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Das zurückliegende Jahr war mit Abstand das erfolgreichste in der langen Bandgeschichte von Subway To Sally. Nach der Veröffentlichung von "Bastard" und der daran anschließenden Tour, bei der man neue Bestmarken beim Ticketverkauf aufstellte, gewannen die Berliner sogar Stefan Raabs Bundesvision Songcontest. Es gab also reichlich Anlass zum rekapitulieren, und im Nachhinein war solch ein Verlauf mit Blick auf das herausragende "Bastard"-Album fast abzusehen: "Ich gehe bei einem Album in erster Linie danach, welche Wirkung die Stücke Live auf mich ausüben, und in der Hinsicht sind die Songs von 'Bastard' im Moment meine Lieblingssongs. Wenn die im Programm auftauchen, macht es mir am meisten Spaß. Das ist ein sehr gutes Zeichen für eine Platte. Oftmals verhält es sich so, dass ich eine Scheibe, nachdem sie komplett fertig ist, zur Seite lege und fast nie wieder anhöre. Bei 'Bastard' ist das überhaupt nicht der Fall. Es ist ein sehr lebendiges, modernes und gelungenes Werk, das auch auf der Bühne seine Kraft auf uns überträgt."
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Dass gerade die aktuellen Stücke einen besonderen Reiz auf Musiker ausüben, ist keine Seltenheit. Doch im Falle von Subway To Sally und ihrem jüngsten Werk wird dieses Gefühl noch stärker nachvollziehbar: "'Bastard' ist viel geradliniger und rock n' rolliger als 'Nord Nord Ost' beispielsweise. Wir wissen im Vorfeld meist selbst nicht genau, wie eine Platte wird, denn sie ist immer ein Ausdruck des Lebensgefühls aus der Zeit, in der sie entsteht. Insofern wird es sicher auch interessant zu sehen, welche Richtung das nächste Album einschlägt - die Arbeit daran macht jedenfalls schon großen Spaß. Was bei 'Bastard' außerdem zu beobachten war, ist die Tatsache, dass die Songs viel schneller den Weg in die Köpfe der Leute gefunden haben und sehr schnell angenommen wurden. Normalerweise ist es bei einer Release-Tour noch nicht unbedingt so, dass die Leute gleich auf die Songs abfahren, das braucht einige Zeit. Aber die neuen Stücke haben Live sofort funktioniert. Das liegt natürlich auch an dem Konzept einer gewissen Direktheit, an der auch unser neuer Schlagzeuger einen großen Anteil hat, denn 'Bastard' war ja das erste Album, an dem er selbst auch mitgeschrieben hat." Bei "Bastard" konnte man feststellen, dass es Subway To Sally gelungen war, eine hervorragende Mischung aus der Spiellaune der frühen Alben und dem deutlich höheren Rockanteil der jüngsten Veröffentlichung auf die Beine zu stellen. Wird dieser Spagat auf der kommenden Scheibe weiterverfolgt? "Das kann ich noch nicht definieren, das wäre zu viel verlangt. Wir sind gerade in der Kompositionsphase und gehen Ende Oktober/Anfang November ins Studio. Aber wenn man den Begriff 'gute Mischung' verwendet, liegt man ganz bestimmt nicht falsch."
Eigentlich sieht es für Außenstehende so aus, als ob zwischen den einzelnen Abschnitten der Tour relativ wenig Zeit war, um sich bereits mit dem Schreiben neuer Songs zu beschäftigen. Doch offensichtlich haben Eric und seine Kollegen da sehr effizient gearbeitet: "Man unterliegt natürlich gewissen Regeln. Die Zeiträume, die zwischen Veröffentlichung, Tour und Festivalsaison entstehen, verwendet man schon fast automatisch, um neues Material zu schreiben, weil es am Tourende ja auch schon fast wieder Zeit für eine neue Platte ist. Zwar kann man sich nicht zwingen, Songs zu schreiben - das wissen die, die selbst Musik machen, sicher am besten. Aber nach den vielen Jahren bereiten wir uns in dieser Zeit schon mental darauf vor, neue Stücke zu schreiben. Zumal uns die Entwicklung zugute kommt, dass wir diese Sachen im Gegensatz zu vor drei oder vier Jahren inzwischen mehr 'gemeinsam' angehen. Natürlich kommen Ideen immer von einzelnen Leuten, aber wir haben jetzt schon das zweite Mal innerhalb von zwei Monaten richtige Sieben-Tage-Sessions im Proberaum durchgezogen, um dort diese Ideen zu spielen, weiterzuentwickeln und zusammen zu überlegen, in welche Richtung sich das Material bewegen könnte. Diese Vorgehensweise haben wir bei 'Bastard' das erste Mal seit langer Zeit wieder genutzt, und da das hervorragend funktioniert hat, wurde das nun intensiviert. Solch ein Arbeiten bringt es auch mit sich, dass auf keinen Fall ein Song herauskommen wird, der nicht livetauglich ist, denn dieses Feeling ist da mit das Wichtigste."
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Trotz des fortgeschrittenen Entwicklungsstadiums des neuen Materials blieb zu Beginn des Jahres auch noch Zeit für die Bandmitglieder, eigene Projekte verfolgen - so war Frau Schmitt beispielsweise mit Letzte Instanz auf deren Akustik-Tour unterwegs. Eric hingegen hatte sich wieder seinem Soloprojekt zugewandt, wenngleich die Pause zu kurz war, um auch hier an einem neuen Album zu basteln: "Ich nutze diese Zwischenräume nicht nur zum Songschreiben, sondern auch zum Touren, weil mir das einfach sehr wichtig ist und enormen Spaß macht. Der Grund, dieses Soloprojekt ins Leben zu rufen, war ja unter anderem das Gefühl für das Publikum zu bekommen und zu behalten. Denn das ist in den Größenordnungen, in denen wir inzwischen spielen, manchmal schwierig, weil dort viel mehr Leute sind und teilweise ein großer räumlicher Abstand zu den Fans besteht. Da lässt sich die Atmosphäre nicht so leicht erfühlen oder einfangen wie auf einem der Solokonzerte, bei dem die Leute direkt vor mir sitzen." Das Live-Erlebnis gehört also für Eric Fish zu den wichtigsten Faktoren seines Musikerlebens, doch dieses ständige Auf-Achse-sein hinterlässt irgendwann auch Spuren: "Manchmal mache ich das fast bis zur Erschöpfung. Wenn die Anderen sich ausruhen, gehe ich auf Tour, was möglicherweise auch nicht so ganz gesund ist, denn ich bin zur Zeit ziemlich fertig. Aber es ist positiver Stress. Jetzt ist es mir zum ersten Mal seit drei Jahren gelungen, zwei Wochen für einen Urlaub freizuschaufeln. Darauf freue ich mich und denke auch, dass ich danach wieder die volle Power habe, um die Arbeit am neuen Subway To Sally-Album fortzusetzen."
Schon oft hat die Band versucht, mit Hilfe diverser Medien einen Bekanntheitsgrad zu erreichen, der über die Grenzen der Schwarzen Szene hinausgeht. Doch sowohl die Musiksender im Fernsehen, als auch das Radio ignorierten Subway To Sally weiterhin. Hat sich durch den Sieg beim Bundesvision Songcontest in dieser Hinsicht etwas zum Positiven verändert? "Temporär. Natürlich bekommt man schon gewisse Reaktionen mit, denn das Medium Fernsehen kann sehr effektvoll sein und unter bestimmten Umständen lässt sich einiges damit erreichen. Aber dazu muss man dauerpräsent sein, beim Radio ist es ja ganz ähnlich. Da ist es uns noch nie gelungen, in irgendwelche Playlists reinzurutschen. Wenn mal etwas von uns gespielt wird, dann witzigerweise immer in Sendungen, in denen sich die Hörer was wünschen dürfen. Aber das begreift natürlich keiner. Insofern ist der Effekt dieser Pro7-Sendung schon ein recht großer gewesen, denn da hat ja ein Riesenpublikum zugesehen. Sicherlich ist unser Name dadurch auch in Köpfe gedrungen, die uns vorher gar nicht wahrgenommen hätten, und in den Wochen darauf gab es auch Besuche und Interviews bei Fernsehstationen, die ohne diesen Erfolg nicht zustande gekommen wären. Aber ich vermag nicht einzuschätzen, was nun dauerhaft davon übrig bleibt. Ich hatte jedenfalls bei den darauffolgenden Konzerten nicht den Eindruck, dass sich das Publikum nun vollkommen verändert hatte oder 10000 Leute mehr da waren. Aber ehrlich gesagt habe ich auch nicht darauf geschielt, dass jetzt völlig andere Menschen zu unseren Konzerten kommen - wir sind vollkommen zufrieden, so wie es gerade ist. Es war einfach eine schöne Momentaufnahme, ein Erlebnis fürs Tagebuch, eine interessante Erfahrung."
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