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Zum nunmehr elften Mal trafen die Jünger der Kommerzverneinung unter dem Banner des Fuck The Commerce-Festivals zusammen. Eine stattliche Zahl, wenn man bedenkt, dass es doch so gar nicht um Geschäfte geht. Als Location wählte man erneut das Alte Lager bei Jüterbog, ein riesiges Flugplatzgelände der früheren Nationalen Volksarmee, auf dem sich bereits eine Kart-Bahn heimisch gemacht hatte. Vergleicht man das Gelände mit denen vieler anderer Festivals, muss man es schon mal ganz klar zu den besseren Örtlichkeiten zählen, an denen Krach gemacht werden darf. Ruinen, Dämme und Baumgruppen hätten unabhängig vom Festival sicherlich zu herrlichen Paintball-Turnieren eingeladen. Mit schießwütigen Wettkämpfen hat unsere Geschichte jedoch nichts zu tun. An diesem langen, langen Wochenende ging es allein ums Feiern der Musik.
Scheinbar hatten es nur Wenige geschafft, schon zum Mittwoch von ihrer Arbeitsstelle zu fliehen. Der obligatorische Warm-Up-Abend mit Mucke vom Band geriet deshalb zwar etwas überschaubarer, aber zum Glück nicht weniger herzlich. Natürlich wurde gesoffen wie gemosht. In Vorfreude auf das Gehacke, was nun endlich beginnen konnte.
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Donnerstag lauerte nicht nur der erste Kater des verlängerten Wochenendes, sondern auch die ersten Bands auf das hungrige Volk.
Wer gegen Mittag schon auf den Beinen war, den begrüßte Alteisen und Master-Veteran Paul Speckmann vom eigens für ihn gebauten Rednerpult mit einem fröhlich-heiseren "Guten Morgen Deutschlääänd!". Die Spiele waren endgültig eröffnet!
Als erste Band warteten Debt of Nature mit einem Death-Thrash Gewitter auf, das zumindest einen Teil der übernächtigten Festivalbesucher aus den Zelten prügelte. Das Resultat: Beste Stimmung bei den Anwesenden und ordentlich Vorfreude auf das Kommende Wochenende.
"Ich möchte Spiel und Spaß mit knusprigen jungen Mädchen haben" präsentierte The Burning-Sänger Johnny seine Deutsch-Kenntnisse. Musikalisch mischten die Dänen Punk mit Thrash. Nebenbei ließ sich Johnny ausschweifend übers Trinken als liebstes Hobby aus. Mit diesem Hobby war er zumindest nicht allein, da es viele Anwesenden offensichtlich teilten.
Dänisch blieb es auch mit Urkraft. Ihrem Namen gerecht kloppten die vier Jungs aus Kopenhagen ihren melodischen Death Metal mit ordentlich Groove vom Stapel.
Gegen 16 Uhr war mittlerweile auch der fieseste Langschläfer aus seinem stinkenden Zelt gekrochen, denn Bitterness lockten als erstes kleines Highlight. Der geile melodiöse Death Thrash mit eindeutigen Einschlägen von Dismember, Unanimated, Slayer oder Death wurde Dank cooler Show und durchweg sympathischem Auftreten zum Erfolgserlebnis für Band und Publikum.
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Gut vorgekocht überließ man die Zuschauerschaft , welche schon in Endlosschleife den Bierwagen frequentierte, den Jungs von Sterbehilfe. "Wir sind Sterbehilfe und wir spielen Punk Rock. Vorhin gab es noch Melodien, jetzt nicht mehr!" kündigte sich die Kapelle an. Ein Versprechen, an das man sich mit rotzigem Grind konsequent hielt.
Etwas ernster, aber keinesfalls weniger unterhaltsam, ging es bei Gore zu. Die vier Tschechen machten laut Aussage der anwesenden Kamerafrau nicht nur Laune, sondern sogar "Richtich Remmy Demmy!"
Gleiches galt für Poostew, deren musikalischer Scheiße-Eintopf mit fiesester Death-Grind-Würzmischung gierig verspeist wurde.
Beim wenig tulpigen Grind von Stoma zeigte sich erstmals eine Tendenz in Formvollendung, die das gesamte Festival beherrschen sollte. Es war gerade 20:15 Uhr. Die Stimmung hatte längst die träge Nachmittagssonne überwunden. Es lag die Lust auf Party in der Luft, als plötzlich ein ausgewachsener Circlepit losgetreten wurde. Schon den ganzen Tag hatten vereinzelte Verrückte die Fläche vor der Bühne zum konfusen Im-Kreis-Rennen genutzt. Paradoxerweise schienen immer dann besonders viele Typen wie geköpfte Hühner hin und her zu rennen, wenn besonders wenige Zuschauer anwesend waren. Stoma lenkten dieses konfuse Rudel nun erstmals in ein "geordnetes Chaos".
Nun war es keine Herausforderung mehr, den Haufen auf den Headliner einzustimmen. Ohnehin hatten nicht wenige Lay Down Rotten als eigentlichen Main-Act des Abends angesehen, da sie erwartungsgemäß eine geile Live-Show lieferten. Auch wenn in ihrem Hause vielleicht etwas zu viel Schwedentod gehört wurde: Der äußerst dicke Death Metal vereinte gute Mucke mit ausgelassener Stimmung!
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So sehr man Illdisposed auch für ihre Platten loben mag, bei Auftritten beweisen sie erschreckend regelmäßig, wie egal Musik auf ihren Konzerten sein kann. Natürlich zockten sie schon noch Songs wie "A Child is missing" oder "She knows" vom neuen Album "The Prestige" herunter. Die Frage war nur, wie!
Scheinbar konnte Fronter Bo Summer einer Kollision mit Schnaps nicht ausweichen. Offensichtlich stark betrunken faselte er mehr, als er musizierte. "Wir sind gar nikt schwul! Nur eine Bisken!" war nur ein Spruch, der Homosexualität zum erklärten Lieblingsthema seines Abends machte. Wer nun den Fehler beging, sich Illdisposed wegen ihrer Musik anschauen zu wollen, konnte nur enttäuscht werden. Auf der Party-Ebene klappten die Songs. Die Qualität des Vortrages war allerdings mehr als fragwürdig. Musik hin oder her: Rocken können die Dänen! Sogar, wenn sie sich anschließend auf dem überschaubaren Backstage-Gelände verlaufen.
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