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Doch zunächst einmal müssen wir uns Luft machen, da leider nicht alles rosig war.
Das Privileg, das Gelände zu verlassen und wieder betreten zu dürfen, hatte leider nur die Presse, was bei vielen Festivalbesuchern für Unmut sorgte. Auch die Tatsache, dass auf dem gesamten Festivalgelände kein einziger Geldautomat zu finden war, war nicht sonderlich erfreulich. Fürs leibliche Wohl war durchaus ausreichend gesorgt, allerdings gab es auch hier kritische Stimmen seitens der Festivalbesucher, welche die Preise zu hoch fanden.
'Sag mal, kannst du was verstehen?' war wohl generell die meist gehörte Frage an diesem Wochenende auf dem Gelände des Flughafen Tempelhof. Die Akustik ließ in der Tat sowohl auf der Main Stage als auch auf der Second Stage zu wünschen übrig. Viel zu laute Bässe und ein massives Echo störten enorm bei jedem Auftritt, unabhängig davon ob Indie-Rocker oder Elektrofrickler. Im Radius von etwa 20 Metern rund um die Bühnen war es durchaus erträglich. Da zählte also jeder Meter, den man sich unterwegs zur Bühne erkämpfen konnte.
Hobby-Physiker rätselten zwei Tage lang, wie man die Akustik verbessern könnte, was zwar ein netter Zeitvertreib zwischen den Shows war, jedoch definitiv nicht die Aufgabe der Festivalbesucher, sondern der Veranstalter. Das historische Gelände eignet sich ideal für ein Festival mittlerer Größe, wie es das Berlin Festival ist. Jedoch sei den Veranstalter an dieser Stelle der Rat wärmstens ans Herz gelegt, im nächsten Jahr ein paar Stunden mehr in die Belange der Akustik zu investieren. Der Festival-Besucher wird es danken.
Wir wären allerdings nicht Whiskey-Soda, wenn wir uns nicht vordrängeln und ein paar blaue Flecken einstecken würden, um eine möglichst optimale Berichterstattung zu liefern. Und hier kommt das Protokoll.
Freitag, 07.08.09
21.30 Die Indie-Dance-Pop-Band Saint Etienne stehen auf der Bühne. Eigentlich kann man da nicht viel erwarten: Synthesizer und eine Sängerin. Und so plätschert der Auftritt entsprechend mit dem einzigen Highlight dahin, dass Sarah Cracknell ihr Jäckchen auszieht, sich eine weiße Federboa ummacht und sagt 'Berlin is a hot city'.
Das Publikum bleibt statisch.
Währenddessen müht sich ein anderer Act auf der Second Stage ab.
22.00 Die kanadischen Junior Boys liefern eine ordentliche Show, die auch Spaß macht. Auch von denen dürfte man generell wenig erwarten, da es sich, wie auch bei Saint Etienne, um elektronische Musik handelt. Dennoch reißen sie das Publikum mit einem fantastischen Schlagzeug und routinierter Gitarre mit. Auch die Vocals, denen auf den Alben sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt wird, kommen live großartig zur Geltung.
Nicht ausruhen. Weiter geht's zur Main Stage.
Gesichtet: Daniel Brühl und Tom Schilling. Die berliner Schauspieler-Prominenz begrüßt sich mit Umarmungen und lautem Lachen.
23.00 Der betagte Dendemann ist dran. Einer der wenigen deutschen Rapper mit intelligenten Texten und einer einzigartigen Reibeisenstimme. Dank Akustik ist der Auftritt kaum auszuhalten: Ein einheitlicher Soundbrei füllt den Hangar und so sieht man lauter enttäuschte Gesichter im Publikum.
Gleichzeitig kommt ein Gerücht auf: Peter Doherty soll den Flieger verpasst haben. Irgendwas ist ja immer bei Herrn Doherty. Und nun? Wird er es doch noch schaffen?
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00.30 Ein voller Hangar atmet entspannt auf: Peter Doherty steht mit Anzug, Krawatte, Hut und Akustik-Gitarre auf der Bühne. Links und rechts neben ihm tanzen zwei Ballerinen. Doherty spielt über eine Stunde. Er gibt nicht nur Songs von seinem Solo-Werk zum Besten, sondern spielt zur Freude aller auch Lieder, die er mit den Babyshambles und Libertines aufgenommen hat. Es ist ein minimalistischer, auf eine Art fast schon intimer Auftritt. Man kann die magische Faszination für diesen Ausnahmemusiker im gesamten Hangar spüren. Das Publikum schwankt zwischen ehrfürchtiger Andacht und grenzenloser Begeisterung. Zwischendurch huscht Doherty ein verschmitztes Lächeln übers Gesicht: Er genießt den Auftritt, die glänzenden Augen der Zuhörerschaft und den Zwischenapplaus, den er nach den Refrains erntet.
Es ist ein märchenhafter Auftritt von einem Mann, der stehende Ovation verdient hat, wenn man nicht ohnehin schon stehen würde.
Pause. Eindrücke ordnen, den Auftritt mit anderen begeisterten Festivalbesuchern rekapitulieren – Steven S.: 'Oh mein Gott! Dieser Mann! Sex on legs!'
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02.00 'Hallo, wir sind Moderat! Das ist Modeselektor und ich bin Apparat. Schön, dass ihr da seid. ...Schön, dass wir hier sind, hat ja lang genug gedauert'. So begrüßt uns Sascha Ring. Das Publikum ist zu diesem Zeitpunkt massiv aufgeheizt und in bester Feier- und Tanzlaune.
Moderat stehen zu dritt auf der Bühne hinter zahlreichen Tasteninstrumenten und Laptops. Hinter ihnen recken sich drei riesige Screens in die Höhe, auf denen abenteuerliche Visuals laufen. Das Ganze hat etwas von einem gewaltigen Altar in einer Kathedrale. Es ist eine wahre Freude, diesen drei Soundkünstlern beim Performen zuzuschauen, die non-verbale Kommunikation zu beobachten, zu sehen, wie sie in den Beats zu einer Einheit verschmelzen und Klanglandschaften kreieren. Es wird ausgelassen getanzt. Der Hangar bebt.
Und so endet der erste Abend. Man ist zwar ein wenig enttäuscht ob der Akustik, kann allerdings mindestens von zwei Highlights berichten, die da wären Peter Doherty und Moderat. Können diese Auftritte am nächsten Tag getoppt werden? Wir finden es gleich heraus.
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