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Bevor der aber auf die Besucher des kleinen Clubs hereinbricht, fasst Charlie Anliegen und Antrieb der Band für uns in ruhigere und immer mit Bedacht gewählte Worte. Und will gleich einmal eine Sache ganz deutlich klarstellen: 'Wir sind keiner Super-Band! Wir mögen diesen Begriff nicht, und ich werde ihn auch aus dem Wikipedia-Eintrag über uns entfernen. Ja, alle Leute, die in dieser Band sind oder waren, haben in anderen Bands gespielt, Platten aufgenommen, sind auf Tour gewesen, und daher kennen uns die Leute.'
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Aber das sei ein ganz normaler Umstand, so Charlie weiter. Fakt ist, dass sich alle vier Mitglieder jetzt voll auf Black President konzentrieren. Seine Band Goldfinger wird nach 'Hello Destiny' vermutlich kein weiteres Album aufnehmen, Bassist Jason Christopher plant auch nichts Neues mit New Dead Radio und für Sänger Christian Martucci hat sich sein Projekt mit Dee Dee Ramone durch dessen Ableben erledigt. Einzig Drummer Dave Raun spielt noch bei Me First And The Gimme Gimmes. Er ist im Übrigen der Nachfolger von Roy Mayorga, der seinen Posten bei Stone Sour nicht gänzlich aufgeben wollte, ähnlich wie Gründungsmitglied Greg Hetson, der lieber weiter bei Bad Religion die Saiten zupfte.
Alle waren eigentlich gut ausgelastet, aber das Material, was Charlie Paulson unter dem Eindruck vom zweiten Wahlkampf des George W. Bush 2004 zu Papier brachte, passte perfekt zu der Konstellation, in der sich die Freunde schon seit zehn Jahren zu ungezwungenen Jamsessions trafen. 'Mit wem sonst sollte ich die neuen Songs spielen, als mit diesen Leuten? Das hat sich alles ganz organisch entwickelt. Etwas in mir war damals sehr wütend und ich wollte einfach zurückschlagen. Diese Leute waren meine Waffe. Wir hatten keinerlei Absicht, das ganz groß aufzuziehen und abzusahnen. Wir sind nicht nur eine Ansammlung von bekannten Musikern. Wir sind nicht Velvet Revolver!'
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Was Black President aber nach eigener Aussage sind, ist unsere 'last fucking hope'. Was haben sie also anzubieten? 'Das steckt alles in der einen Textzeile,' sagt Charlie, 'we're the gay black welfare mothers on dope. Ich setze mich für die Gruppe von Menschen ein, die sich am untersten Ende der Gesllschaft wiederfindet, und das seit langem. Unser Land wurde acht Jahre lang von weißen, reichen, christlichen Männern geführt, und die haben verdammt nochmal ihr Bestes gegeben, um die Welt zu zerstören. Also wenden wir uns den Leuten zu, die untergebuttert wurden. Den Underdogs.'
Auch wenn die meisten Texte des selbstbetitelten Debüts von Black President schon einige Jahre alt sind, sind sie nach wie vor aktuell, weil sie etwas über das heutige Amerika aussagen, meint Charlie: 'Ich rede zum Beispiel über Karl Rove, Rudi Guilliani und all die Leute, die Vorteile aus 9/11 gezogen haben, weil sie zu ihrem eigenen Nutzen Ängste schürten. Diese Texte sind vielleicht nicht topaktuell, aber das war eine Entwicklung, die festgehalten werden musste, ganz ohne Sentimentalitäten. Man schreibt einfach, was man fühlt, für den Moment.'
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Andere seiner Texte hält Charlie wiederum für zeitlos und orientiert sich dabei an großen Vorbildern: 'Nimm The Clashs 'London Calling'. Wenn ich in der Stimmung dafür bin, jagt es mir immer noch einen Schauer über den Rücken. Joe Strummer hat das zwar damals in Bezug auf den Niedergang des Sozialsystems in England geschrieben, auf die Streiks und rassistische Gewalt. Aber das ist weniger wichtig. Es wird immer Spannungen geben. Deshalb werden auch einige von unseren Texten immer passen. In 'Who Do You Trust' geht es zum Beispiel um die Vorstellung, dass wir eines Tages doch alle in einer Welt ohne Rassismus leben.'
Die Wahl Barack Obamas zum Präsidenten der USA, die die Band mit ihrem Namen ja irgendwie vorweggenommen zu haben scheint, ist durchaus ein Schritt vorwärts, was diesen Traum angeht. 'Nicht nur Schwarze, sondern alle Minderheiten fühlen, dass die Stimmung jetzt weniger gereizt, also objektiver ist. Das Machtgleichgewicht hat sich verschoben. Amerika hat zwar in den letzten Jahren einiges an Ansehen eingebüßt, ist aber immer noch die letzte bestehende Supermacht. Er ist ihr Boss, und er ist schwarz!'
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