|
|
|
 |
|
|
|
Es klingt spannend und abenteuerlich, was man auf der Homepage des finnischen Trios als Bandhistory zu lesen bekommt. Jack Knight (Sänger, Schlagzeuger) ist ein mittelloser Trinker, der verzweifelt nach seinem verschollenen Bruder Z Rivers sucht. Nach eineinhalb Jahren gibt er die Suche auf. Jack spielt in ziemlich schlechten Bands und versetzt letztendlich sogar sein Drumset um sich Alkohol zu besorgen. Z Rivers landet in der Zwischenzeit in einem indonesischen Knast. Die Polizei organisierte eine Razzia, die als Party getarnt war. Z ging ihnen auf den Leim. Mike Henry Leak, der Dritte im Bunde, war zur selben Zeit als Gitarrist in Australien unterwegs. Er geriet - wie sollte es anders sein - in enorme Schwierigkeiten und musste das Land verlassen. Über Umwege kam Mike Henry nach Indonesien, wurde dort eingesperrt und musste zusammen mit Z einsitzen. Jack kaufte beide wenig später frei und die Drei gründeten die Band. So viel zum Mythos. Erkundigt man sich nach der wahren Geschichte hinter der Gründung hält sich Bassist Z Rivers bedeckt. 'Hey, das steht doch alles im Internet.' So recht mag man sich mit dieser Antwort nicht zufrieden geben und hakt nach. 'Alles begann 1999 als Jack und Mike sich zum Jammen trafen. Ich stieß erst 2001 dazu und es ging in erster Linie darum Spass zu haben.' Z Rivers trat der Band übrigens nur unter einer Bedingung bei: der sogenannten 'No-Practice-Rule'. 'Ohja, ich versprach mitzuspielen, aber nur unter der Voraussetzung nicht üben und nicht bei Proben erscheinen zu müssen. Ich muss zugeben, das hat sich mittlerweile geändert. Die Sache wurde ernster nachdem wir 2004 unseren ersten Gig gespielt hatten. Kurz darauf waren wir schon im Studio um 'First Blood', unser Debüt, aufzunehmen. Das ist eine lange Geschichte kurz erzählt, aber es passierte auch nicht wirklich viel in den ersten Jahren.' Tatsächlich gelang es den Dreien durch ihre Liveshows so zu überzeugen, dass sie bei einem Label unterkamen. Die Arbeiten zu 'First Blood' fanden in der finnischen Pampa statt. Mit reichlich Alkohol im Gepäck wurden die Sessions zur großen Party. Es gelang, das Lebensgefühl auf Tonband zu bannen. Das Ergebnis nennt Sänger Jack Knight: 'pure, simple, mind-blowing, easy-going rock'. Nach der Veröffentlichung des Albums war die Band auf Tournee und arbeitete weiter an ihrem guten Ruf als Liveband.
|
|
|
 |
|
|
Gegen Ende der Tour beschloss man, sich des Plattenvertrags zu entledigen und das neue Album über ein eigenes Label zu vertreiben. So verschaffte man sich die nötige Freiheit, die man für die Aufnahmen haben wollte. Produziert und aufgenommen wurde in Helsinki, der Hauptstadt von Finnland. Ob die Großstadt den Sound beeinflusst hat? 'Ich muss zugeben, dass ich darüber noch nie nachgedacht habe, aber ich bin mir sicher, dass das Ergebnis anders klingen würde, wenn wir nicht dort aufgenommen hätten. In Helsinki gibt es eine lebhafte Metal-Szene, die ich persönlich nicht sehr mag. Alle spielen Heavy Metal. Es fehlt an guten Rockbands. Das positive daran ist, dass es vielen dieser Gruppen gelingt, im Ausland auf sich aufmerksam zu machen. Das macht es für uns und den Rest der Bands aus Finnland einfacher Anschluss an den Musikmarkt zu finden. Aber zurück zum Album: Die Aufnahmen waren ohnehin schwierig genug. Wären wir für zwei Wochen in ein Studio im Nirgendwo gegangen, wäre die Platte wohl nie erschienen. Aufgenommen wurde im Winter 2006/2007, gemixt im Sommer '07. Es war eine ziemlich lange Reise.' Nun ist 'Over The Top' endlich im Händel erhätlich und fühlt sich für die Gruppe wie das erste Album an. Moment mal. Versucht man hier etwa das Debütalbum zu leugnen? Keinesfalls: ''First Blood' war unsere erste Platte und ist deshalb natürlich wichtig für uns. Ich höre sie mir zwar selten an, mag sie aber trotzdem noch sehr. Sie klingt heftiger als 'Over The Top'. Wir spielen die Lieder oft live. Je nach Abend und Stimmung vier bis acht Songs. Die Entstehung der beiden Alben ist nur komplett unterschiedlich. Wir entschieden, das neue Album selbst zu produzieren, da wir niemanden für den Job fanden, der zu uns passte. Wir haben so viel Aufwand in diese Platte gesteckt, und sie von Grund auf selbst gezimmert. Deshalb fühlt sie sich wie unsere erste CD an.' Die Band ist mit dem fertigen Produkt daher mehr als zufrieden. Schließlich lief alles nach ihren Vorstellungen, und das darf man heutzutage als Privileg ansehen. 'Wir sind sehr glücklich mit dem Ergebnis. Es sind zwölf tolle Songs auf der Platte und die Covergestaltung hilft dabei unsere Message rüberzubringen. Natürlich gibt es immer etwas, das man besser machen könnte. Auf der anderen Seite ist es nicht dienlich sich in Details zu verstricken. Darum geht es nicht im Rock. Es ist gut, gewisse Dinge rau und unpoliert zu lassen, zumal das vielen Rockalben der heutigen Zeit fehlt.' Rau und unpoliert klingt 'Over The Top'. Das soll aber nicht heissen, dass die CD schlecht produziert wurde. Ganz im Gegenteil: hier haben die Jungs gute Arbeit geleistet. Was da aus den Boxen dröhnt, und einem Mitten in's Gesicht rotzt, klingt sehr ordentlich. In welche Schublade man die Musik stecken will, ob Stoner-, Blues-, Grunge- oder Garage-Rock, sei jedem selbst überlassen. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Aber was spielt das schon für eine Rolle wenn das Gesamtbild stimmig klingt.
|