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Corvus Corax - Die Könige der Spielleute und ihre Freuden des Lebens

Seit 1989 gibt es sie nun schon, die Band Corvus Corax, die heutigen "Könige der Spielleute", die prägend für eine ganze Szene sind. Zum 15-jährigen Jubiläum sind kürzlich die CD und gleichnamige DVD "Gaudia Vite" erschienen. Im Rahmen der dazugehörigen Tour habe ich Castus Rabensang – seines Zeichens Mitbegründer der Mittelalterformation – vor dem vorletzten Konzert in der Berliner Passionskirche getroffen um mit ihm über die Bandgeschichte, das Leben als Musiker, die Zeit vor der Wende, die "Gaudia Vite"-Tour und den aktuellen Stand der Dinge zu reden.

Etwas zu früh, wie immer, hatte ich diesmal noch die Gelegenheit den "Königen der Spielleute" beim Soundcheck in der Kirche zuzuhören, der ebenso wie das spätere Konzert einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Direkt im Anschluss haben Castus und ich uns in die Chorbänke verzogen und vor dem Auftritt eine Weile geplaudert.
"Jetzt ist die Tour ja leider vorbei, nur noch zwei Tage Berlin und dann ist Schluss. Aber es ist sensationell gelaufen, wir sind mit grossem Erfolg unterwegs gewesen! Ganz grandios war zum Beispiel Dresden, da musste die Veranstaltung in den grossen Schlachthof verlegt werden, weil der Vorverkauf so gut lief, dementsprechend gut gefüllt wars dann auch. Highlights waren sonst wie immer Amsterdam und auch Wien." Für Corvus Corax haben sich die Dimensionen in den letzten 15 Jahren um einiges verändert. Zogen sie vor nicht allzu langer Zeit noch mit Dudelsack und Pack durch die Lande und spielten auf Mittelaltermärkten vor kleinem Publikum auf, füllen sie heute die Hallen. Auch das Publikums hat sich verändert im Laufe der Zeit. "Die Bewegung der Leute ist viel ekstatischer geworden auf den Konzerten. Unsere Musik hat sich ja auch weiter entwickelt, wir sind schneller und lauter als früher, aus zwei Leuten auf der Bühne sind acht geworden."

 

Interessant zu wissen, wie alles anfing: "Wir haben alle möglichen Musiken gemacht damals und nebenher durch Kumpels, die irgendwelche Instrumente hatten, ausprobiert und dann hab ich eben irgendwann mal einen Dudelsack in der Hand gehabt, mich in einer Kneipe auf den Tisch gestellt und gemerkt: Cool! Es gefällt den Leuten! Und mir selber auch. Dann mussten wir das Instrument erstmal umbauen. Eigentlich ist ja ein Dudelsack, so wie er in Deutschland gespielt wurde, bevor es uns gab, eher ein Folklore-Instrument gewesen, also so gestimmt, dass man Volkslieder darauf spielen kann. Wir haben den Bordun, also den stehenden Ton, dann einen Ton höher gemacht, so dass man Kirchentonarten spielen kann. So fing alles an und auf einmal entwickelte sich daraus Corvus Corax und daraus eine ganze Szene. Und jetzt wird überall rumgedudelt in der Rockmusik." Einfach war es für die Musiker allerdings nicht in der DDR vor ´89, wo alles begann. Es gab des öfteren sogar Spielverbote für sie. "Die wollten uns auch nicht als Profimusiker akzeptieren, das war das Elend. Man brauchte im Osten eine Spielgenehmigung, eine Berufseinstufung, sonst durfte man von der Musik nicht leben. Wir haben von der Musik gelebt und unser Geld damit verdient, durften aber keine Steuern zahlen, weil wir ja keine Steuernummer gekriegt haben dafür. Wenn man aber keine Steuern bezahlt hat, konnte man für Steuerhinterziehung zweieinhalb Jahre in den Knast kommen. Wir waren also mit einem Bein immer im Knast und mussten dann irgendwelche Halbtagsjobs machen, damit wir weiter Musik machen konnten. Filmmusik haben wir dann auch gemacht. Es war aber eigentlich eine lustige Zeit, wir haben es ja doch immer irgendwie geschafft." Trotzdem flohen Wim und Castus noch vor der Wende in den Westen. "Das hatte ja vor allen Dingen mit der Armee zu tun. Wim und ich sollten zur Armee und das ist etwas, wo wir keine Zeit für hatten. Wir wollten Musik machen und wir sind einfach zu sehr Freigeister, um uns von irgendwem sagen zu lassen, was wir zu tun haben. Damit hatten als ich klein war schon meine Eltern Probleme. Das war der Hauptgrund, weswegen wir raus mussten." Aber für Castus ist es heute schon irgendwie romantisch, wenn er im finstersten Osten in eine Kneipe kommt und, abgesehen vom Honeckerbild an der Wand, alles noch so ist wie damals. "Wenns dann noch eine ordentliche Bockwurst gibt mit einer ordentlichen Ost-Semmel dann ist die Welt wieder wie früher."

Das Interesse für das Mittelalter kam bei den Bandmitgliedern schon in der Kindheit. Die Faszination der Märchen und Ritterfilme ist hängengeblieben. "Ich habe früher und auch heute noch sehr viel gelesen über das Mittelalter. Dazu kommt eben noch das Interesse an der Musik generell. Daraus ist dann die Vorliebe für mittelalterliche Musik entstanden. Wir machen und hören aber auch ganz andere Dinge. Meister Selbfried und ich haben uns auch in die Bibliotheken gesetzt und einfach mal geforscht. Wir wollten nicht wie andere einfach nur nachspielen, sondern etwas Eigenes erschaffen. Nachdem wir uns die Originalnoten, die Neumen, rausgesucht hatten, haben wir sie in die Notenschrift übersetzt. Da hatte man viel Freiraum – es gab zum Beispiel keine Taktstriche oder sowas. Wir haben versucht durch die Phonetik der Sprache zu einem Rhytmus zu kommen und ein bisschen modernes Getrommel hinzugefügt. Unsere Rhytmen sind ja nun nicht gerade mittelalterlich, aber wer weiss schon, wie es geklungen hat damals. Die CDs aus der Zeit sind ja leider ausgestorben..."
Das Musizieren hat sich die Truppe grösstenteils selbst beigebracht. Die unterschiedlichsten Instrumente lassen sich bei Corvus Corax finden. Gerade das Dudelsackspielen erforderte eine Menge Übung. "Man braucht viel Lunge bei einem Dudelsack und muss eigentlich vorher Blockflöte oder ein anderes Blasinstrument gespielt haben und um das Instrument dann zu beherrschen muss man wie in vielen Dingen im Leben erst einmal eine Weile üben. In unserem Studio haben wir Instrumente aus der ganzen Welt. Im Gegensatz zu den Dudelsäcken kann man die aber teilweise nicht so gut einsetzten. Maultrommeln oder Ähnliches, was auf unseren Studioalben dann auch zu hören ist, ist live einfach zu leise." Die Dudelsäcke werden von Wim selber gebaut. Er ist gelernter Instrumentenbauer und hat einigen Meistern in ganz Europa über die Schultern geschaut, während Castus auf der Strasse oder vor kleinem Publikum auf Märkten gespielt hat.

 

Heute, in unserer schnelllebigen Welt, werden Ausflüge in eine andere Zeit auf Mittelaltermärkte oder Ritterturniere immer populärer. Viele suchen wohl den Hauch von Romantik und eine Abwechslung zum Alltag. Dabei wird deutlich, dass das Mittelalter nicht nur finster und grausam war, mit Pest, Dreck, Seuchen und Inquisition, sondern dass es durchaus auch seine schönen Seiten hatte. Besonderes Highlight für Castus ist aus der Vielzahl an Märkten und Festen das Kaltenberger Ritterturnier. "Das ist das grösste Mittelalterfest der Welt. Nächstes Jahr (2004) wird es 25 Jahre alt, wir werden alle 10 Tage dasein und Party machen. Corvus Corax hat da eine eigene Bühne. Inzwischen gibt es Tausende aus ganz Europa, die nur wegen uns dahin kommen. Wir stehen zwar nicht grade auf Monarchie aber es fetzt trotzdem mit Prinz Luipold von Bayern da mal bei einem Bierchen zu sitzen. Wir sind seine Hofspielleute und haben als solche dieses Jahr (2003) eine Auszeichnung verliehen bekommen, weil wir ihm die Hymne aus der Carmina Burana für das Ritterturnier geschrieben haben. Er war so begeistert davon, dass er uns zu den "Königlichen Spielleuten der Tafelrunde zu Kaltenberg" ernannt hat. Das Dokument hat jetzt einen Ehrenplatz in unserem Büro."
Nach der Tour gehen Corvus Corax jetzt wieder in ihr Berliner Studio, um ein neues Album aufzunehmen. "Wir bearbeiten als nächstes die "Carmina Burana" neu. Anders als zum Beispiel Karl Orff schreiben wir auch neue Melodien, nehmen aber dazu die mittelalterlichen Instrumente, es wird also eine ganz andere Variante als die bisherigen. Corvus Corax spielt mit einem Symphonieorchester und mit einem Chor. Es wird also ein grossartiges Werk, natürlich auch viel besser als die anderen, klar, weil wir das machen. Es macht tierischen Spass! Die Vorproduktion ist bereits fertig. Ich habe heute mit dem Toningenieur telefoniert, der auch der Produzent von Tanzwut ist, er freut sich darauf, weil es ein wirklich kompliziertes Werk ist."

Tanzwut ist das zweite Projekt der Corvus Corax-Mitglieder. Mitte der Neunziger wurde mit den verschiedensten Stilrichtungen experimentiert und daraus ist dann Tanzwut entstanden, bei der harte Gitarren und elektronische Sounds auf die Dudelsäcke treffen. Eine willkommene Abwechslung, auch für Castus. "Wir wollten mal was anderes machen. Und einfach BummBumm-Techno unter unsere Stücke setzen wollten wir nicht. Ein anderes Projekt sollte entstehen, mit ganz neuem Namen, damit nichts verwechselt wird. Interessanterweise wissen bis heute viele Leute nicht, dass Tanzwut eigentlich Corvus Corax ist. Ador ist der einzige der bei Tanzwut nicht mitspielt, er hat noch eine andere Gruppe, aber ansonsten ist die Besetzung gleich. Es macht totalen Spass, mal nicht immer das Gleiche zu machen und trotzdem 24 Stunden am Tag Musiker zu sein." Von Tanzwut werden 2004 auch eine Live-CD und eine DVD auf den Markt kommen. Die Band hat bereits einiges an Material, über Specials wird noch nachgedacht. Im Vordergrund steht aber erstmal die Arbeit für Corvus Corax. Und das ist auch gut so, das Konzert in der Passionskirche erwies sich nämlich als ein weiteres Highlight für die Fans, auch wenn es im voraus mit der Location etwas Probleme gab – dass ein Musiker sich "Teufel" nennt, und trotzdem nicht viel mit dem Satan am Hut hat, konnten einige Kirchenväter wohl nicht so einfach verstehen... Gut, dass das Konzert trotzdem stattfinden konnte! Viel Erfolg bei der Arbeit mit den "Bauerngesängen"!


 

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TheBanshee
© 01/2004 whiskey-soda.de
 


Kurzinfos: Corvus Corax

Homepage:
- Corvus Corax

Artikel:
- Corvus Corax - Der Aufmarsch Der Spielleute
- Corvus Corax - Seikilos Tourauftakt in Berlin
- Corvus Corax - Die Könige der Spielleute und ihre Freuden des Lebens
- Corvus Corax - Geburtstagsparty mit alten Freunden
- Corvus Corax - Carmina Burana: der Countdown läuft!
- Corvus Corax spucken ganz neue Töne – Klappstuhl statt Couch!

Rezensionen:
- Seikilos
- Gaudia Vite
- Cantus Buranus
- Cantus Buranus Live in Berlin
- Venus Vina Musica
- Kaltenberg Anno MMVII
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