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Einen Teil des Erfolgs für ein gutes Album, was "Bondage Goat Zombie" definitiv geworden ist, gebührt auch immer dem Produzenten, der in diesem Fall einmal mehr Andy Classen war. Was die Zusammenarbeit mit ihm so besonders macht, erklärt Helmuth: "Yeah, wir sind ein gutes Team. Diesmal konnten wir Soundmäßig noch mehr rausholen, den sogenannten extra Punch in die Fresse. 'Bondage Goat Zombie' ist TNT, trümmern bis sich das Kruzifix freiwillig umdreht ist die Devise. Das Studio verfügt über super Equipment und Andy's Arbeitsweise gefällt mir, er ist sehr schnell und hat ein Gespür dafür, wie Metal klingen muss. Auch ist das Studio schön abgelegen und man hat seine Ruhe und kann abschalten und sich auf das Wesentliche konzentrieren." Das klingt so, als ob im Hause Belphegor kein Platz für wilde Partys und Saufgelage während der Studiozeit ist, oder sehen es die Österreicher gar nicht so verbissen, wie man annehmen könnte? "Auf der einen Seite herrscht pures Chaos, auf der anderen Disziplin, Motivation - eiserner Wille, Musik steht über allem, das ist der Masterplan. Im Studio gibt es keinen Alkohol usw., immer erst am Ende der jeweiligen Sessions. Es wird gearbeitet, Blut geschwitzt und die Stimmung ist natürlich dementsprechend immer etwas angespannt, aber das muss auch so sein, wenn man morbide Kunst erschaffen will. Es ist purer Wahnsinn, fünf Wochen nur Musik, der Rest zählt nicht, totale Unterwerfung in den Aufnahmeprozess und aus den Vollen schöpfen."
Das neueste Produkt dieser Disziplin und Motivation heißt "Bondage Goat Zombie" und ist eines der reifsten und abwechslungsreichsten Werke Belphegor's, wenn man der Fachpresse glauben schenken darf. Wie sieht die Band selbst den Unterschied zu den letzten Veröffentlichungen? "Ich vergleiche keine Alben. Wie gesagt: zum jeweiligen Zeitpunkt versuchen wir ein massives Album zu schreiben, aufzunehmen, unserem Sound neue Elemente hinzuzufügen und damit auf die nächste Stufe zu hieven. Belphegor haben sich immer weiterentwickelt von Album zu Album und stehen für brachiales und extremes Liedgut. Es ist wie ein Pakt und jedes Mal eine zerstörerische Herausforderung, das intensivste und dynamischste Belphegor-Album zu kreieren; davon sind wir besessen wenn du so willst. Wir sind lange dabei, und glaub mir, wir wissen was wir tun und was wir wollen, 'Bondage Goat Zombie' präsentiert eben genau das, wie Belphegor anno 2008 klingen wollen." Diesem ausgeprägten Selbstbewusstsein ist wohl nichts mehr hinzuzufügen. Okay, rundherum zufrieden mit seiner Arbeit scheint er ja zu sein, aber gefallen dem Frontmann mit der markanten Stimme alle Titel des Albums gleich gut, oder hat er einen Favoriten? "Die Abwechslung ist die Stärke des neuen Albums, jeder Track hat eine eigene Atmosphäre, und ist vertont ein brachialer Höllenritt, daher möchte ich hier auch keinen herausheben." Er lässt sich einfach nicht aus der Reserve locken und auch auf das beliebte Spiel 'Beschreibe das neue Album in einem Satz' lässt sich Helmuth nicht wirklich ein "Have a listen and destroy yourselves", lautet hier die Ansage.
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Ein bisschen in die Nesseln gesetzt hat sich die schreibende Redakteurin mit der Bezeichnung Splatter für die textlichen Inhalte der Songs und so sieht sich der Songwriter selbst in der Pflicht, so einiges klarzustellen: "Weißt du, wir lieben das, was wir tun. Einige Leute weltweit respektieren und würdigen das und das ist absolut befriedigend. Wir haben uns die etwas dunklere Seite ausgesucht, auf der wir seit 1993 wandern und eben unser eigenes Ding durchziehen, ohne Kompromisse. Geschmäcker sind äußerst verschieden, jede/r sollte ohnehin immer für sich selber entscheiden was Wert hat." Und dann folgt ein interessanter Ausflug in die Geschichtsbücher: "Splatter? Okay whatever, also - die Topics sind BDSM und Satan und das Album ist Marquis De Sade gewidmet (1740-1814), mit dem ich mich seit 1997 beschäftige. Ich war damals begeistert, als ich das Buch 'Justine' in meine Hände bekam. Das ganze Buch ist ein Meisterwerk. Der Text von dem Track, 'Justine: Soaked In Blood' handelt von diesem Anfangs unbefleckten, gottgläubigen jungen Mädchen. Man sollte wissen, der Libertin Marquis De Sade schrieb viel in Gefangenschaft, daher dieser unbändige Zorn in seinen Werken. Sexuelle Schlachtfelder und doch Poesie. Das Buch '120 Tage von Sodom' etwa wurde erst lange nach seinem Tode veröffentlicht. Er schrieb es in der Zelle, wo man ihm ein Verbot auferlegte zu schreiben. Wie immer widersetzte er sich und musste die Schriftrollen verstecken, immer mit der Angst im Nacken, dass sie entdeckt und sofort vernichtet werden. Als er ungewarnt in ein anderes Gefängnis verlegt wurde, musste er die Rollen hinterlassen und dachte sich natürlich, dass sie zerstört würden. De Sade ist für seine Schriften und Theateraufführungen über 25 Jahre im Kerker gesessen, wurde gefoltert usw. und war Zeit seines Lebens genau so lange auf der Flucht vor irgendwelchen Moralisten, genau wie wir, har har. Man sollte in ihm nicht nur den Sadisten, Geißler oder Sodomisten sehen, sein Leben war höchst interessant und er kniete nie vor irgendwem nieder, oder kroch zu Kreuze."
Die Faszination die für Helmuth von de Sade ausgeht, ist deutlich spürbar und wenn man an diverse Probleme mit der Indizierungs-Behörde, zum Beispiel bei dem Album "Lucifer Incestus" denkt, ist die Aussage über die Moralisten durchaus zu verstehen. "Zensur herrscht für Belphegor nur im deutsch-bayerischen Raum und gerade da haben wir viele Maniacs, die uns hören und supporten. Wie immer: was verboten ist wird noch interessanter! Also eigentlich sollte ich den Behörden sogar dankbar sein", sinniert der gut gebaute Blonde. "Die andere, ärgerliche Seite ist, dass diese Zombies seid Jahren dafür sorgen, dass wir gewisse Songs live nicht spielen dürfen, oder eben beim Summer Breeze nicht mehr auftreten können. Sie verbreiten Lügen - das war schon immer die Geschichte von Moralisten -, belegen Veranstaltungen mit Altersbegrenzung und berufen sich auf Jugendschutzgesetze. Hey, wacht auf! Im TV sieht man ab 17:00 Uhr, Völker-Massen-Mord, zerfetzte Leichen und Vergewaltigungen. Alles was man sich nur vorstellen kann und von den Möglichkeiten des Internet will ich hier gar nicht reden. Ich sehe uns aber nicht in der Opferrolle, im Gegenteil, har har...wo gehobelt wird, fallen auch Späne."
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Wer das Heimatland der Band nur ganz unmetallisch, zum Beispiel vom Skiurlaub her kennt, dem wird es schwerfallen sich die österreichische Metalszene lebhaft vorzustellen. Der Einheimische klärt auf: "Har, Skifahren können wir auch. Österreich hat eine kleine, aber loyale Metal-Szene, viele hoffnungsvolle Bands und es gibt eine Menge Dämonen die Belphegor hören, auf unsere Konzerte kommen und uns unterstützen und das freut uns und motiviert natürlich heftig, noch mehr Gas zu geben." Nicht nur in ihrem Heimatland, auch im Ausland erfreuen sich Belphegor großer Beliebtheit und so ist der Tourkalender für 2008 schon ziemlich voll: "Die nächsten Monate gehen wir zwar etwas ruhiger an, nur einige Festival-Shows hier und da. Um unsere angeschlagenen Batterien etwas aufzuladen, die letzten Jahre waren heftig, wir waren die ganze Zeit unterwegs, on the road oder im Studio und im Proberaum. Aber, hey - da kommt noch viel dazu, im August wieder Brasilien, Mexiko und diesmal hoffentlich auch Peru, Argentinien, Chile. Viele Shows stehen noch in Verhandlung. Der Masterplan ist nonstop touren um das neue Album live-haftig zu präsentieren. Ich bin schon gespannt, wie die neuen Songs in einer Live-Situation ankommen und kann es nicht mehr erwarten. Ende Mai spielen wir erstmals live in Zagreb und Belgrad."
Nonstop touren klingt mehr als anstrengend! Wie hält man sich auf Tour einigermaßen fit und am Leben? Helmuth verrät seine persönlichen Überlebenstechniken: "Viel Schlafen, viel trinken - auch Wasser, etwas Sport. Ich mein, es muss einem einfach taugen on the road zu sein. Wenn das nicht der Fall ist und man es nur wegen Geld macht, wie so viele Trottel, dann ist es sicher eine Qual. Für mich gibt es nichts geileres, ich liebe es, die Welt zu bereisen und unsere Songs in die Crowd zu shreddern, mit höchster Präzision und Brachial-Ur-Kraft. Coole, interessante Leute zu treffen und eine gute Zeit zu haben." Die Sache mit dem viel Schlafen, Sport und Wasser trinken klingt ja wie der Traum eines jeden Tourmanagers. Das wahre Leben auf Tour sieht dann aber wohl doch etwas anders aus, nämlich: "Im Groben: Saufen, brachiale Musik, versuchen zu Schlafen, Hangover auskurieren. Ich mein, meist kommt man am Vortag nicht vor 5 oder 6 Uhr ins Bett, wenn überhaupt, har har. Kommt auch darauf an, in welcher Stadt man gerade spielt. Wenn es was Interessantes gibt in Sachen Sightseeing dann steht das bei mir immer ganz oben am Plan. Der Rest besteht aus umeinander hängen, Gitarre üben, Saiten wechseln, viel Fressen, eine meiner großen Leidenschaften neben Rotwein, damit man nicht stirbt. Und ich probiere alle 2 Tage ein Work-out mit Hanteln zu machen, ich will nicht zum Skelett mutieren." Na, nach Erholungsurlaub klingt das nun wirklich nicht.
Belphegor's erster Deutschlandtermin mit dem neuen Album im Gepäck ist im Juli das With Full Force Festival in der Nähe von Leipzig. Es folgen weitere Sommerfestivals und ab September geht es auf große Europatournee. Freut sich die tourerprobte Band auf bestimmte Events besonders? "Pfuhh, schwierig! Da kommen wieder einige sehr, sehr coole Dinger auf uns zu heuer. Für mich ist generell jede Show was Besonderes, eine Herausforderung, egal ob vor 50 oder 5000 Leuten." Das ist doch für den geneigten Fan schön zu wissen, dass jedes Konzert mit der gleichen Akribie angegangen wird, wie Helmuth und Belphegor alles angehen, was mit ihrer Musik zu tun hat. Die Abschlussworte des Fronters: "Gruß an die Leserschaft und checkt unser neues Album 'Bondage Goat Zombie'. Man sieht sich on the Road to hell!"
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