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Schaut man sich das Cover der neuen Scheibe an, werden so gleich Erinnerungen an den Vorgänger "Enemy Of God" wach. Ist diese Ähnlichkeit beabsichtigt und lässt sie sich gar als Hinweis auf den Stil der Scheibe deuten? "Es ist ja nur der erste Teil der Artworks, das gesamte Werk ist riesig und sieht auch anders aus", relativiert Mille die Ähnlichkeit der beiden Plattencover. "Klanglich gibt es sicher Bezüge zum Vorgängeralbum, aber wir haben auch bewusst mit einem anderen Produzenten gearbeitet. Der Sound und die Attitüde sind schon sehr anders als bei 'Enemy Of God'. Das neue Album ist etwas roher, vermittelt ein anderes Gefühl. Das hat auch damit zu tun, dass wir in der Zwischenzeit sehr viel live gespielt haben."
Die Live-Energie der Band sollte auf Konserve gebannt werden. Um das zu erreichen, arbeiteten Kreator mit Moses Schneider (Beatsteaks, Tocotronic) zusammen. Der hatte zwar noch nie eine Metalband produziert, gilt aber als Spitzenmann in Deutschland, wenn es um analoge Produktionen geht. Mille erklärt uns die Hintergründe dieser neuen alten Wege. "Ich kriege auch viele Promo-CDs geschickt und wenn man dann drei verschiedene Bands hört, bei denen sich verschiedene Passagen sehr ähnlich anhören, stellt man schon eine Stagnation in der Produktion fest. Wir wollten nicht auf einen brachialen Sound verzichten, aber gleichzeitig auch Gefühl und Dynamik im Sound haben, ursprünglich klingen. Also saßen wir zu viert im Aufnahmeraum und nicht einzeln, hatten die Crew um uns rum, die jeden Tag das Equipment gecheckt hat. Moses ist großartig; er hat uns neue Wege gezeigt oder besser Wege, die in Vergessenheit geraten waren. Es hat es geschafft die pure Aggression in unserer Musik einzufangen, wodurch das Ergebnis irgendwie frischer klingt."
Live-Aufnahmen im Studio also, statt separat über ProTools aufgenommener Audiospuren. Ein bisschen geflickt wurde am Endergebnis aber schon, wie uns Mille verrät. "Wir haben immer etwa 10 Takes aufgenommen und daraus dann das Beste rausgepickt. Moses hat auch ein neues Mikro-System entwickelt: es heißt 'Smokehead' und ist ein Raummikrofon, dass eine weitere Dimension im Klang liefert. Eigentlich ist es aber auch wieder eine neue Version alter Technik. Lediglich der Gesang und die Solos sind Overdubs. Beim Gesang war das nötig, da ich ja noch Gitarre dabei spiele und das bei neuen Songs in einem Take nicht einwandfrei klappt."
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"Hordes Of Chaos" hat tatsächlich einen warmen, unmittelbaren Sound, der eben die Dynamik bietet, die viele bei der aktuellen Metallica-CD "Death Magnetic" vermissten. Was hält Mille eigentlich von diesem Album? "Ich habe die CD gar nicht", gibt er zu. "Ich bin ein Fan der ersten Stunde und liebe alles bis '...And Justice For All'. Ich habe die Band bei dieser MTV Icon-Geschichte gesehen. Als dort aber irgendwelche Nu Metal-Gören auftraten statt Exodus oder Testament, war klar, dass die Band nichts mehr für mich ist. Jetzt wollen sie zurück zu ihren Wurzeln, weil das, was sie zuletzt gemacht haben, sich nicht so gut verkauft hat. Ich möchte nicht schlecht über Metallica reden, aber die Band am liebsten so in Erinnerung behalten wie sie war."
Zurück zu Kreator und zur Frage, wie eine der bekanntesten Metalbands Deutschlands ausgerechnet auf einen Produzenten wie Moses Schneider kommt. Mille erzählt: "Ich habe einen Bekannten in Berlin besucht und meinte zu ihm, dass ich nach jemandem suche, dessen Produktionen wie die von Rick Rubin klingen. Er meinte, dass Moses so einer wäre, also habe ich ihn angerufen und er war sofort Feuer und Flamme. Als wir das erste Mal in den Proberaum gegangen sind, hat jeder ihn gleich gemocht. Er holt wirklich das Beste aus einem raus. Er wirkte während der Aufnahmen wie ein Bandmitglied, hat die Musik regelrecht aufgesogen, bei allen Songs geheadbangt. Es steckt also viel Herzblut von Moses in dem Album; es ist sehr gefühlvoll und emotional geworden."
"Hordes Of Chaos" ist das dritte Album, seitdem die Band mit "Violent Revolution" wieder auf Thrash-Pfaden wandert. Wie sieht Mille heute die eher experimentelle Phase Ende der 90er? "Auch wenn es abgedroschen klingt, aber als Band musst du in jedem Moment machen, was du glaubst. Manchmal triffst du damit den Nerv der Leute - und manchmal nicht. Doch alles andere wäre unehrlich. Alben wie 'Endorama' sind darum ein Dokument ihrer Zeit."
Die Rückbesinnung auf die klanglichen Wurzeln ging auch mit der Rekrutierung des finnischen Gitarristen Sam einher. Mille hat nur positives über den Klampfer an seiner Seite zu sagen. "Sam hat uns als Band immer wieder motiviert; er fügt sich perfekt ein. Er ist sehr zurückhaltend, macht nur Vorschläge, die aber immer super Ideen sind. Er ist sehr flexibel und ein echter Teamplayer und mit seinen Ideen und seinem Spiel veredelt er die Songs."
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Zur Veredelung gehören aber auch die Texte, die von Anfang an in englischer Sprache verfasst wurde. Keine ganz einfache Sache, wie Mille zugibt. "Es ist kein einfacher Prozess, die Texte dauern bei mir immer am längsten. Ich nutze auch einen Vocal Coach bei jedem Album. Du brauchst jemanden, der dir sagt wenn irgendetwas so oder so nicht geht; da darf man nicht zu eitel sein. Ich habe aber schon immer auf Englisch geschrieben und gesungen, angefangen bei 'Pleasure To Kill'. Es gibt nur einen Song auf deutsch von mir und das ist das Slime-Cover 'Alle gegen Alle'. Das war ein interessantes Experiment. Ich habe mich über die Zeit als Texter weiterentwickelt, bei deutschen Texten wäre ich jedoch ein Anfänger."
Ebenfalls auf Englisch ist eine der wohl bekanntesten Standard-Ansagen der Metal-Szene. Seit zwei Jahrzehnten kündigt Mille den Bandklassiker "Pleasure To Kill" mit den Worten "Are you ready to kill each other" an - für diese Konstanz gibt es eine einfache Erklärung, wie Mille zugibt. "Diese Ansage gehört irgendwie dazu. Ich nehme mich da auch nicht zu ernst. Ich bin kein Freund der Ansage und wüsste gar nicht, was ich eigentlich sagen soll. Darum verlasse ich mich lieber auf das was ich kann."
Wer die Frage mit einem laut gekrächzten "Yeah!" beantworten und mal wieder eine ordentliche Portion Thrash Metal um die Ohren haben will, hat dazu im Frühjahr Gelegenheit, wenn Kreator ihr neues Album auf einer Tour mit Caliban und Eluveitie vorstellen.
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