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Phillip Boa - Irgendwann ist man nur noch Phillip Boa

Phillip sitzt backstage und signiert CDs. Und zwar nicht nur zwei oder drei sondern gleich eine verdammte Kiste voll. Mindestens 25-mal schreibt er seinen Namen in Silber auf jeweils fünf Cover, legt diese auf dem Tisch zwischen uns zum Trocknen aus, wo sie für 90 Sekunden wie bizarre Tarotkarten liegen bleiben. Dann sammelt er sie wieder ein und beginnt das Spiel von neuem. Fast so wie seine Karriere. Inmitten der Hektik wirkt er überraschend entspannt und ausgeruht, seine mittlerweile auch schon 46 Jahre trägt er mit Würde. Um bei der Tarot Metapher zu bleiben: Zog er früher viel zu oft Karten wie Der Narr, ist er mittlerweile bei Der Magier angekommen. Das Alter kann ihm nichts anhaben. Plattenlabel können ihm nichts anhaben. Und es wirkt tatsächlich so als ob seine Abgründe ihm ebenfalls nichts mehr anhaben könnten! Wenn da nur nicht DIESES Publikum wäre…



Die neue kreative Freiheit bei seinem eigenen Label genießt er zwar, möchte aber kein schlechtes Wort über Motor - welche die letzten beiden Boa Werke veröffentlichten - verlieren: 'Das Weggehen hat einfach Sinn gemacht, ich habe keine Lust über die vier oder fünf Plattenfirmen meiner Vergangenheit schlecht zu reden, das hat überhaupt keinen Stil. Sie alle gaben sich Mühe, allerdings hat der Markt sich verändert und das hat nichts mit mir zu tun!' Oha, das klingt ja überraschend gelassen, über 25 Jahre im Geschäft haben eben doch ihre Spuren hinterlassen:' Bis 1993 wurden die Verkäufe konstant besser, erst danach gingen es langsam wieder bergab. Aber eben nie so richtig! Hat mich das verändert? Am Anfang hatte ich kein Interesse daran Musiker zu sein, das war ein Hobby, ich habe einfach Musik so sehr geliebt. Dann kam der Punkt an dem es Sinn machte, es als meine Lebensaufgabe zu sehen. Es gab keinen besonderen Moment in dem mir das klar wurde, entscheidend war, als Polydor uns einen guten Vertrag anbot und wir plötzlich ein bisschen Geld verdienten!' Richtig selbstverständlich findet er diese Entwicklungen auch nach so langer Zeit nicht:'Ich kann manchmal immer noch nicht glauben, dass ich mein Leben lang nichts anderes gemacht habe und jetzt…' (legt eine neue Ladung CDs auf den Tisch)'…jetzt ist es zu spät!' Eine Aussage, die ihn selbst zum Lachen bringt


Nicht, dass er befürchtet, das morgen alles vorbei sein könnte:'Das geht gar nicht mehr, der Katalog ist da und umfasst fast 400 Songs. Ich meine, bis vor ein paar Jahren hatte ich diese Angst tatsächlich noch aber mittlerweile verfüge ich über eine Art der Etabliertheit, die so richtig gut tut. Ich kann mittlerweile machen, was ich will. Das neue Album ist für mich schon drastisch anders als die davor. Die Wahl des Schlagzeugers war ein mutiger Schritt und selbst der hat funktioniert. Was kann jetzt also noch passieren? Die Idee, sich mit Can Drummer Jaki Liebezeit immerhin eine lebende und global anerkannte Legende ins Boot zu holen, ist tatsächlich schon ein wenig älter:'Eigentlich wollte Jaki nichts mehr mit Pop oder Rock zu tun haben, aber die Idee kam von Conny Plank!' Wow, einem DER legendärsten deutschen Produzenten überhaupt, einem Mann, der u.A. im Alleingang für die extrem einflussreichen Werke von Neu!, Harmonia, Cluster und den frühen Kraftwerk verantwortlich zeichnete, später dann erfolgreich den Anschluss an die New Wave Szene schaffte und mit Ultravox oder Killing Joke arbeitete. Der einzige Haken an der Sache: Herr Plank ist bereits seit 1987 tot, Boa pustet über ein Cover, auf welchem das Silber noch nicht richtig trocken ist:'Wie gesagt, diese Idee ist älter, eigentlich sollte Conny unser zweites Album produzieren. Allerdings kam es dazu gar nicht erst, zum Einen war er damals schon sehr krank, zum Anderen klang diese Kollaboration für die großen Plattenfirmen einfach nicht kommerziell genug. Nach all den Jahren habe ich mir den Jugendtraum mit Jaki zu arbeiten jetzt eben selber erfüllt!'

Phillip Boa - Irgendwann ist man nur noch Phillip Boa Seiten 1 2

 

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