|
Wie immer eigentlich ist Vorph ein unglaublich gut gelaunter, netter Kerl, der sichtlich Freude daran hat, sich ausgiebig zu unterhalten, und der nimmermüde ist, die bei dieser Musik aufkommenden, immer gleichen Fragen zu beantworten. Auf die Eingangsfrage nach dem Gemütszustand beim Aufnehmen der Scheibe: 'Did someone piss you off?' gab es jedenfalls erst einmal ein freudiges Lachen. 'Die Idee dahinter ist: Überraschungsei!' lacht er. 'Aber nein, Spaß beiseite. Vorausschicken möchte ich erst einmal, dass es sich bei 'Above' um ein einmaliges Ding handelt. Unsere nächsten Alben werden wieder anders. Vielleicht nicht exakt wie vorher, aber auf keinen Fall ein zweites 'Above'.' Interessant, dass das Album gerade erst erschienen ist, und er schon über das nächste Album spricht. Es scheint, als hätte da jemand auch nach so langen Jahren immer noch Freude wie am ersten Tag.
|
|
 |
|
|
|
'Erster Tag' ist eh ein gutes Stichwort, denn wenn man über 'Above' redet, muß man über Samaels Anfangstage reden - auch wenn die Musik auf 'Above' vollkommen anders ist als die auf Samaels ersten Alben. 'Es stimmt, ein solches Album haben wir auch früher nicht gemacht. Wenn ich mir heute unser frühes Zeug anhöre, denke ich 'ach du Scheisse, was ein Mist'. Wir waren damals echt unfähig, konnten unsere Instrumente kaum halten. Wir waren Fans, keine Musiker. Im Endeffekt ist 'Above' genau das Album, was wir machen wollten, als wir 16 waren, aber es nicht konnten.' Man hört unverblümt gleich diverse Bands heraus, nach denen 'Above' klingt. Dass das kein Zufall ist, merkt man, als Vorph freiwillig von sich aus mit den Bands herausrückt, die sie damals mochten. 'Wir haben uralte Impaled Nazarene und Sentenced vergöttert, natürlich alte Bathory. Wir wollten damals ein Album machen, das genauso klingt. Naja, nun haben wir es eben heute gemacht. Und es ist Absicht, dass man das hört. Eine Hommage an die alten Kultbands, das sollte es damals sein, und das ist es heute.' Der Unterschied zu den letzten Samael - Alben ist allerdings schon gewaltig, auch wenn trotz anderslautender Gerüchte KEIN echter Drummer am Werk war sondern auch auf 'Above' Computerdrums benutzt wurden.
|
|
|
 |
|
|
Vorph grinst. 'Außer dem Computer kann keiner von uns so schnell spielen... Aber nein. Weißt Du, die musikalische Qualität unserer ganz alten Sachen ist echt mies. Daraufhin gab es diese lange Entwicklung, dass wir uns von Jahr zu Jahr immer mehr und noch mehr mit den einzelnen Songs beschäftigt haben, die wir schrieben. Irgendwann kommt dann der Punkt, an dem Du so lange an einem Song arbeitest, dass Du nicht mehr weißt, ob er gut oder schlecht ist. Das haben wir auf 'Above' verhindert.' Kritiker empfnden, dass auf 'Above' alle Stücke gleich klingen. Anstelle herumzudrucksen und zu verneinen, setzt Vorph dem noch einen drauf. 'Ja. Richtig. Ich weiß. Dieses Album war songwritierisch auch keine Herausforderung. Das wollten wir aber auch nicht. Wir haben komplett anders gearbeitet als sonst, und es war superspannend. Für diese Art Musik ist es gut, einfach drauflos zu knüppeln. Und es stimmt, wir haben 1 musikalisches Thema in 10 leicht unterschiedlichen Varianten.' Deshalb klingen die Stücke eben alle gleich, aber das ist auf frühen Bathory auch so. Also darf man bei einem Hommage-Album auch mal in dieselbe Kiste greifen. Spaß machen tut es ja trotzdem.
|
|
 |
|
|
|
Ein weiterer Kritikpunkt, der aufkam, war die Stimme, die im Gegensatz zu anderen Samael-Alben sehr unauffällig ist. Auch hier stimmt Vorph der Kritik zu. ' Ich gebe Dir recht, wenn ich mir das Album nachträglich anhöre, dann stimmt es, dass die Stimme zu sehr in die Musik gemixt ist, zu wenig vorsticht. Aber wir wollten diese Unvollkommenheit. Normalerweise ist es bei einem regulären Samael - Album so, dass wir 8 Monate aufnehmen und 3 Wochen mixen. Bei 'Above' haben wir 3 Wochen aufgenommen und 4 Tage gemixt. Unser Produzent Nordstrom weiß unglaublich gut, was er macht, das ist also ebenfalls kein Zufall. Wir haben null komma null an den Songs herumgedoktort. Er hat die Mixsettings für einen Song gemacht, und diese Settings dan exakt so für alle Stücke benutzt. Der Rahmen an Abwechslung, in dem man sich dann bewegt, ist recht eng.' Dennoch, Spaß machen tun die Songs alle...
|