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ASP - Ein dunkelromantischer Herbstabend

Akustikkonzerte sind ja derzeit furchtbar angesagt. Aber in den wenigsten Fällen erscheinen solche Unplugged-Touren so logisch und notwendig wie im Falle von ASP, die im Spätsommer mit der Doppel-CD "Zaubererbruder - Der Krabat-Liederzyklus" ein märchenhaftes Konzeptalbum veröffentlichten, das förmlich danach schrie, ohne Strom Live umgesetzt zu werden.


Mit dem Tournamen "Dunkelromantische Herbstabende - Von Zaubererbrüdern, schwarzen Schmetterlingen und anderen Nachtgestalten" versuchte man einerseits, die Fans schonmal in die richtige Stimmung zu versetzen, und andererseits machten ASP damit deutlich, dass die Bandklassiker trotz umfangreicher Krabat-Geschichte nicht zu kurz kommen würden. Da man an einem dunkelromantischen Herbstabend ungern drei Stunden lang herumsteht, wurde die ausverkaufte Münchener Muffathalle, normalerweise eine Location, in der ordentlich gerockt wird, in einen bestuhlten Saal verwandelt und theaterübliche Gongschläge kündigten den Beginn des Konzerts an. So stilvoll der Rahmen, so besorgt musste man allerdings auch sein, ob dieses Experiment glücken würde, schließlich leben ASP-Auftritte zu einem Großteil davon, dass mächtig die Post abgeht.

 

Als Alexander Spreng mit seinen sieben Musikern die Bühne betrat, ertönte derart tosender Applaus, dass man meinen konnte, die Band hätte ihr komplettes Set inklusive Zugaben bereits absolviert. Sichtlich erfreut über den begeisterten Empfang begannen ASP mit "Betteljunge", dem Intro der aktuellen Krabat-Scheibe, bei der sie mit dem daran anschließenden gleichnamigen Stück und "Die Teufelsmühle" erst einmal blieben. Während der ersten halben Stunde machten ASP irgendwie einen erschöpften und ausgepowerten Eindruck, so dass der Funke noch nicht so richtig überspringen wollte. Der Schein trog nicht, Alexander erklärte in der Ansage zu "Stille der Nacht", wie anstrengend und zermürbend die vergangenen Monate waren. Doch dann - als hätte jemand einen Schalter umgelegt - war bei "Denn ich bin dein Meister" plötzlich genau die Stimmung da, die man sich insgeheim von diesem Konzert erhofft hatte. Es hielt niemanden mehr auf den Stühlen und der ganze Saal klatschte im Takt mit.

Zwar setzten sich danach alle wieder brav hin, aber ab diesem Zeitpunkt flutschte es bei ASP. Daran konnte auch die zwanzigminütige Pause nichts ändern, die nach dem zehnten Stück "Abschied" eingelegt wurde, denn anschließend war die überwältigende Stimmung sofort wieder da. Und das, obwohl es die Band zunächst mit Songs wie "The Last Lovesong", "Biotopia" und "Der Schnitter Tod" etwas ruhiger angehen ließ. Als dann aber "Zauberbruder", eines der besten Lieder der Krabat-Scheibe, zelebriert wurde, sprangen erneut alle von ihren Sitzen auf. Besonders beeindruckend war, als welch hervorragenden Eric Fish-Ersatz sich Gitarrist Tossi entpuppte, denn er übernahm die Gesangspassagen, die auf der Platte der Subway To Sally-Fronter beisteuerte. Dafür gab es extra Applaus.

 

Mit "Am Ende", dem letzten Stück des aktuellen Albums, verabschiedeten sich ASP unter überschwenglichen Standing Ovations vom Münchener Publikum. Trotz einer beachtlichen Spielzeit weit jenseits der Zwei-Stunden-Marke ließen die Zugabe-Rufe nicht lange auf sich warten, zumal einige Klassiker noch ausstanden. Und die sollten die Fans auch bekommen. Den Anfang machte das epische "Varieté Obscure" von der "Werben"-Single, die dann auch direkt im Anschluss folgte. "Und wir tanzten" durfte natürlich ebenso wenig fehlen wie das obligatorische "Ich will brennen". Nach dreieinhalb Stunden inklusive Pausen hatten es ASP schließlich in zweierlei Hinsicht geschafft: zum Einen konnten sie nun völlig erschöpft den lautstarken Beifall genießen und Feierabend machen, zum Anderen hatten sie ihren Fans trotz anfänglicher Schwierigkeiten einen unvergesslichen Konzertabend bereitet, von dem einige sicher noch lange Zeit schwärmen werden.

Fotos: Daniela Vorndran (www.black-cat-net.de)


 

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