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Der Frontmann der Band ist an vielen Fronten aktiv, dennoch schob er sich am späteren Abend einen Zeitblock frei, um die Fragen zum neuen Epos der Band beantworten zu können. "Ich mach Fernsehwerbung, immer verfügbar, immer mehrere Sachen gleichzeitig und Vollgas. Erst wenn die Freigabe da ist, hat man Feierabend..." beschreibt ein etwas geschlauchter, aber glücklicher Helge ob der endlich realisierten Veröffentlichung von "Sagas" seinen Alltag. Von Pampers zu heroisch geschwängerten Songs umzuschwenken schaffen auch nur Profis, doch mit stolzgeschwelter Brust fällt einem alles aber doch leichter. "Ich hab die endgültige Version noch gar nicht, die sollte morgen in der Post sein. Ich denke mal, das wird noch einmal ein ganz feierlicher Moment. Als wir den ersten Master abgegeben haben, wir haben insgesamt drei Master im Zwölf-Stunden-Takt abgegeben, war das ein Gefühl am Wochenende von: Luft raus! Fertig! Das war einfach nur extrem geil, wenn man sich überlegt, dass wir dreieinhalb Jahre gebraucht haben und es ständig diese Verzögerungen gab. Ich hab irgendwann nur noch: Jaja, wers glaubt! zu irgendwelchen Veröffentlichungsterminen gedacht. Die letzten zwei Jahre hatte keine Deadline geklappt, warum sollte es diesmal funktionieren? Dann haben wir nur den Termin um einen Monat überzogen und es ging tatsächlich! Das war ein sehr schönes Gefühl." gibt Sänger Helge Einblick in das diesbezüglich angeschlagene Seelenleben eines Musikers, der sich mit Abgabeterminen auseinanderzusetzen hat.
"Wir haben vor zwei Jahren bei Nuclear Blast unterschrieben, weil wir, so blöd das auch klingt, nichts besseres zu tun hatten. Unser altes Label Black Attack hatte uns endgültig den Ausstieg ermöglicht, da sie so schön oft den Vertrag gebrochen haben, dass es gereicht hat und uns jeder Richter der Welt, falls es Streit gegeben hätte, Recht gibt. Es gab ein wenig Gerangel, weil ein paar Firmen uns wollten, die dann gedrängelt haben. Wir Idioten haben uns drängeln lassen und haben unterschrieben, ohne einen konkreten Plan zu haben, wann es losgehen sollte. Es gab zwar Pläne, dass wir im Frühjahr 2006 uns sagten, dass wir in drei Monaten ein Album schaffen. Das hat ja dann auch kaum länger gedauert, haha. Blast hat dann immer mal angefragt, wann es soweit ist und sind recht ruhig geblieben a la: Sagt bescheid, wenn es soweit ist. Wir haben in einem halben Jahr mal ein Release angesetzt, geht das von Eurer Seite? Und dann kam immer wieder: Geht doch nicht, müssen wir verschieben. Und dann ging es immer wieder von vorne los: Sagt einfach, wenn ihr fertig seid. Ich weiß gar nicht, wieviele Termine es gab, die nicht eingehalten wurden." beginnt der Sänger zu erklären, wie es zu der langen Wartezeit kam.
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"Wir hatten im Herbst bereits Abgaben, wo ich den Eindruck hatte, wenn wir diesen Termin diesmal nicht einhalten, dann scheißen die uns auf den Kopf. Zwar haben sie dann wieder sehr gelassen reagiert, aber am Ende hin war es dann doch haarig. Die sind auf dem Zahnfleisch gekrochen, weil sie wieder mal ne Zusage bekommen, die nicht eingehalten wurde. Warum geht das nicht? Ja, klappt doch nicht! Warum habt ihr das nicht gleich gesagt? Ja, vergessen... Es waren halt Produktionskomplikationen, die alles herausgezögert haben. Im Grunde war es der Perfektionismus von René (Berthiaume, Gitarrist und Keyboarder, A.d.V.), der unser Mastermind ist, der komponiert und das Album auch produziert hat. Und er hat gesagt, dass ihm das Ding in erster Linie gefallen muss. Und er sich da gar keinen Stress macht. Den hat er sich dann doch gemacht und irgendwann nur noch Tag und Nacht durchgemischt und gemixt und produziert. Es war das Ziel, selbst damit zufrieden zu sein und da war er sehr kritisch. Ich hab dann immer mp3s bekommen mit irgendwelchen Mixen und Versionsnummern, die dann zweistellig wurden und irgendwann kam Version 34 von "Wurzelbert". Ich hab schon 20 Versionen vorher gesagt, das ist fein, passt, langt! Ich weiß nicht, was Du noch ändern willst. Das hat sehr lange gedauert, bis er zufrieden war und dann gab es noch zufällig eine Deadline, die gepasst hat." beendet Helge den Bericht über die Produktions-Odyssey, die allen Beteiligten etliche schlaflose Nächte und Nerven beschert haben dürfte. Doch wenn man sich aber die 80 Minuten von "Sagas" zu Gemüte führt, bleibt nur ein Schluss übrig: Gelohnt hat es sich!
Ein Vorteil der Arbeitsweise war es sicherlich, dass Chefdenker René das Album selbst produziert hat, sonst wären die Studiokosten ins Unermessliche gewachsen. "Wir haben zum Glück den Einheimischentarif bekommen, sonst wäre bereits ein halbes Jahr vorher der Deckel drauf gewesen, René hat alles unendlich oft neu gemacht und aufgenommen." bestätigt Helge. Neben der bombastischen Produktion ist auch die maximale Spielzeit von knapp 80 Minuten auffällig, technisch ist nicht mehr auf einen Silberling zu packen. Eine Entschuldigung an Fans und Label für die lange Wartezeit? "Als Entschuldigung an die Fans kann man das in gewisser Weise schon sehen, ich sag nur Value For Money. Ich habe mir im Zuge dieses Releases ein Stapel Metalhefte gekauft und habe mir die Reviews angesehen, die um unser Review herum waren und hab mir die Spielzeit angesehen, was immer nur so um 35 bis 40 Minuten war. René hat drauf los komponiert und irgendwann haben wir uns gesagt: Jetzt machen wir das Ding auch voll! Zum Schluss hatten wir noch 16 Minuten und René hat ein 18-Minuten-Lied geschrieben, das musste dann sogar noch gekürzt werden, haha. Das Label hätte die CD gern geteilt, dass wir zwei 40-Minuten-CDs haben, aber dann wären wir wieder untergegangen. Wir haben uns Zeit gelassen und wollten einen richtigen Hammer abgeben, der nicht nur geil klingen, sondern auch viel davon haben soll. Es ist natürlich anstrengend, wenn man sich 80 Minuten reinziehen soll, aber das muss ja niemand machen. Man kannn sich ja die ersten vier Lieder reinziehen, dann in die Sonne rausgehen und abends hört man sich den Rest an. Deswegen finde ich auch das Argument, was uns entgegen gebracht wurde: Musste das wirklich so lang sein? schon komisch. Es ist aber auch schon geil zu sagen, wir machen die CD voll. Es ist was besonderes, man spricht darüber und hat einen kleinen PR-Effekt." so der Sänger.
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