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Er wirkt ein wenig unmotiviert, müde und gibt sich zunächst auch etwas maulfaul. Das Schlimmste am Touren sei das ewige Warten, sagte Mensi. Konzerte könnte er Hunderte im Jahr spielen, aber die Warterei vor dem Gig macht mürbe. Außerdem touren sie nicht mehr viel, weil es einfach keinen Bedarf mehr gibt. Die Krise ist auch über die kleinen Clubs und deren Besucher hereingebrochen. 'Zumindest in England merken wir das. Dort gehen täglich Clubs pleite.'
Wie einfach war es da für die Angelic Upstarts früher. Kaum gegründet, nahm sie Warner Bros., später dann die EMI unter Vertrag. Klassenkampf unter Major Label-Flagge - damals war man noch ehrgeizig. 'Man nennt das wohl eine natürliche Entwicklung', erinnert sich Mensi. 'Wenn du vor einem großen Publikum spielen wolltest, dann gingst du eben zu einem Major. Indies gab es damals kaum und brachten auch keinen weiter. Ein Major Label konnte dir eine Menge Türen öffnen, sie hatten ja die ganzen Kontakte zum Radio und zur Presse.'
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Die Erinnerung an alte Tage scheint ihn doch etwas wehmütig zu stimmen und er scherzt: 'Das ist jetzt viele Monde her!' Heute käme ein Major für die Band kaum noch in Frage: 'Die meisten Bands haben eine Lebenserwartung von zwei oder drei Jahren, dann löst sich eine Plattenfirma für gewöhnlich von ihnen. Aber es muss irgendetwas an uns dran sein, denn wir sind jetzt schon 30 Jahre dabei. Fucking hell! Aber einen Majorvertrag werden wir nie wieder bekommen, ist ja auch nicht notwendig.'
Das lässt nicht gerade auf rege Songwriting- oder Aufnahmeaktivitäten schließen. Tatsächlich hat Mensi keine Pläne für ein neues Album: 'Was sonst kann man noch sagen, als schon gesagt wurde? Die Geschichte dreht sich im Kreis. Seit unserem ersten Album hat sich nichts verändert. Christen und Moslems führen immer noch Kriege, wie schon vor 600 oder was weiß ich wieviel Jahren. Die Menschen haben nichts gelernt. Alles geht weiter, nur in immer zerstörerischer Weise. Die Gier verlängert alles nur. Wir könnten unser erstes Album einfach regelmäßig wiederveröffentlichen. Es gibt einfach nichts Neues zu sagen.'
Nicht einmal die aktuelle weltweite Krise animiert Mensi zu neuen Songs: 'Es ist eine genauso natürliche Entwicklung, dass man immer weniger Wut fühlt. Einfach weil man erkennt, dass man gegen den Wind pisst. OK, man ist immer noch genauso wütend, aber immer weniger motiviert. Es hört doch sowieso keiner auf uns, zumindest nicht in England. Dort akzeptieren wir einfach alles, wie es ist. Deswegen mag ich die Franzosen. Wenn denen etwas nicht passt, gehen sie auf die Straße und rebellieren.'
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Ganz so sinnlos erscheint Mensi die Weiterexistenz seiner Band dann aber doch nicht, deren Anliegen ganz klar immer noch das aus den Anfangstagen ist, wie er betont. Es geht immer noch darum, denen, die es brauchen, Kraft und Zusammenhalt zu geben. Deshalb spielen Angelic Upstarts nach wie vor live und vorrangig ihren alten Hymnen: 'Es ist schon befriedigend, wenn wir um die halbe Welt fliegen und die Kids dort die Texte unserer Lieder kennen. Ich schätze, man ist erfolgreich, sobald man eine Anzahl Leute beeinflusst hat, egal wie klein sie ist.'
Den größten Einfluss haben immer noch Klassiker-Alben wie 'Teenage Warning' oder 'Reason Why?' Unter den alten Scheiben finden sich mit 'Live in Yugoslawia' and 'Last Tango in Moscow' außerdem viele Bezüge auf Osteuropa. Mensi erinnert sich gut an die Zeit, als die Welt noch in zwei Blöcke geteilt war und er eine Mission als eine Art Botschafter zwischen den Systemen gefunden hatte: 'Es ist doch die gleiche Arbeiterklasse. Osteuropäer, Westeuropäer - wo ist der Unterschied? Ich habe versucht, Kontakte zu knüpfen, ganz einfach. Und aus den europäischen Kontakten konnten dann weltweite Kontakte werden.'
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