Leuten hinterlassen hat. Ich glaube es ist bislang das ultimative Behemoth-Album. Es ist sehr abwechslungsreich und verbindet viele verschiedene Einflüsse miteinander."
Wir unterhalten uns etwas detaillierter über den Inhalt des Albums und kommen auf zwei Songs zu sprechen, die aus verschiedenen Gründen hervorstechen. Der eine ist "Inner Sanctum" bei dem Warrel Dane, der Sänger von Nevermore, einen Gastauftritt hat. "Ich bin ein großer Fan und habe ihn einfach gefragt und er meinte nur 'Fuck Yeah!'", erzählt Nergal, wie einfach es war mit dem Nevermore-Frontmann eine Zusammenarbeit einzufädeln. "Ich finde das Ergebnis klingt großartig und viele Leute meinen auch es wäre der beste Songs des Albums. Was etwas seltsam ist, denn er unterscheidet sich schon sehr von all den anderen Songs, er klingt nicht wirklich wie ein Behemoth-Song. Aber wenn es den Leuten gefällt ist es gut. Es ist auch ein sehr persönlicher Song, fast schon bewegend könnte man sagen, auch ein bisschen beunruhigend. Es geht ja im Wesentlichen um mich, also muss es ja beunruhigend sein." Sagt's und lacht dreckig dazu. Ein weiterer Song des Album erregt allein schon aufgrund seines Titels Aufmerksamkeit: "Kriegsphilosophie". Nergal zeigt sich enthusiastisch über seine Titelwahl: "Ich liebe diesen Titel, er klingt phantastisch. Es ist ein sehr starker und ungewöhnlicher Titel. Es ist auch eine Metapher für das Leben. Im Leben muss man ständig kämpfen und sich anstrengen um etwas zu erreichen. Man kann das Leben in gewisser Weise also mit Krieg gleichsetzen und darum geht es in diesem Song."
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