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Peter Heppner - Der Zoff bei Wolfsheim und die eierlegende Wollmilchsau

Peter Heppner gehört eindeutig zu den bekanntesten und markantesten Stimmen der deutschen Musiklandschaft. Über viele Jahre hinweg prägte sein Gesang den Sound von Wolfsheim, bevor er sich mit diversen Gastauftritten wie zum Beispiel für Joachim Witt ("Die Flut") oder Schiller auch über die Grenzen des Gothic hinaus einen Namen machte. Da die Zukunft von Wolfsheim derzeit ungewisser denn je ist, war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis sich Peter Heppner an ein Soloalbum heranwagt, das vor einigen Wochen auch endlich erschien. Es gab also reichlich Gesprächsstoff, doch fast wäre es zu diesem Interview überhaupt nicht gekommen.


"Was lange währt, wird endlich gut", dachte ich mir, als sich ein leicht gestresster Peter Heppner am Telefon meldete. Das ursprünglich geplante Face-To-Face-Interview in München musste abgesagt werden, da das Label die Promo-Exemplare von "Solo" nicht rechtzeitig verschickt hatte, und auch das zwei Wochen später für den frühen Nachmittag angesetzte Telefongespräch wurde gecancelt, da Heppner in einen üblen Stau geraten war. Als er dann am Abend doch noch in Hamburg ankam, konnte das Interview schließlich nachgeholt werden, da die für diese Zeit eigentlich erwarteten Medienvertreter im gleichen Stau steckten. Der Künstler war spürbar froh, sein Ziel letztendlich erreicht zu haben: "Inzwischen hab ich mich wieder etwas abgeregt und der Frustrationspegel ist runtergegangen. Hier steht halb Hamburg auf der Straße und es geht gar nichts mehr, weil einer der Hauptverkehrsknotenpunkte aufgrund eines Wasserrohrbruchs unter Wasser steht. Nach diversen Schleichwegen, die uns am Hafen dreimal durch den Zoll geführt haben, bin ich nun endlich hier angekommen."

Zwar sollte zunächst Peters Soloalbum im Vordergrund des Interviews stehen, doch auf die Frage nach den bisherigen Reaktionen kam er ohne Umschweife direkt auf Wolfsheim zu sprechen: "Die Resonanz bis jetzt ist wirklich klasse! Natürlich gibt es auch einige Leute, die sagen 'Schade, dass es Wolfsheim nicht mehr gibt', aber ich finde das genauso schade. Es ist ja auch nicht ganz so, dass Wolfsheim aufgelöst wurde. Das ist momentan einfach eine schwierige Phase - mal schauen, wie es weiter geht." Nach dem Bekanntwerden seiner Solopläne wurde der Konflikt der beiden Bandmitglieder schließlich vor Gericht ausgetragen, wo Markus Reinhardt den Ausstieg Heppners erzwingen wollte, um das Projekt allein bzw. mit neuem Sänger fortzuführen. Doch die Zusammenhänge sind offenbar viel komplizierter: "Das eine hat mit dem anderen eigentlich gar nichts zu tun gehabt. Meine Solopläne waren für das Ende von Wolfsheim nicht verantwortlich, nur behauptet Markus das jetzt, weil es ihm gut in den Kram passt."

Wenn man diese gegensätzlichen Aussagen der Beiden hört, kann man sich als Außenstehender schwer vorstellen, dass sie irgendwann noch einmal zusammenfinden. Trotzdem ist von Peter Heppners Seite immer wieder zu hören, dass er die Hoffnung auf eine zukünftige Zusammenarbeit noch nicht aufgegeben hat. Wie passt das zusammen? "Es liegt ganz sicher nicht daran, dass mir Markus Reinhardt noch sonderlich viel bedeutet, sondern Wolfsheim. Das war schon immer mein musikalisches Zuhause, in das ich den größten Teil meiner künstlerischen Arbeit hineingesteckt habe. Ich werde das nicht einfach aufgeben, nur weil Markus meint, er müsse mich rausschmeißen und allein weitermachen. Dass das so nicht funktioniert, bekommt er ja gerade auch sehr deutlich vor Gericht vorgeführt, wo er in erster Instanz mit Pauken und Trompeten untergegangen ist. Nun hat er Revision eingelegt und das Ganze wird noch circa ein Jahr so weitergehen."

Das ist durchaus nachvollziehbar, doch es macht es dem Wolfsheim-Fan keineswegs leichter, eine Zukunft der Band für wahrscheinlich zu halten. Wenn für den Menschen Markus Reinhardt keine Sympathie mehr vorhanden ist, erscheint eine musikalische Zusammenarbeit doch mehr als fragwürdig:

 

"Das würde ja heißen, dass es diese Sympathie vorher gegeben hätte. Aber wir sind Kollegen gewesen, keine Freunde. Im Gegenteil, es war eigentlich schon immer so, dass wir uns nicht besonders mochten. Wahrscheinlich war genau das auch der Motor, der Wolfsheim angetrieben hat. Dass es bei Markus aber irgendwann so ausartet, hätte ich nicht gedacht. Wie gesagt, an mir scheitert es nicht - ich versuche Wolfsheim seit vier Jahren weiterzuführen. Markus verhindert das und wird mit ziemlicher Sicherheit mit dem, was er gerade versucht, auf den Bauch fallen. Aber vielleicht hilft das ja, um ihn wieder zur Vernunft zu bringen, ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Sicher wird es einige Zeit brauchen, aber es haben ja schon ganz andere Leute wieder zusammengefunden. The Police, A-Ha... Es gibt tausende Beispiele für Bands, bei denen die Differenzen unüberbrückbar schienen." Auch damit hat er absolut recht, und so bleibt den Wolfsheim-Fans wohl nichts anderes übrig, als die Daumen zu drücken, dass da noch ein Wunder geschieht. Peter Heppner jedenfalls ist fest entschlossen, dem Projekt auch in Zukunft mit seiner Stimme und seinen Ideen zu dienen.

Aktuell findet man Beides jedoch ausschließlich auf seinem Soloalbum. Ein solches Experiment ist immer auch ein bisschen eine Reise ins Ungewisse, doch Druck verspürte Peter Heppner im Entstehungsprozess nicht: "Abgesehen von meinen eigenen Erwartungen nahm ich keinen Druck war. Ich habe auch vorher nicht mit anderen Leuten darüber gesprochen, was sie sich von der Platte erhoffen, denn mein Anspruch war schon so hoch gesteckt, dass die Erwartungen von Dritten überhaupt nicht nötig waren." Konkret sah der eigene Anspruch so aus: "Ich wollte natürlich, dass die Platte ein gewisses musikalisches und textliches Niveau hat. Es sollte dem, was ich in den letzten 20 Jahren gemacht habe, in nichts nachstehen. Außerdem war mir die Weiterentwicklung wichtig, deshalb habe ich auch einige Gesangssachen ausprobiert, an die ich mich vorher gar nicht herangetraut hätte. Textlich bin ich ebenfalls weiter gekommen, was sich vor allem in einer gewissen Geradlinigkeit äußert. Ich rede nicht mehr so um den heißen Brei herum, wie ich das teilweise früher getan habe, und diese Entwicklung nehme ich wirklich mit Wohlwollen zur Kenntnis."

Tatsächlich lässt sich auf "Solo" eine deutliche Weiterentwicklung wahrnehmen, und trotzdem dürfte wohl kein Wolfsheim-Fan enttäuscht sein:

"Ja, und genauso wenig wird sich jemand vor den Kopf gestoßen fühlen, der mich mit Schiller, Paul van Dyk oder Witt gut fand. Es war zwar ein bisschen die eierlegende Wollmilchsau, die ich vorhatte zu machen, aber das ist letztendlich auch ganz gut gelungen. Ich bin wirklich froh darüber, dass so eine klasse Platte herausgekommen ist, die ich selbst übrigens auch super finde." Naja, das erwartet man ja eigentlich auch von Künstlern, dass sie mit dem was sie machen, auch selbst etwas anfangen können... "Ja klar, ich meine, dass für mich der Hauptantrieb immer war, für mich selbst gute Musik zu machen. Das klingt jetzt ein bisschen arrogant, ist so aber gar nicht gemeint. Ich habe einfach nie versucht, irgendwelche Konzepte zu verfolgen oder auf irgendwelche Zielgruppen hinzuarbeiten, sondern immer nach meinem eigenen Geschmack gearbeitet. Das ist der einzige Maßstab, den ich anlegen kann. Funktioniert hat das bisher immer, und ist mit Sicherheit auch ausschlaggebend dafür, dass meine Musik als besonders authentisch angesehen wird."

Bei vielen Künstlern ist es so, dass sie sich nach der Produktion die Scheibe erstmal nicht mehr anhören können, da bildet auch Peter Heppner keine Ausnahme: "Es gibt eine Phase, in der man das schlecht kann. Wenn man eine Platte aufnimmt, hört man die ganzen Songs so oft, dass man am Ende gar kein freies Urteil mehr darüber abgeben kann.

 

Man hat sie bis auf den kleinsten Ton erarbeitet, und jeder einzelne hat irgendwann einmal eine Diskussion ergeben. Man ist so dicht dran und so verstrickt in die ganze Sache, dass ein objektives Hören gar nicht mehr möglich ist. Das ist eines der größten Probleme bei solch einer Produktion, dass man nicht mehr die Fragen beantworten kann: 'Wie würde es auf mich wirken, wenn ich es zum ersten Mal hörte? Wie würde es auf mich wirken, wenn ich nicht schon seit einem halben Jahr daran herumbastelte?' Ab einem gewissen Punkt muss man sich von seinen Gefühlen leiten lassen." Vor- und Nachteile bei der Arbeit an einem Soloalbum im Vergleich zu einer Bandaufnahme gibt es natürlich auch, wenngleich sie nicht so gravierend sind, wie man vielleicht annehmen könnte: "Ich weiß nicht, ob ich es unbedingt Vorteil nennen würde, aber eine ganz große Erleichterung war, dass es keine Diskussionen mit Co-Künstlern gab und ich somit bei niemandem Überzeugungsarbeit leisten musste. Aber obwohl man für alles allein verantwortlich ist, spricht man im Studio natürlich auch mit den Produzenten, insofern fällt der Unterschied letztendlich nicht allzu drastisch aus."

Peter Heppner - Der Zoff bei Wolfsheim und die eierlegende Wollmilchsau Seiten 1 2

 

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