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Entschuldigung, aber was heißt denn hier anti? Die Welt ist schön - aber man muss sich auch schon um sie kümmern. Diese Botschaft unter die Leute zu bringen haben sich vier der momentan lautstärksten Kritiker des kapitalistischen Ausverkaufs auf die Fahne geschrieben. Warum Anti-Flag keine radikalen Globalisierungsgegner sind, die uns mit ihrer negativen Attitüde gegen alles und jeden aufhetzen wollen, und warum ihre Songs dennoch niemals von Liebe oder trivialen Themen des gesellschaftlichen Zusammenlebens handeln habe ich mit Chris#2, dem Bassisten der vierköpfigen Punkband aus den USA diskutiert.
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Dass ich es bei den vier Punkrockern aus Pittsburgh, USA, nicht mit irgendwelchen Radikalen zu tun habe, die mit negativer Attitüde versuchen dem Kapitalismus den Gar aus zu machen, merke ich bereits in den ersten Sekunden meines Gesprächs mit Bassist Chris#2. Ich werde einem aufgeschlossenen, jungen Mann vorgestellt, der neben der leicht gefärbten Frisur äußerlich nicht viel mit Punk am Hut zu haben scheint. Auch nach seinen Kollegen würde sich heute wohl niemand den Hals verdrehen, so unspektakulär ist ihre äußere Erscheinung. Hier könnte man wie so oft wieder einmal eine ausgedehnte Diskussion darum führen, was Punk eigentlich ist - das erspare ich mir und Chris. Wie ich später feststelle, hätte ich sogar diese Frage anschneiden können, ohne meinem Interviewpartner die Nerven zu strapazieren, denn Chris versteht sich als Botschafter und erklärt gerne, wofür er einsteht.
Interviews sind für ihn keine lästige Notwendigkeit sondern - ebenso wie seine Musik - eine Chance, seine Botschaften in die Welt hinaus zu tragen.
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Aber geht es Anti-Flag wirklich nur darum, der Welt kund zu tun, dass sie ihrem derzeitigen Präsidenten nicht über den Weg trauen und dass Kapitalismus keine Lösung ist? Wie passt denn der Wechsel zu Sony/BMG, einem der größten Labels da hinein? Ich weiß, dass Anti-Flag nicht das erste Mal mit dieser Kritik konfrontiert werden, doch die Antwort überrascht mich etwas. Chris begründet ihre Entscheidung zum Major zwar einerseits mit der Chance auf breitere Publikumsschichten - aus ideologischer Sicht - andererseits aber macht er auch klar, dass er nichts Falsches daran finden kann mit Musik Geld zu verdienen. Nachdem ich kritisch eine Augenbraue hochziehe beschwichtigt er mich lächelnd: "Nur weil du mit Musik Geld machst heißt das nicht, dass du dich selbst verkaufst und deine Ideale verrätst. Für uns ist Punk Rock eine Einstellung, und das bedeutet zum Beispiel, dass wir darauf achten, dass unsere T-Shirts nicht in Ländern mit Kinderarbeit und moderner Sklaverei sondern unter humanen, gerechten Bedingungen produziert werden."
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