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''Evangelion' stammt aus dem Griechischen und heißt soviel wie 'frohe Botschaft', erklärt uns Nergal den Titel der neuen Scheibe. 'Ich nahm das Wort aus dem biblischen Kontext [dort sind die Evangelien die frohe Botschaft vom Heilsgeschehen in Jesus Christus - Anm. d. Verf.] , was ich für sehr blasphemisch halte, wenn eine Band wie Behemoth dieses Wort verwendet. Es ist aber auch einfach ein epischer, sehr ausdrucksstarker Titel, der auf verschiedene Weisen interpretiert werden kann.' Dennoch hat Nergal, der mit bürgerlichem Namen Adam Michal Darski heißt, eine recht genaue Vorstellung davon, welche frohe Botschaft er mit seiner Band den Leuten zu verkünden gedenkt. 'Die Bibel war schon immer ein großer Einfluss auf unsere Kunst und unsere Texte. Uns geht es immer darum die frohe Botschaft, das Evangelium von der Göttlichkeit der menschlichen Natur zu verkünden. Der Mensch hat ein göttliches Potential, man muss nur stark bleiben zwischen all der Heuchelei und Falschheit. Du musst Dir selber treu bleiben - nur darum geht es. 'Evangelion' hat dies zum Thema; es wird keine Geschichte erzählt, aber das Album ist dennoch ein großes Ganzes.'
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Ein Gesamtkunstwerk wie 'Evangelion' braucht denn natürlich auch ein passendes Titelbild, das den zu vermittelnden Grundgedanken in metaphorischer Vieldeutigkeit vermitteln kann. 'Das Coverbild ist kein altes Bild, sondern wurde extra für das Album geschaffen', erklärt uns Nergal. 'Es ist jedoch von alten biblischen Holzschnitten inspiriert. Man sieht in der Mitte die Hure Babylon und um sie herum die zerbrochenen zehn Gebote und zwei Priester, die sie anbeten. Im oberen Teil des Bildes sieht man Sonne und Mond als Symbole von Gut und Böse. Als Ganzes ist das Bild ein Symbol dafür, jenseits von Gut und Böse zu sein. Außerdem betonen wir damit natürlich auch den weiblichen Aspekt von Göttlichkeit.'
Im Folgenden möchte ich mit Nergal gern über die einzelnen Songs des Albums sprechen, was der sympathische Frontmann der Polen sehr gern tut. Auch wenn ihm natürlich in diesem Zusammenhang das bekannte Sprichwort einfällt: 'Talking about music is like dancing about architecture.'
Well then, let's dance!
'Daimonos'
'In diesem Song geht es um die Möglichkeit einen höheren Zustand seines Selbst zu erreichen, mit anderen Worten: ein Genie zu werden. Textlich basiert der Song auf Schriften von Friedrich Nietzsche. Soundmäßig haben wir hier einen sehr militanten Klang erzeugt.'
'Shemhamforash'
'Der Begriff stammt aus der hebräischen Kabbala. Es ist eine Kurzform des 216 Wörter langen Namen Gottes, der aus einer bestimmten Lesart der Bibel hergeleitet wurde. Der Song ist sehr episch, kraftvoll und sicher sehr kontrovers. Eine zentrale Zeile lautet: 'At my command, let the blood of infants flood the streets of Bethlehem'.'
'Ov Fire And The Void'
'Der Song ist sehr spontan entstanden. Wir haben ihn in nur wenigen Stunden geschrieben. Es ist ein Track, der sich durch ständige Bewegung auszeichnet. Inhaltlich geht es darum wie Veränderung die Essenz des Lebens ist, dass man gegen alte Vorstellungen rebellieren muss, frei denken soll - ein im eigentlichen Sinne luziferischer Text.'
Und was hat es mit dem 'v' auf sich, dass anstelle des 'f' steht? Das kommt ja bei Behemoth öfter vor. 'Es sieht einfach sehr cool aus', will Nergal gar nicht mehr daraus machen, als es ist. 'Es ist mittlerweile eine Art Erkennungsmerkmal von uns und darum werden wir das wohl auch in Zukunft so schreiben.'
'Transmigrating Beyond Realms Of Amenti'
'Hierin geht es um das Konzept toter Seelen, darum wie Menschen nurmehr als Maschinen funktionieren. 'Amenti' bezeichnet in der ägyptischen Mythologie die Unterwelt.'
'He Who Breeds Pestilence'
'Ein Song mit einer starken anti-christlichen Position und einer meiner Lieblingssongs auf dem Album. An einer Stelle heißt es: 'Inflict the seed of Eve upon me'. Es war Eva, die sich von der Schlange verführen ließ und vom Baum der Weisheit aß. Deshalb wurde später alles Weibliche als bösartig dargestellt. Doch für mich bedeutet die Saat Evas etwas anderes - nämlich, dass man akzeptiert, was einem der eigene Wille bietet und dass wir unsere wahre Natur anerkennen, statt sie zu unterdrücken.'
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