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Es gibt da diese besonderen Bands, von deren Konzerten man sich bereits im Vorfeld mehr als nur eine gelungene Show verspricht. Schon Tage vorher rutscht man in unruhiger Vorfreude auf seinem Höckerchen hin und her, und ist der Abend endlich erreicht, erwartet man neben der selbstverständlichen Erstklassigkeit nicht weniger als pure Magie.
Anathema gehören zu dieser Gattung. Das suggerierten jedenfalls die Besucher, welche schon vor Einlass zahlreich und mit glänzenden Kinderaugen vor dem Columbia-Club campierten. Während sich erfahrene Anathema-Fans längst daran gewöhnt haben, bot sich dem Außenseiter mal wieder ein kurioses Bild. Alte und junge Musikliebende aller Subkulturen schienen sich gegenseitig die Klinke in die Hand zu geben. Begriffe wie Metal oder Indie waren vergessen. Kategorisierungen grenzten an Haarspalterei. Was zählte, war allein die Musik! Und diese wurde schon beim Support-Act Demians dankbar aufgenommen.
Obwohl man scheinbar verfrüht auftreten musste, und viele Besucher schlichtweg noch nicht da waren, genossen Nicolas Chapel und seine Live-Band die volle Aufmerksamkeit aller Anwesenden. Vielleicht nicht ganz unschuldig daran ist Porcupine Tree-Großmeister Steven Wilson, der das Debut des französischen Progressive-Rock-Projekts als "One of the most assured and accomplished debut albums I've ever heard" bezeichnete.
Gut möglich, dass Berlin nach diesem Abend die eine oder andere Demains-Platte mehr in seinen Regalen beherbergt. Den Besuchern gefiel es nämlich sichtlich, und so mancher ärgerte sich darüber, trotz Pünktlichkeit nur noch die letzten zwei Songs zu erleben.
Zugegeben, von richtigem Ärger konnte nicht die Rede sein.
Anathema würden gleich auftreten. Was sollte einen da noch aufregen?
Die Umbaupause wollte kaum enden. Jede Bühnenaktivität wurde erwartungsvoll beklatscht, als das eingespielte "Parisienne Moonlight" den Start ankündigte.
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Endlich war es so weit! Eine offenbar gut gelaunter Vincent Cavanagh eröffnete mit "Deep", dem ersten Song der "Judgment"-Platte. Man musste sich nicht umsehen, um zu merken, wie euphorisch das Publikum jede einzelne Note absorbierte. Ohne jede Erwärmungsphase stand der Saal plötzlich in Flammen. Als abzusehen war, dass die Begeisterung über die übliche Freude eines beginnenden Konzertes hinaus ging, dankten es Anathema der Masse mit umso energischerer Spielfreude. Zwischen Songs wie "Closer", "Lost Control", "Fragile Dreams" und "Empty" zeigte sich am lehrbuchhaften Beispiel, wie Musiker und Publikum sich gegenseitig zu Höchstleistungen anspornen können. Die Bezeichnung "Atmosphäre" wäre geradezu unverschämt untertrieben. Was hier geschah, war die Entfaltung der vollen Schönheit der Melancholie. Wie hypnotisiert wogen sich verschiedenste Individuen gemeinsam im Takt. Paare lagen sich in den Armen, Leute sangen leidenschaftlich mit.
Die Security schien nicht zu begreifen, was sie sah: Einen kompletten Club im Banne von fünf Musikern!
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